Supply Chain und Shipping 2026: Drei Krisen, ein Markt unter Druck
Das Jahr 2026 wird als historische Zäsur in die Annalen der globalen Supply Chain und Shipping-Branche eingehen. Drei maritime Chokepoints sind erstmals gleichzeitig gestört: Die Straße von Hormus ist seit dem 2. März 2026 praktisch geschlossen, Houthi-Angriffe im Roten Meer haben erneut zugenommen, und der Suezkanal verzeichnet halbierte Transitvolumen. Gleichzeitig drückt eine strukturelle Überkapazität mit rund 1,5 Millionen TEU an Neuauslieferungen allein 2026 auf die Container-Frachtraten. 1Container Shipping Overcapacity Crisis – Record Newbuilding Deliveries 2026 Für Handel und Lieferketten bedeutet dies: maximale Unsicherheit bei gleichzeitig sinkender Wirtschaftsdynamik. Die WTO hat ihre Prognose für das globale Warenhandelswachstum 2026 drastisch auf nur noch 0,5 % gesenkt. 2WTO downgrades global trade growth forecast to 0.5% for 2026
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
- Hormuz-Krise: Der Transit durch die Straße von Hormus ist seit dem 2. März 2026 um rund 70 % eingebrochen, nachdem Iran die Sperrung angekündigt hat. 3Strait of Hormuz Disruption 2026: Oil & Supply Chains Der Ölpreis hat zeitweise 141 USD pro Barrel erreicht. 4Spot Brent Crude Soars to $141 As Hormuz Crisis Sparks Supply Shock
- Rotes Meer: Erneute Houthi-Angriffe seit März 2026 haben die meisten großen Carrier erneut zur Umleitung über das Kap der Guten Hoffnung gezwungen. 5Middle East Conflict Disruption Updates – March 12, 2026: Red Sea & Houthi attacks resume
- Überkapazität: Die globale Containerflotte wächst 2026 um rund 3,9 %, während die Nachfrage nur um 1,9 % steigt - die Überkapazitätskrise wird sich bis mindestens 2028 fortsetzen. 6New vessel deliveries reshape container shipping – Fleet growth vs demand 2025-2028 (Braemar)
- Deutsche Logistik: Die deutsche Logistikbranche erwartet 2026 ein reales Wachstum von nur 0,5 % (nominal 2,6 %), bei einem Gesamtumsatz von über 335 Mrd. Euro. 7BVL Gipfel der Logistikweisen: Prognose für 2026 – reales Wachstum 0,5%
- Regulierung: Die EU hat am 4. März 2026 die Industrial Maritime Strategy und die Ports Strategy verabschiedet. 8EU Industrial Maritime Strategy and EU Ports Strategy – European Commission, 4. März 2026 Gleichzeitig tritt der CBAM in die Vollphase ein. 9CBAM 2026: EU Carbon Border Adjustment Mechanism enters definitive phase
- Frachtraten: Der Shanghai Containerized Freight Index hat Anfang 2026 seinen tiefsten Stand seit Dezember 2023 erreicht - bevor die Hormuz-Krise eine neue Volatilitätswelle auslöste. 10Shanghai Containerized Freight Index sinks to lowest since December 2023
Marktüberblick: Größe, Wachstum und Schlüsselakteure
Globaler Shipping- und Logistikmarkt
Der globale Cargo-Shipping-Markt wird 2026 auf 14,73 Mrd. USD beziffert und soll bis 2031 auf 18,47 Mrd. USD anwachsen - bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 4,63 %. 11Cargo Shipping Market Analysis 2026-2031 – Mordor Intelligence Das globale Frachtvolumen erreichte 2025 rund 12,93 Mrd. Tonnen und wächst mit einer CAGR von 2,6 % bis 2035 auf prognostizierte 16,71 Mrd. Tonnen. 12Global Cargo Shipping Market – Volume 12.93 Billion Tons 2025, CAGR 2.6% to 2035
Der globale Logistikmarkt insgesamt wird bis 2034 auf 863,62 Mrd. USD geschätzt, wobei der asiatisch-pazifische Raum mit 44,3 % Marktanteil (2025) dominiert. 13Global Logistics Market Size – USD 863.62 Bn by 2034 In Deutschland bleibt die Logistik der drittgrößte Wirtschaftsbereich nach Automobilwirtschaft und Handel - noch vor der Elektronikbranche und dem Maschinenbau. 7BVL Gipfel der Logistikweisen: Prognose für 2026 – reales Wachstum 0,5%
