Automobilzulieferer 2026: Die Branche zwischen Krise und Transformation
Die deutschen Automobilzulieferer erleben 2026 eines der härtesten Jahre ihrer Geschichte. Nach einem bereits schwierigen Geschäftsjahr 2025 mit sinkendem Branchenumsatz, Rekord-Insolvenzen und massivem Stellenabbau stehen die Zeichen weiter auf Konsolidierung. Gleichzeitig treiben Elektromobilität, Software-defined Vehicles und Künstliche Intelligenz die Transformation voran - wer jetzt nicht investiert, riskiert den Anschluss. Dieser Bericht analysiert den Automobilzulieferer-Markt 2026 umfassend: von Kennzahlen der größten Player bis hin zu regulatorischen Weichenstellungen und strategischen Zukunftstrends.
Zentrale Erkenntnisse auf einen Blick
- Der Branchenumsatz der deutschen Automobilindustrie sank 2025 um 1,6 Prozent - nach einem Rückgang von fünf Prozent im Vorjahr. 1EY-Analyse: Automobilstandort Deutschland immer stärker unter Druck (2026)
- Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Automobilindustrie fiel um 6,2 Prozent auf 725.000 - den niedrigsten Stand seit 14 Jahren. 1EY-Analyse: Automobilstandort Deutschland immer stärker unter Druck (2026)
- 59 Insolvenzen größerer Automobilzulieferer wurden 2025 verzeichnet; für 2026 erwarten Experten eine Verschärfung. 2Automobilzulieferer 2026: Das nächste harte Jahr – Insolvenzanalyse
- Der VDA prognostiziert für 2026 einen leichten Rückgang der Pkw-Inlandsproduktion um 1 Prozent auf 4,11 Millionen Einheiten. 3VDA: Prognosen für 2026 – Pkw-Neuzulassungen und Produktion
- Die US-Autozölle auf EU-Importe wurden rückwirkend zum 1. August 2025 auf 15 Prozent gesenkt - nach zuvor 27,5 Prozent. 4Handelsabkommen EU-USA: Autozölle rückwirkend auf 15 Prozent gesenkt
- Continental hat im September 2025 sein Automotive-Geschäft als eigenständiges Unternehmen AUMOVIO an die Börse gebracht. 5AUMOVIO startet erfolgreich an der Börse (18. September 2025)
- Automobilzulieferer diversifizieren zunehmend in die Verteidigungsindustrie und humanoide Robotik.
Marktüberblick: Automobilzulieferer Deutschland 2025/2026
Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung
Die Lage der Automobilzulieferer in Deutschland bleibt angespannt. Laut einer aktuellen EY-Analyse schrumpfte der Branchenumsatz 2025 zum zweiten Mal in Folge. Der Rückgang von 1,6 Prozent folgte auf ein Minus von fünf Prozent im Vorjahr. 1EY-Analyse: Automobilstandort Deutschland immer stärker unter Druck (2026) Besonders gravierend: Die Zahl der Beschäftigten sank um 6,3 Prozent - zum Ende des dritten Quartals 2025 arbeiteten gut 48.700 weniger Menschen in der Branche als ein Jahr zuvor. 6Destatis: Stellenabbau in der Automobilindustrie – 48.700 weniger Beschäftigte (Q3 2025) Damit ist die Automobilindustrie die am stärksten von Jobverlusten betroffene große Industriebranche in Deutschland.
