Am 3. Juli 2026 haben Chinas Finanzministerium, die staatliche Steuerverwaltung und das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie gemeinsam eine Entscheidung bekanntgegeben, die in ihrer Symbolik weit über die betroffenen Steuerbeträge hinausgeht: Ab dem 1. Januar 2027 verlieren Plug-in-Hybride, Range-Extender-Fahrzeuge sowie batterie-elektrische und brennstoffzellenbetriebene Nutzfahrzeuge ihre Befreiung von der jährlichen chinesischen Fahrzeug- und Schiffssteuer. Reine Elektro-Pkw bleiben unberührt - sie fallen konstruktionsbedingt nicht unter die hubraumbasierte Steuer.
Die Botschaft ist klar. Peking erklärt die Brückenphase für beendet.
Was genau sich ändert - und was nicht
Die Fahrzeug- und Schiffssteuer ist in China eine jährlich erhobene Besitzsteuer. Für einen Plug-in-Hybrid-Pkw mit 1,5-Liter-Hubraum beträgt sie in Peking 420 Yuan (rund 60 US-Dollar) pro Jahr, in Shanghai und der Provinz Guangdong 300 Yuan. Gemessen am Fahrzeugpreis ist das überschaubar. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines PHEV einschließlich Range-Extender-Modellen lag 2025 in China bei 218.000 Yuan - manche Modelle kosten mehr als eine Million Yuan.
Wer also glaubt, es gehe hier um Steuereinnahmen, denkt zu kurz. Es geht um Richtungssetzung.
Betroffen ab 1. Januar 2027: Plug-in-Hybride (PHEV), Range-Extender-Fahrzeuge (EREV), batterie-elektrische Nutzfahrzeuge, brennstoffzellenbetriebene Nutzfahrzeuge.
Nicht betroffen: Reine Elektro-Pkw und Brennstoffzellen-Pkw — sie fallen weiterhin nicht in den steuerlichen Geltungsbereich des chinesischen Kfz-Steuergesetzes.
Gleichzeitig fällt auch die bisherige Steuerhalbierung für besonders kraftstoffsparende Verbrenner weg. Die Neuausrichtung ist also umfassend: Wer nicht vollelektrisch fährt, zahlt künftig den vollen Satz - ohne Ausnahme.
Markt auf Rekordniveau, Förderung auf dem Rückzug
Das Timing ist kein Zufall. Der NEV-Anteil am chinesischen Pkw-Markt erreichte im Mai 2026 mit 62,9 Prozent einen neuen Höchststand - zum zweiten Mal in Folge überschritt er die 60-Prozent-Marke. Im Jahr 2025 wurden in China 16,49 Millionen Elektro- und Hybridfahrzeuge verkauft, was mehr als 50 Prozent aller Neuzulassungen entspricht.
Das chinesische Finanzministerium begründet den Schritt damit, dass die Steuervergünstigungen ihren Zweck erfüllt hätten. Die seit 2012 geltende Regelung habe wesentlich zum Markthochlauf beigetragen - und dieser Hochlauf ist offensichtlich gelungen. Aus Pekings Sicht ist die Subventionierung einer Brückentechnologie, die der Markt längst nicht mehr braucht, schlicht nicht mehr zu rechtfertigen.
Photo: Chris Johnson / UnsplashDie eigentliche Verschiebung: Weg vom Hybrid, hin zur Batterie
Wer die chinesische Förderpolitik der letzten Jahre verfolgt hat, erkennt ein Muster. Bereits bei der Kaufsteuer wurden die Regeln schrittweise verschärft: Für 2026 und 2027 gilt für PHEV nur noch der halbe Satz, gedeckelt auf 15.000 Yuan pro Fahrzeug. Und die elektrische Mindestreichweite, die ein Plug-in-Hybrid für die NEV-Vorteile benötigt, wurde von 43 auf 100 Kilometer im WLTC-Zyklus angehoben - eine Hürde, die viele Modelle reißen.
Die Kfz-Steuerreform ist der nächste logische Schritt. China verschiebt seine Förderung konsequent vom Kompromiss zur reinen Batterie. Das ist keine überraschende Kehrtwende, sondern die Fortsetzung einer seit Monaten erkennbaren Linie.