Deutsche Logistikbranche: Verhaltener Optimismus
Die deutsche Logistikbranche erwirtschaftete 2024 rund 335 Milliarden Euro - ein Plus von 19 % gegenüber 2019. 14BVL / Statista: Logistikbranche Deutschland Umsatz 2024 ca. 335 Mrd. Euro Der Expertenkreis des "Gipfels der Logistikweisen" prognostiziert für 2026 im wahrscheinlichsten Szenario ein reales Wachstum von lediglich 0,5 %, nominal 2,6 %. 7BVL Gipfel der Logistikweisen: Prognose für 2026 – reales Wachstum 0,5% Die Branche beschäftigt über 3 Millionen Menschen in Deutschland und bildet damit einen der größten Arbeitgeber des Landes. 14BVL / Statista: Logistikbranche Deutschland Umsatz 2024 ca. 335 Mrd. Euro
Container-Carrier: Sinkende Margen, steigende Risiken
Die großen Containerreedereien - MSC, Maersk, CMA CGM und Hapag-Lloyd - steuern 2026 in ein deutlich schwierigeres Fahrwasser. Hapag-Lloyd verzeichnete 2025 ein EBIT von 1,1 Mrd. USD - ein deutlicher Rückgang gegenüber den Pandemiejahren - und schloss für 2026 sogar Verluste nicht aus. 15Hapag-Lloyd meldet EBIT für 2025 am oberen Ende der Prognose bei 1,1 Mrd. USD Das Hamburger Unternehmen transportierte 2025 rund 13,5 Mio. TEU, während die durchschnittlichen Frachtraten um 8 % sanken. 16Hapag-Lloyd moves 13.5M TEUs as freight rates drop 8 per cent (2025) Maersk meldete, dass der Gewinn zunehmend vom Terminal-Geschäft getragen wird, während die Ocean-Margen unter dem wachsenden Überangebot erodieren. 17Maersk 2025: terminals carrying profits as ocean margins erode
Dreifach-Krise: Hormuz, Rotes Meer und Suezkanal
Die Schließung der Straße von Hormus
Die geopolitische Eskalation im Nahen Osten hat am 28. Februar 2026 zur schwerwiegendsten Störung der globalen Schifffahrt seit Jahrzehnten geführt. Iran kündigte am 2. März 2026 die Schließung der Straße von Hormus an, woraufhin der ausgehende Schiffsverkehr aus dem Persischen Golf laut AIS-Tracking nahezu vollständig zum Erliegen kam. 18Strait of Hormuz Trade Tracker – Data Lab: AIS data shows outbound traffic halt since March 2, 2026 Die Blockade betrifft nicht nur Rohöl und LNG, sondern auch Petrochemie, Düngemittel, Metalle und Agrarprodukte. 3Strait of Hormuz Disruption 2026: Oil & Supply Chains
Unter normalen Bedingungen passieren täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge - etwa 20 % des gesamten seegestützten Ölhandels - sowie 20 % der globalen LNG-Lieferungen. 19Iran War and Global Shipping: Hormuz Closure, 20M barrels/day, 20% global LNG Der Spotpreis für Brent-Rohöl erreichte am 2. April 2026 einen Wert von 141 USD pro Barrel - den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008. 4Spot Brent Crude Soars to $141 As Hormuz Crisis Sparks Supply Shock Analysten warnen, dass bei einer Verlängerung der Blockade über Mitte April hinaus Preise von 200 USD pro Barrel nicht auszuschließen seien. 20Oil Prices Could Hit $200 as Experts Warn Hormuz Closure Past Mid-April
Evergreen, Maersk, CMA CGM und weitere große Carrier haben ihre Dienste zum Persischen Golf ausgesetzt und Force Majeure erklärt. Die US-Regierung hat ein 20-Mrd.-USD-Versicherungsgarantieprogramm aufgelegt, um den Handel aufrechtzuerhalten. 21Strait of Hormuz Crisis: Carriers Suspend Gulf Services, US $20bn Insurance Backstop
Rotes Meer: Houthi-Angriffe eskalieren erneut