Der Stellenabbau betrifft sämtliche Ebenen der Wertschöpfungskette. Bei den großen Zulieferern sind die Dimensionen beachtlich:
| Unternehmen | Umsatz 2025 | Stellenabbau (angekündigt) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Bosch | 91 Mrd. € (wechselkursbereinigt +4,2 %) 7Bosch: Geschäftsjahr 2025 – Weichenstellung für die Zukunft | ~13.000 Stellen in Deutschland 8Bosch plant massiven Stellenabbau: 13.000 Jobs stehen auf dem Spiel | EBIT um 45 % eingebrochen |
| ZF Friedrichshafen | 38,8 Mrd. € 9ZF Friedrichshafen: Jahresbilanz 2025 – 2,1 Mrd. Euro Nettoverlust | bis zu 14.000 Stellen bis 2028 10ZF verschärft Restrukturierung: Stellenabbau bis 2028 | Nettoverlust: 2,1 Mrd. € |
| Continental/AUMOVIO | 19,7 Mrd. € (Continental gesamt) 11Continental AG: Zahlen, Daten, Fakten 2025 – 19,7 Mrd. Euro Umsatz | weitere 3.000 F&E-Stellen bis Ende 2026 12Continental streicht weitere 3.000 F&E-Stellen bis Ende 2026 | Spin-off im September 2025 |
| Schaeffler | 23,5 Mrd. € 13Schaeffler: Solides Geschäftsjahr 2025 – 23,5 Mrd. Euro Umsatz | k.A. | Vitesco-Integration, neue Felder |
Die Krise in Zahlen: Insolvenzen auf Höchststand
Die Pleitewelle unter Automobilzulieferern setzt sich 2026 fort. Nach 59 Insolvenzen größerer Zulieferer im Jahr 2025 erwarten führende Branchenexperten für 2026 keine Trendwende, sondern eine weitere Verschärfung. 2Automobilzulieferer 2026: Das nächste harte Jahr – Insolvenzanalyse Die Ursachen sind vielschichtig: sinkende Stückzahlen, aggressive Preisverhandlungen der OEMs, hohe Energie- und Personalkosten sowie die kostspielige Transformation zur Elektromobilität.
Besonders mittelständische Zulieferer ohne ausreichende Kapitaldecke und ohne diversifiziertes Produktportfolio geraten unter Druck. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland hat 2025 den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht - die Autobranche gehört zu den am stärksten betroffenen Sektoren. 14Insolvenzen erreichen 20-Jahres-Hoch: Autobranche besonders unter Druck
Große Entwicklungen bei den Automobilzulieferern 2026
Bosch: Sparprogramm und Strategiewende
Der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch blickt auf ein "schmerzhaftes" Jahr 2025 zurück. Der operative Gewinn (EBIT) brach um rund 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ein; die operative EBIT-Rendite sank auf etwa zwei Prozent (Vorjahr: 3,5 Prozent). 15Bosch: Operativer Gewinn bricht 2025 um fast die Hälfte ein Hauptgrund: massive Rückstellungen für den Stellenabbau von 13.000 Stellen an deutschen Mobility-Standorten. Gleichzeitig investiert Bosch gezielt in softwaregetriebene Mobilität: Das Auftragsvolumen im Bereich Software-defined Vehicles erreichte 10 Milliarden Euro. 7Bosch: Geschäftsjahr 2025 – Weichenstellung für die Zukunft Die Kooperation mit CARIAD (Volkswagen-Konzern) für automatisierte Fahrfunktionen soll ab Mitte 2026 serienreif werden. 16Bosch und CARIAD: Automatisiertes Fahren mit KI – Serienreife Mitte 2026
ZF Friedrichshafen: Rekordverlust und Entschuldungsdruck
ZF steht vor einer der größten Umstrukturierungen seiner Geschichte. Der Nettoverlust verdoppelte sich 2025 auf 2,1 Milliarden Euro, maßgeblich getrieben durch Einmalbelastungen von 1,6 Milliarden Euro aus der Abschreibung unprofitabler Projekte. 9ZF Friedrichshafen: Jahresbilanz 2025 – 2,1 Mrd. Euro Nettoverlust Die Nettoverschuldung liegt bei 10,2 Milliarden Euro - ein Rückgang um lediglich 250 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. 9ZF Friedrichshafen: Jahresbilanz 2025 – 2,1 Mrd. Euro Nettoverlust Die F&E-Ausgaben sanken um 300 Millionen Euro auf 3,3 Milliarden Euro, die F&E-Quote blieb bei 8,6 Prozent. 17ZF: Jahresverlust verdoppelt sich – F&E-Ausgaben bei 3,3 Mrd. Euro ZF plant den Abbau von bis zu 14.000 Stellen bis 2028 und schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus.
