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Neue Umweltregeln für Bauprodukte: DIN sucht LCA-Experten für europäische Produktkategorieregeln

Das DIN hat einen Expertenaufruf für das europäische Projekt CODEV-PCR veröffentlicht, das ergänzende Produktkategorieregeln für die Umweltbewertung von Bauprodukten entwickelt. Hintergrund ist die neue EU-Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110, die seit Januar 2026 gilt und erstmals Umweltleistungserklärungen für CE-gekennzeichnete Bauprodukte verlangt.

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Neue Umweltregeln für Bauprodukte: DIN sucht LCA-Experten für europäische ProduktkategorieregelnChristian Lue / Unsplash

Expertenaufruf mit regulatorischem Hintergrund

Das DIN hat Ende März 2026 einen Aufruf an Ökobilanz-Fachleute (Life-Cycle Assessment, LCA) veröffentlicht. Gesucht werden Experten für das europäische Projekt "CODEV-PCR" - kurz für "Construction complementary Product Category Rules development and coordination". Das Projekt soll sicherstellen, dass die ergänzenden Produktkategorieregeln (c-PCR) für Bauprodukte die Anforderungen der europäischen Kernnorm EN 15804+A2 erfüllen und mit der neuen Bauproduktenverordnung konform sind 1DIN – Call for Experts on Construction Product Category Rules (CODEV-PCR).

Wer diesen Aufruf als reine Normungsbürokratie abtut, unterschätzt die regulatorische Dynamik dahinter. Die novellierte EU-Bauproduktenverordnung (Verordnung (EU) 2024/3110) ist am 7. Januar 2025 in Kraft getreten und seit dem 8. Januar 2026 generell anwendbar 2Verordnung (EU) 2024/3110 – Bauproduktenverordnung (CPR). Sie löst die bisherige Verordnung (EU) Nr. 305/2011 ab - mit einer Übergangsfrist von bis zu 15 Jahren, in der beide Regelwerke parallel gelten können 3Bauproduktenverordnung (CPR) Nachhaltigkeit und Transparenz im Bausektor – thinkstep-anz. Entscheidend: Die neue CPR verlangt erstmals Erklärungen zur ökologischen Nachhaltigkeitsleistung von Bauprodukten als Bestandteil der Leistungs- und Konformitätserklärung 2Verordnung (EU) 2024/3110 – Bauproduktenverordnung (CPR).

Was sind c-PCR und warum sind sie relevant?

Die Kernnorm EN 15804+A2 definiert grundlegende Regeln für Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declarations, EPDs) aller Bauprodukte. Sie liefert den methodischen Rahmen - von der Systemgrenze über Allokationsregeln bis zu Wirkungskategorien 4EN 15804+A2:2019 – Nachhaltigkeit von Bauwerken: Umweltproduktdeklarationen. Doch für einzelne Produktgruppen - etwa Zement, Dämmstoffe, Fenster oder Stahlbauteile - braucht es ergänzende, produktgruppenspezifische Regeln: die complementary PCR (c-PCR).

Diese c-PCR werden bislang von CEN/TC 350 WG 3 ("Sustainability of construction works") kommentiert und geprüft 1DIN – Call for Experts on Construction Product Category Rules (CODEV-PCR). Doch das bisherige Verfahren stößt an seine Grenzen: Die Zahl der erwarteten c-PCR steigt mit der neuen CPR erheblich, und der regulatorische Kontext erfordert eine unabhängigere Prüfung. Laut DIN wird die Zuständigkeit daher in eine neue Ad-hoc-Gruppe innerhalb von CEN/TC 350 verlagert, die von nationalen Normungsgremien getragen und durch fünf unabhängige LCA-Experten unterstützt wird 1DIN – Call for Experts on Construction Product Category Rules (CODEV-PCR).

Auswirkungen auf Hersteller

Für Bauprodukthersteller - gerade im Mittelstand - verschieben sich damit die Koordinaten. Wer CE-gekennzeichnete Bauprodukte auf dem EU-Binnenmarkt vertreibt, muss sich darauf einstellen, dass Umweltleistungsdaten künftig nicht mehr optional sind. Die neue CPR sieht vor, dass Schwellenwerte und Leistungsklassen für die ökologische Nachhaltigkeitsleistung von Bauprodukten festgelegt werden können 5EU-Bauproduktenverordnung – Umweltbundesamt. Die c-PCR bilden die methodische Grundlage, auf der diese Bewertungen durchgeführt werden.

Konkret bedeutet das: Die Regeln, nach denen etwa der CO₂-Fußabdruck eines Dämmstoffs oder die Recyclingfähigkeit eines Fensterrahmens berechnet werden, werden in den kommenden Monaten in europäischen Normungsgremien verhandelt. Bewerbungen für die Position der LCA-Experten im CODEV-PCR-Projekt sind an CFE-CODEV-PCR@din.de zu richten; die Koordination liegt bei der Sekretärin von CEN/TC 350/WG 3 1DIN – Call for Experts on Construction Product Category Rules (CODEV-PCR).

Ergänzende DIN-Aktualisierungen

Parallel hat das DIN Ende März zwei langjährige Normen aus dem Bereich elektrischer Isolierstoffe und Freileitungen aktualisiert: DIN 40604-1 (Vulkanfiber; Tafeln, Bahnen, Streifen, Bänder) stammt ursprünglich aus dem Jahr 1965 6DIN 40604-1 – Vulkanfiber; Tafeln, Bahnen, Streifen, Bänder, DIN 48050-1 (Gerade Isolatorstütze, kegelig) geht auf 1963 zurück 7DIN 48050-1 – Gerade Isolatorstütze, kegelig. Beide Normen betreffen Nischenprodukte - ihre Pflege zeigt jedoch, dass auch im Bereich der klassischen Werkstoffnormung Revisionsbedarfe bestehen, die das DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik) systematisch abarbeitet.

Ausblick

Die CODEV-PCR-Initiative ist kein isoliertes Normungsprojekt. Sie steht im Kontext einer regulatorischen Kaskade: Die neue Bauproduktenverordnung definiert die Pflicht zur Umweltleistungserklärung, EN 15804+A2 liefert den methodischen Rahmen, und die c-PCR konkretisieren die Anforderungen für einzelne Produktgruppen. Für Bauprodukthersteller, die sich bislang nicht mit Ökobilanzen befasst haben, wird dieses Thema in den kommenden zwei bis drei Jahren operative Relevanz entfalten. Wer die eigenen Produkte in den c-PCR-Prozess einbringen will, hat jetzt die Gelegenheit - über die eigenen Branchenverbände oder direkt über das DIN.


Bild: Christian Lue / Unsplash

Martin Brückner (KI)

Martin Brückner (KI)

Ressortleiter Energie & Nachhaltigkeit

Umweltingenieur und Energieberater mit Schwerpunkt industrieller Energieeffizienz. Berichtet über Energiekosten, Energiewende in der Industrie, CO2-Regulierung, CSRD und nachhaltige Produktion.

science Recherche-Transparenz

12 Recherchen, 3 Überlegungen

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Unten sehen Sie den vollständigen Recherche- und Denkprozess.