Nach einer kurzen Beruhigung infolge des Gaza-Waffenstillstands im Oktober 2025 nahmen die Houthi-Rebellen am 2. März 2026 ihre Raketen- und Drohnenangriffe auf die kommerzielle Schifffahrt im Roten Meer wieder auf. 5Middle East Conflict Disruption Updates – March 12, 2026: Red Sea & Houthi attacks resume Die meisten großen Containercarrier haben ihre zaghaften Anfang-2026-Rückkehren zur Suez-Route rückgängig gemacht und erneut die Umleitung über das Kap der Guten Hoffnung eingeführt. 5Middle East Conflict Disruption Updates – March 12, 2026: Red Sea & Houthi attacks resume Das Transitvolumen im Roten Meer hat sich gegenüber dem Vorkrisenniveau halbiert. 22Red Sea Shipping Traffic Halved by Security Risks 2026
Die drei kritischen Chokepoints - Straße von Hormus, Rotes Meer/Bab el-Mandeb und Suezkanal - sind damit erstmals in der modernen Handelsgeschichte gleichzeitig massiv beeinträchtigt. 23Three critical chokepoints shut down simultaneously – unprecedented multi-front disruption
Wirtschaftliche Auswirkungen: Handel verliert Momentum
Die Folgen für den Welthandel sind gravierend. Die WTO hat ihre Prognose für das globale Warenhandelswachstum 2026 auf nur 0,5 % gesenkt - nach 4,6 % Wachstum im Jahr 2025. 2WTO downgrades global trade growth forecast to 0.5% for 2026 Sollten die Rohöl- und LNG-Preise ganzjährig hoch bleiben, könnte das Wachstum auf 1,4 % abrutschen. 24WTO: If oil and LNG prices remain high, trade growth could slow to 1.4% UNCTAD projiziert das globale Wirtschaftswachstum bei nur 2,6 % für 2026 - deutlich unter dem Vor-Pandemie-Durchschnitt von 3 %. 25UNCTAD: Global growth expected to slow to 2.6% through 2026
In den USA zeigt sich der Effekt bereits konkret: Die Containerimportvolumen an den großen US-Häfen verzeichnen seit Anfang 2026 einen signifikanten Rückgang im Jahresvergleich, nachdem 2025 tarifbedingte Vorzieheffekte die Volumina künstlich aufgebläht hatten. 26U.S. container import volumes expected to drop in first half of 2026 – NRF Global Port Tracker
Überkapazität: Das strukturelle Problem der Containerschifffahrt
Rekordzahl an Neubauten trifft auf schwache Nachfrage
Die Containerschifffahrt steht vor einer strukturellen Überkapazitätskrise historischen Ausmaßes. Seit 2021 haben Carrier ihre Rekordgewinne aus den Pandemiejahren in eine Rekordzahl an Neubestellungen investiert - aktuell stehen über 9,6 Mio. TEU in den Auftragsbüchern, was mehr als 30 % der aktiven Flotte entspricht. 6New vessel deliveries reshape container shipping – Fleet growth vs demand 2025-2028 (Braemar)
Die Überkapazität wird den Markt bis mindestens 2028 dominieren. Carrier setzen verstärkt auf Blank Sailings und Dienständerungen, um das Angebot künstlich zu verknappen. Maersk, MSC, Hapag-Lloyd und andere große Reedereien haben 2025/2026 bewiesen, dass sie die Kapazität präzise dosieren können - dennoch werden die Raten voraussichtlich nicht unter 1.800-2.000 USD pro 40' HC fallen. 275 Key Factors of Container Costs in 2026: Blank Sailings, Capacity Management
Frachtraten: Käufermarkt mit Volatilitätsspitzen
Anfang 2026 war der Containermarkt ein klarer Käufermarkt: massive Schiffskapazitäten, schwächelnde Nachfrage und fallende Raten. Der Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) sank auf seinen tiefsten Stand seit dem 15. Dezember 2023 - also auf das Niveau vor der Red-Sea-Krise, die den Reedereien 2024 die Bilanzen gerettet hatte. 10Shanghai Containerized Freight Index sinks to lowest since December 2023
Die Hormuz-Krise hat jedoch ab März 2026 eine neue Dynamik ausgelöst: MSC, CMA CGM, Maersk und Hapag-Lloyd haben General Rate Increases (GRI) von bis zu 1.000 USD angekündigt. 28Ocean Freight Rate Increases March 2026: GRI up to $1000 from MSC, CMA CGM, Maersk, Hapag-Lloyd Die Frage für den Rest des Jahres lautet, ob die geopolitischen Aufschläge die strukturelle Überkapazität überwiegen können.