Continental-Aufspaltung: AUMOVIO als eigenständiger Player
Ein Meilenstein der Branche war die Abspaltung des Continental-Automotive-Geschäfts. Am 18. September 2025 startete AUMOVIO als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen an der Frankfurter Börse mit einer Erstnotiz von 35 Euro und einer Marktkapitalisierung von rund 3,5 Milliarden Euro. 5AUMOVIO startet erfolgreich an der Börse (18. September 2025) Das Unternehmen - spezialisiert auf Hard- und Softwarelösungen für Fahrzeuge - strebt langfristig einen Umsatz von über 24 Milliarden Euro an (2024: 19,6 Milliarden Euro). 18AUMOVIO Kapitalmarkttag: Langfristiger Umsatz über 24 Mrd. Euro angepeilt Gleichzeitig hält der Kostendruck an: Continental kündigte an, bis Ende 2026 weltweit nochmals 3.000 Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung zu streichen. 12Continental streicht weitere 3.000 F&E-Stellen bis Ende 2026
Schaeffler: Diversifizierung nach Vitesco-Übernahme
Die Integration des 2024 übernommenen Wettbewerbers Vitesco schreitet bei Schaeffler voran. Der Zulieferer erzielte 2025 einen Umsatz von 23,5 Milliarden Euro und erreichte damit währungsbereinigt nahezu das Vorjahresniveau. 13Schaeffler: Solides Geschäftsjahr 2025 – 23,5 Mrd. Euro Umsatz Im Bereich E-Mobility verzeichnete Schaeffler im ersten Halbjahr 2025 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 9,7 Prozent. 19Schaeffler: Solides erstes Halbjahr 2025 – E-Mobility +9,7 Prozent Strategisch setzt der Konzern auf Diversifizierung: Bis 2035 will Schaeffler rund zehn Prozent seines Umsatzes mit neuen Geschäftsfeldern wie humanoider Robotik, Verteidigung und eAviation erzielen. 20Schaeffler: Strategie nach Vitesco-Übernahme – Neue Felder bis 2035
Mahle: Spar-Hammer im Verbrenner-Geschäft
Auch der Stuttgarter Zulieferer Mahle bleibt nicht verschont. Mahle kündigte den Abbau von rund 1.000 Stellen an - ein Großteil davon in Deutschland - und prüft zudem die Schließung eines Werks mit circa 190 Beschäftigten. 21Mahle macht Ernst: Stellenabbau und mögliche Werksschließung Standorte wie Gaildorf, Öhringen und Freiberg wurden in den vergangenen Jahren bereits geschlossen. Der sinkende Bedarf an klassischen Verbrennungsmotor-Komponenten trifft Mahle als Kolben- und Filterspezialist besonders hart.
Technologie- und Innovationstrends für Automobilzulieferer
Elektromobilität als Wachstumstreiber
Trotz der schwierigen Gesamtlage bleibt die Elektromobilität der zentrale Transformationstreiber für die Automobilzulieferer-Industrie. Deutschland produzierte 2025 mit 1,67 Millionen Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden einen Rekordwert und festigte seinen Platz als zweitgrößter BEV-Produktionsstandort weltweit hinter China. 22VDA: E-Auto-Produktion 2025 auf Rekordniveau – 1,67 Mio. Einheiten Der BEV-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen in Deutschland stieg 2025 auf 19,1 Prozent - nach 13,5 Prozent im Vorjahr. 23BEV-Neuzulassungen Deutschland 2025: 19,1 Prozent Anteil Der VDA prognostiziert für 2026 knapp eine Million E-Auto-Neuzulassungen in Deutschland - ein Plus von 17 Prozent. 3VDA: Prognosen für 2026 – Pkw-Neuzulassungen und Produktion
Für die Zulieferer bedeutet dies: Das Geschäft verlagert sich von mechanischen Antriebskomponenten hin zu Leistungselektronik, Batteriemanagementsystemen und E-Achsen. Hersteller und Zulieferer der deutschen Automobilindustrie investieren von 2025 bis 2029 weltweit rund 320 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung - mit Schwerpunkt auf Elektromobilität, Batterietechnik und Digitalisierung. 24VDA: F&E-Investitionen 2025–2029 bei 320 Mrd. Euro
Software-defined Vehicles und Autonomes Fahren
Das softwaregetriebene Fahrzeug wird zum dominierenden Paradigma. Automobilzulieferer müssen sich zunehmend als Softwareunternehmen positionieren. Bosch und CARIAD entwickeln gemeinsam automatisierte Fahrfunktionen auf Basis von KI, die ab Mitte 2026 in Serienprojekte des Volkswagen-Konzerns überführt werden sollen. 16Bosch und CARIAD: Automatisiertes Fahren mit KI – Serienreife Mitte 2026 Die ADAS-Märkte (Advanced Driver Assistance Systems) wachsen dynamisch: Auf der CES 2026 betonte Qualcomm, dass der "Software-Stack entscheidet" - Hardwarekompetenz allein reicht nicht mehr. 25CES 2026: Qualcomm ADAS – Der Software-Stack entscheidet
Künstliche Intelligenz in Produktion und Entwicklung
KI durchdringt 2026 die gesamte Wertschöpfungskette der Automobilzulieferer - von der Produktentwicklung über die Qualitätssicherung bis zum Supply-Chain-Management. Laut einer Deloitte-Analyse konvergieren sechs starke Trends, die die Arbeitsweise von Herstellern, Zulieferern und Händlern grundlegend verändern. 26Deloitte: KI-Trends in der Automobilindustrie 2026 Besonders die agentische KI - also KI-Systeme, die autonom Entscheidungen treffen - gewinnt an Bedeutung. Für mittelständische Zulieferer werden semantische Datenmodelle und Datensouveränität zur Pflichtaufgabe. 27automotiveIT: Daten- und KI-Trends 2026 – Datensouveränität als Voraussetzung
Batteriezellfertigung: China dominiert, Europa holt auf
Im Bereich der Batteriefertigung bleibt China dominierend. CATL und BYD kontrollieren zusammen über 55 Prozent des Weltmarktes für E-Auto-Akkus (CATL: 39,2 %, BYD: 16,4 %). 28SNE Research: Akku-Markt 2026 – CATL und BYD kontrollieren über 55 Prozent CATL startet 2026 zudem die Massenproduktion von Natrium-Ionen-Batterien (Naxtra), die gänzlich ohne Lithium auskommen. Europäische Kapazitäten liegen mit unter 200 GWh noch deutlich unter Chinas 550 GWh. In Deutschland entstehen zwar neue Werke (u. a. die VW-Einheitszellen-Fabrik in Salzgitter), doch der Rückstand bleibt beträchtlich.
Regulatorische und politische Rahmenbedingungen für Automobilzulieferer 2026
EU-CO₂-Flottengrenzwerte: Flexibilisierung schafft Atempause
Die verschärften EU-CO₂-Flottengrenzwerte, die ab 2025 eine Senkung des Grenzwerts um 15 Prozent auf 93,6 g/km vorsahen, sorgten für erhebliche Unsicherheit. Die EU gewährte den Herstellern letztlich eine Flexibilisierung: Die Zielerreichung wurde auf die Jahre 2025 bis 2027 verteilt, um milliardenschwere Strafzahlungen abzuwenden. 29EU-Flexibilisierung der CO₂-Flottengrenzwerte 2025–2027 Für Zulieferer bedeutet dies kurzfristig etwas weniger Druck auf die BEV-Hochlaufgeschwindigkeit, langfristig bleibt die Verschärfung auf 49,5 g/km bis 2030 bestehen.