Technologie- und Innovationstrends in Supply Chain und Shipping
Künstliche Intelligenz und Digitalisierung
Globale Investitionen in die digitale Transformation werden 2026 voraussichtlich 3,4 Billionen USD erreichen, wobei die Modernisierung der Supply Chain zu den Top-Prioritäten zählt. 29Five New Digital Transformation Trends For Supply Chains In 2026 – $3.4T global investment Bereits 80 % der Unternehmen integrieren KI und Automatisierung aktiv in ihre Lieferkettenoperationen. 29Five New Digital Transformation Trends For Supply Chains In 2026 – $3.4T global investment
Die wichtigsten Technologietrends im Shipping und in der Supply Chain 2026:
- KI-gestützte Routenoptimierung: Autonome Entscheidungssysteme berechnen in Echtzeit alternative Routen bei geopolitischen Störungen - ein Muss in Zeiten simultaner Chokepoint-Krisen.
- Predictive Analytics für Nachfrageplanung: Machine-Learning-Modelle verbessern die Prognosegenauigkeit trotz extremer Volatilität.
- Automatisierte Lagersysteme (ASRS): Neue Patente für automatisierte Lager- und Abrufsysteme mit Robotern für die Logistik zeigen die Innovationsdynamik in diesem Feld. 30Patent: Automated Storage and Retrieval System (ASRS) with Shelving and Robots for Logistics
- Digitale Zwillinge für Hafenoperationen: Europäische Häfen setzen verstärkt auf Simulationsmodelle für die Kapazitätsplanung.
- Full-Process Traceability: Systeme zur vollständigen Rückverfolgbarkeit und intelligenten Disposition - etwa für wiederverwendbare Verpackungsmaterialien - gewinnen an Bedeutung. 31Patent: Full-Process Traceability and Intelligent Scheduling Management System for Recyclable Packaging
Grüne Häfen und Dekarbonisierung
Die EU fördert aktiv die Dekarbonisierung der maritimen Infrastruktur. Im Rahmen des EU-Förderprogramms für grüne Häfen werden Technologien von ammoniak-betriebenen Schiffen bis hin zu automatisierten Elektro-Lkw pilotiert. 32EU: Innovative technologies for greener ports – ammonia ships, automated electric trucks Das MAGPIE-Projekt hat schwere elektrische, automatisierte Lkw mit berührungslosem Laden demonstriert, um eine skalierbare grüne Hafenlogistik zu ermöglichen. 33MAGPIE: Automated electric heavy-duty trucks for green port logistics
Regulatorische und politische Rahmenbedingungen
EU Maritime Industrial Strategy und Ports Strategy
Am 4. März 2026 hat die Europäische Kommission zwei komplementäre Strategien verabschiedet: die EU Industrial Maritime Strategy und die EU Ports Strategy. 8EU Industrial Maritime Strategy and EU Ports Strategy – European Commission, 4. März 2026 Die Strategien adressieren Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Resilienz im europäischen Schiffbau, Shipping und Hafenbetrieb. Die EU führt nach eigenen Angaben beim High-End-Schiffbau weltweit - etwa bei Kreuzfahrtschiffen und maritimer Ausrüstung. 34Commission launches Industrial Maritime Strategy – EU leads in high-end shipbuilding
CBAM: Neue Kosten für die Lieferkette
Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der EU tritt 2026 in seine Vollphase ein und verpflichtet EU-Importeure, die mit ihren Einfuhren verbundenen CO₂-Emissionen zu melden und zu bepreisen. 9CBAM 2026: EU Carbon Border Adjustment Mechanism enters definitive phase Betroffen sind zunächst Aluminium, Zement, Düngemittel sowie Eisen und Stahl. Nach 2028 soll der CBAM auf nachgelagerte Branchen wie Automotive, Maschinenbau und Haushaltsgeräte ausgeweitet werden - mit der effektiven Pflicht, Scope-3-Emissionen über die gesamte Lieferkette zu erfassen. 35CBAM 2026: Expansion to downstream industries, Scope 3 implications
EU-Emissionshandelssystem und Schwerlastverkehr
Die EU hat am 1. April 2026 Maßnahmen zur Stärkung der Marktstabilitätsreserve des Emissionshandelssystems (EU-EHS) angekündigt. 36EU stärkt Stabilität und Vorhersehbarkeit ihres CO₂-Marktes – EU-EHS Maßnahmen, 1. April 2026 Parallel dazu hat das Europäische Parlament am 12. März 2026 die Berechnung von Emissionsgutschriften für schwere Nutzfahrzeuge für die Berichtsperioden 2025-2029 reguliert. 37EU Parlament: Emissionsgutschriften für schwere Nutzfahrzeuge 2025-2029, 12. März 2026 Zudem arbeitet das Parlament an einer Verordnung zur Treibhausgasbilanzierung von Transportdienstleistungen. 38EU Parlament: Verordnung zur THG-Bilanzierung von Transportdienstleistungen (Second Reading)
US-Handelspolitik und Zölle
Nach einem Urteil des US Supreme Court vom 20. Februar 2026, das die unter dem IEEPA verhängten Zölle kippte, führte die US-Regierung einen temporären Pauschzoll von 10 % auf die meisten Importe unter Section 122 des Trade Act ein. 39US Supreme Court ruling Feb 20, 2026: IEEPA tariffs struck down; Section 122 temporary 10% duty Die anhaltende handelspolitische Unsicherheit belastet die Planbarkeit für globale Lieferketten erheblich.
CBAM-Erweiterung und Anti-Dumping
Die EU prüft die Ausweitung des CBAM auf nachgelagerte Güter und Anti-Umgehungsmaßnahmen. 40EU Draft Opinion: CBAM extension to downstream goods and anti-circumvention measures Parallel wurden definitive Anti-Dumping-Zölle auf Importe von Hochdruck-Stahlzylindern aus China verhängt. 41EU Anti-Dumping-Zölle auf Hochdruck-Stahlzylinder aus China Eine Studie des Europäischen Parlaments zu industriellen Überkapazitäten, insbesondere aus China, warnt vor Wettbewerbsverzerrungen für europäische Hersteller. 42EP-Studie: Industrielle Überkapazitäten mit Fokus auf China – PE 783.610
Herausforderungen und Risiken für Supply Chain und Shipping
Geopolitische Mehrfach-Krise
Die gleichzeitige Störung von Hormuz, Rotem Meer und Suezkanal stellt die Resilienz globaler Lieferketten auf die härteste Probe seit Jahrzehnten. Für die deutsche Industrie - stark exportorientiert und auf offene Handelswege angewiesen - sind die Folgen besonders spürbar:
- Energiekosten: Brent-Rohöl notiert Anfang April 2026 über 110 USD pro Barrel, mit Spitzen bis 141 USD - das belastet Produktions- und Transportkosten massiv. 4Spot Brent Crude Soars to $141 As Hormuz Crisis Sparks Supply Shock
- Verlängerung der Lieferzeiten: Die Umleitung um das Kap der Guten Hoffnung addiert 10-14 Tage zu Europa-Asien-Routen.
- Versicherungskosten: Kriegsrisiko-Prämien für den Golf- und Rotes-Meer-Raum sind drastisch gestiegen.
Strukturelle Überkapazität vs. geopolitische Knappheit
Der Containermarkt befindet sich in einem paradoxen Zustand: Strukturell gibt es zu viele Schiffe, aber geopolitisch fehlen zugängliche Handelsrouten. Diese Gleichzeitigkeit von Überangebot und künstlicher Verknappung erzeugt extreme Volatilität, die rationale Planung nahezu unmöglich macht.
Fachkräftemangel und Digitalisierungsdruck
Die Logistikbranche in Deutschland kämpft weiterhin mit dem Fachkräftemangel. Gleichzeitig erfordert die zunehmende Komplexität der Supply Chains - von CBAM-Compliance über CO₂-Bilanzierung bis zu Echtzeit-Tracking - massive Investitionen in digitale Kompetenzen und Systeme.