EU-Ausgleichszölle auf chinesische E-Autos
Die EU hat endgültige Ausgleichszölle auf batteriebetriebene Elektrofahrzeuge aus China eingeführt - sie gelten seit Ende 2025 für einen Zeitraum von fünf Jahren. 30EU-Kommission: Endgültige Ausgleichszölle auf chinesische E-Autos Die Zollsätze variieren je nach Hersteller und reichen bis zu 45 Prozent. Deutschland hatte gegen den Vorschlag gestimmt, da die Bundesregierung Vergeltungsmaßnahmen und Nachteile für deutsche Autobauer mit China-Geschäft befürchtete. Tatsächlich hat China als Gegenmaßnahme seit Februar 2026 Zölle auf EU-Milchprodukte eingeführt. Für die deutschen Automobilzulieferer ist die Lage ambivalent: Einerseits schützen die Zölle den europäischen Markt vor Billigimporten, andererseits verlieren Zulieferer Marktanteile in China, wo chinesische OEMs ihren Heimatmarktanteil auf 67 Prozent ausgebaut haben. 31Deutsche Zulieferer verlieren China-Geschäft: OEM-Marktanteil bei 67 Prozent
US-Zölle: Entspannung nach dramatischer Eskalation
Die US-Autozölle waren 2025 das dominierende Handelsthema. Im März 2025 verhängte die Trump-Regierung 25-Prozent-Zölle auf alle Autoimporte, die im Rahmen eines EU-US-Handelsabkommens rückwirkend zum 1. August 2025 auf 15 Prozent gesenkt wurden. 4Handelsabkommen EU-USA: Autozölle rückwirkend auf 15 Prozent gesenkt Trotz der Absenkung bleiben die Zölle ein erheblicher Kostenfaktor. Laut Bloomberg-Berechnungen könnten die verbleibenden Zölle etwa ein Viertel des für 2026 prognostizierten Betriebsgewinns von Porsche und Mercedes zunichtemachen. 32Strategy&: Automobilzuliefer-Studie 2025 – Nominales Nullwachstum Zulieferer mit US-Produktionsstandorten sind hier im Vorteil.
Omnibus-Richtlinie: Entlastung bei Nachhaltigkeitsberichterstattung
Am 18. März 2026 trat das Omnibus-I-Paket der EU in Kraft, das die CSRD-Berichtspflichten und die Lieferkettenrichtlinie CSDDD erheblich abschwächt. 33Roland Berger / Lazard: Global Automotive Supplier Study 2025 – Stagformation Durch deutlich erhöhte Schwellenwerte wird ein Großteil des Mittelstands von der direkten Berichtspflicht befreit - laut EU-Angaben sind 80 Prozent weniger Unternehmen betroffen. Für mittelständische Automobilzulieferer bedeutet dies eine spürbare bürokratische Entlastung, auch wenn die Sorgfaltspflichten indirekt über die Lieferkette bestehen bleiben.
Herausforderungen und Risiken für Automobilzulieferer
Strukturwandel und Fachkräftemangel
Der Transformationsdruck in der Branche ist enorm. Klassische Produktionsberufe gehen zurück, während Datenexpert:innen, KI-Spezialist:innen und Batterieingenieur:innen dringend gesucht werden. Laut einer McKinsey-Studie stehen bis zu einem Drittel der Wertschöpfung der europäischen Automobilindustrie - rund 440 Milliarden Euro - bis 2035 auf dem Spiel. 34EU Omnibus-I-Paket: CSRD und CSDDD deutlich abgeschwächt (März 2026) Die Qualifizierung der Belegschaft wird zum strategischen Imperativ.
China als Wettbewerber und verlorener Absatzmarkt
Die Bedrohung aus China ist doppelter Natur: Chinesische Zulieferer drängen mit aggressiven Preisen auf den europäischen Markt, und gleichzeitig verlieren deutsche Zulieferer ihren einstmals sicheren Absatzmarkt in China. Es wird erwartet, dass Deutschland zwischen 2025 und 2027 im Vergleich zu den Prognosen von 2020 über vier Millionen produzierte Fahrzeuge verliert - Gewinner sind vor allem China und Indien. 35McKinsey: Europäische Autoindustrie vor größter Bewährungsprobe – 440 Mrd. Euro auf dem Spiel
Preisdruck und Margenerosion
Die Strategy&-Zulieferstudie 2025 zeigt ein nominales Nullwachstum der globalen Automobilbranche, das real einem Rückgang entspricht. 36Deutsche Automobilzulieferer im Schock und Umbruch – Produktionsverluste bis 2027 Die Roland-Berger-Studie spricht von einer Phase der "Stagformation" - stagnierendes Wachstum bei gleichzeitigem Transformationsdruck. Die durchschnittliche EBIT-Marge der globalen Automobilzulieferer sank auf 4,7 Prozent - nach 5,3 Prozent im Vorjahr und deutlich unter dem Vorkrisenniveau. 37Strategy&: Automobilzuliefer-Studie 2025 Für 2026 erwarten Branchenbeobachter härtere Preisverhandlungen der OEMs, was die Margen weiter unter Druck setzt.