China-Risiko und Handelsfragmentierung
Das Europäische Parlament warnt in einer aktuellen Studie explizit vor industriellen Überkapazitäten aus China, die den Wettbewerb verzerren und die bilateralen Handelsbeziehungen belasten. 42EP-Studie: Industrielle Überkapazitäten mit Fokus auf China – PE 783.610 Die Globalisierung transformiert sich zunehmend in eine fragmentierte "Friendshoring"-Landschaft, in der geopolitische Allianzen die Handelsströme bestimmen.
Ausblick 2027: Was kommt nach dem Krisenjahr?
Drei Szenarien für die globale Lieferkette
Szenario 1 - Deeskalation (optimistisch): Die Hormuz-Krise wird bis Sommer 2026 diplomatisch gelöst, der Ölpreis normalisiert sich auf 80-90 USD/Barrel, und der Containermarkt kehrt zum Überkapazitäts-Narrativ zurück. In diesem Fall würde das WTO-Wachstumsszenario von 1,9 % eintreten, und die Frachtraten würden unter Druck bleiben.
Szenario 2 - Prolongierte Krise (Basisszenario): Die geopolitischen Störungen halten das gesamte Jahr 2026 an, der Ölpreis bleibt über 100 USD/Barrel, und das globale Handelswachstum fällt auf 1,4 % oder darunter. 24WTO: If oil and LNG prices remain high, trade growth could slow to 1.4% Carrier profitieren kurzfristig von höheren Raten, aber die Weltwirtschaft rutscht in eine Stagflation.
Szenario 3 - Eskalation (pessimistisch): Eine militärische Ausweitung führt zur dauerhaften Blockade mit Ölpreisen über 200 USD/Barrel. 20Oil Prices Could Hit $200 as Experts Warn Hormuz Closure Past Mid-April Globale Rezession und massive Supply-Chain-Neuordnung wären die Folge.
Strukturelle Trends bleiben intakt
Unabhängig vom geopolitischen Szenario werden folgende Trends das Shipping und die Supply Chain über 2026 hinaus prägen:
- Überkapazität bis 2028: Das Flottenwachstum übersteigt die Nachfrage strukturell bis mindestens 2028, mit einem erwarteten Kapazitätszuwachs von über 7 % im Jahr 2028. 6New vessel deliveries reshape container shipping – Fleet growth vs demand 2025-2028 (Braemar)
- Dekarbonisierung: Die EU-ETS-Verpflichtungen für die Schifffahrt und der CBAM zwingen die gesamte Wertschöpfungskette zu mehr Transparenz und grüneren Technologien.
- Digitalisierung: KI-gestützte Supply-Chain-Planung wird vom Wettbewerbsvorteil zur Überlebensnotwendigkeit.
- Regionalisierung: Die Ära der ungehinderten Globalisierung weicht einer stärker regionalisierten, resilienteren Handelsarchitektur.
Deutsche Logistik: Zwischen Resilienz und Stagnation
Für den Logistikstandort Deutschland bleibt der Ausblick angespannt. Der BVL prognostiziert reales Wachstum von 0,5 % - im besten Fall. 7BVL Gipfel der Logistikweisen: Prognose für 2026 – reales Wachstum 0,5% Die Kombination aus schwacher Industriekonjunktur, hohen Energiekosten und regulatorischem Mehraufwand durch CBAM und EU-ETS stellt erhebliche Anforderungen. Gleichzeitig bieten die EU Maritime Strategy und Förderprogramme für grüne Häfen Chancen für Investitionen in zukunftsfähige Infrastruktur. 8EU Industrial Maritime Strategy and EU Ports Strategy – European Commission, 4. März 2026
Die entscheidende Lehre des Jahres 2026: Supply Chain und Shipping sind nicht mehr nur eine logistische Aufgabe - sie sind zur geopolitischen Kernkompetenz geworden. Wer seine Lieferkette 2027 und darüber hinaus sichern will, muss Diversifizierung, Digitalisierung und geopolitische Risikoanalyse als strategische Prioritäten begreifen. Die Straße von Hormus hat einmal mehr gezeigt, wie fragil die Infrastruktur der Globalisierung in Wirklichkeit ist.