Energiekosten und Standortnachteile
Die hohen Energiekosten in Deutschland bleiben ein struktureller Wettbewerbsnachteil. In Kombination mit den steigenden Personal- und Rohstoffkosten verschärft sich der wirtschaftliche Druck auf die Zulieferer massiv. Porsche Consulting beschreibt die Restrukturierung bereits als "Überlebensprinzip" für die Branche. 38Roland Berger / Lazard: EBIT-Marge der Zulieferer sinkt auf 4,7 Prozent
Diversifizierung: Neue Geschäftsfelder für Automobilzulieferer
Ein bemerkenswerter Trend 2026 ist die strategische Diversifizierung der Automobilzulieferer in branchenfremde Sektoren. Laut einer Roland-Berger-Studie suchen mittelständische Zulieferer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv nach neuen Wachstumsfeldern. 39Porsche Consulting: Automobilindustrie 2026 – Restrukturierung als Überlebensprinzip
- Verteidigungsindustrie: Schaeffler steigt ins Rüstungsgeschäft ein, ZF prüft Synergien mit Rüstungsunternehmen. Laut FTI-Andersch sucht ein Großteil der Zulieferer aktiv nach alternativen Geschäftsfeldern im Verteidigungsbereich. 40Roland Berger: Mittelständische Automobilzulieferer hoffen auf neues Wachstum
- Humanoide Robotik: Schaeffler bündelt seit 2025 Wachstumsfelder wie humanoide Robotik in einer eigenen Sparte "Others". 20Schaeffler: Strategie nach Vitesco-Übernahme – Neue Felder bis 2035
- eAviation: Elektrifizierte Luftfahrt bietet Zulieferern Möglichkeiten, Kompetenzen in Leistungselektronik und Leichtbau zu transferieren.
- Medizintechnik und Industrieautomation: Weitere Diversifizierungsoptionen für Zulieferer mit Präzisionsfertigungskompetenz.
Zwei Drittel der Zulieferer erwarten laut Baker Tilly eine deutliche Konsolidierung des Marktes. 41FTI-Andersch / Handelsblatt: Zulieferer diversifizieren in Verteidigungsindustrie Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell sich die Branche transformiert.
Ausblick 2027: Was erwartet die Automobilzulieferer-Industrie?
Die Prognosen für 2027 sind verhalten optimistisch - allerdings nur für jene Unternehmen, die die Transformation aktiv gestalten:
Produktionsvolumen: Der VDA erwartet für 2026 einen leichten Rückgang der Inlandsproduktion, während die Auslandsproduktion deutscher Marken um ein Prozent auf 9,2 Millionen Fahrzeuge steigen dürfte. 3VDA: Prognosen für 2026 – Pkw-Neuzulassungen und Produktion Ab 2027 könnte sich der Inlandsmarkt bei Erreichen stabiler BEV-Hochlaufquoten leicht erholen.
Konsolidierung beschleunigt sich: Die Pleitewelle wird 2026/2027 weiter Unternehmen vom Markt drängen. Gleichzeitig bieten sich M&A-Chancen für kapitalkräftige Zulieferer.
Bosch sieht frühestens ab 2027 Entspannung: Das Unternehmen erwartet für das laufende Jahr keine Besserung und sieht erst ab 2027 Chancen für eine Erholung der Ergebnisse. 15Bosch: Operativer Gewinn bricht 2025 um fast die Hälfte ein
E-Mobilität wird Normalität: Mit prognostizierten BEV-Anteilen von 25 bis 30 Prozent an den Neuzulassungen wird die kritische Masse erreicht, die Skaleneffekte in der Zulieferkette ermöglicht.
Geopolitische Risiken bleiben: Die US-Zölle, der EU-China-Handelskonflikt und potenzielle Lieferkettenunterbrechungen werden das strategische Umfeld weiterhin prägen.
Die deutsche Automobilzulieferer-Industrie befindet sich 2026 in einer Phase der schmerzhaften, aber notwendigen Neuausrichtung. Die Ära stetigen Wachstums ist definitiv vorbei. Wer als Automobilzulieferer überleben will, muss gleichzeitig Kosten senken, in neue Technologien investieren und alternative Geschäftsfelder erschließen. Die kommenden 18 Monate werden zeigen, welche Unternehmen diesen Spagat meistern - und welche auf der Strecke bleiben.