Was das für die Nutzfahrzeugbranche bedeutet
Besonders bemerkenswert ist, dass auch batterie-elektrische Lkw und Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge von der Streichung betroffen sind. Gerade im Schwerlastbereich galt China lange als Vorreiter bei der Elektrifizierung - und staatliche Steueranreize waren ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung.
Für Flottenbetreiber, die in den vergangenen Jahren auf E-Lkw gesetzt haben, bedeutet das ab 2027 eine zusätzliche jährliche Kostenposition. Die Beträge sind im Einzelfall überschaubar, aber in großen Flotten summieren sie sich. Und: Die Planungssicherheit, die staatliche Förderung bisher bot, schwindet.
Gleichzeitig investiert China massiv in die Ladeinfrastruktur - ein scheinbarer Widerspruch, der sich bei näherer Betrachtung auflöst. Ende 2025 zählte China laut der nationalen Energiebehörde NEA über 20 Millionen Ladepunkte; die Verdoppelung von zehn auf 20 Millionen dauerte nur 18 Monate. BYD und Sinopec haben im Juni 2026 ein Rahmenabkommen unterzeichnet, um gemeinsam 20.000 Schnellladestationen aufzubauen. Die Infrastruktur für reine Elektrofahrzeuge wird ausgebaut - die Förderung für Zwischenlösungen wird abgebaut. Das ist kein Widerspruch, das ist Strategie.
Was deutsche Hersteller und Zulieferer daraus lesen sollten
Für die deutschen Konzerne, die den PHEV in China lange als komfortablen Mittelweg positioniert haben, wird die Planung unbequemer. Der größte Automarkt der Welt erklärt die Zwischenlösung zum Auslaufmodell - während sie in Wolfsburg und München noch als vernünftige Brücke im Schaufenster steht.
Das ist keine abstrakte Bedrohung. Der Marktanteil ausländischer Hersteller am chinesischen Neuwagenmarkt sank im ersten Halbjahr 2025 weiter, während NEV-Hersteller aus China den Markt dominieren. Wer im chinesischen Markt relevant bleiben will, muss das Tempo der Batterieelektrifizierung mitgehen - nicht das Tempo der eigenen Transformationsplanung.
Die Steuerreform ist dabei weniger ein Schock als eine Bestätigung: China hat entschieden, wohin die Reise geht. Die Frage ist, wer mitkommt.
Welche Fahrzeuge sind ab 2027 von der Kfz-Steuer in China betroffen?
Plug-in-Hybride (PHEV), Range-Extender-Fahrzeuge (EREV), batterie-elektrische Nutzfahrzeuge sowie brennstoffzellenbetriebene Nutzfahrzeuge verlieren ab dem 1. Januar 2027 ihre Steuerbefreiung. Reine Elektro-Pkw und Brennstoffzellen-Pkw sind nicht betroffen, da sie nicht unter das chinesische Kfz-Steuergesetz fallen.
Wie hoch sind die betroffenen Steuerbeträge konkret?
Die jährliche Fahrzeug- und Schiffssteuer ist je nach Hubraum und Provinz gestaffelt. Für einen PHEV mit 1,5-Liter-Hubraum beträgt sie in Peking 420 Yuan (ca. 60 US-Dollar), in Shanghai und Guangdong 300 Yuan. Die Beträge sind im Einzelfall gering, summieren sich aber in gewerblichen Flotten.
Gilt die neue Regelung auch für bereits zugelassene Fahrzeuge?
Ja. Ab 2027 müssen Halter der betroffenen Fahrzeugklassen die Steuer unabhängig davon entrichten, ob ihr Fahrzeug neu oder bereits vor 2027 zugelassen wurde.
Warum streicht China die Förderung jetzt?
Das chinesische Finanzministerium begründet den Schritt damit, dass die seit 2012 geltenden Steuervergünstigungen ihren Zweck erfüllt hätten. Mit einem NEV-Marktanteil von über 62 Prozent bei Pkw-Neuzulassungen gilt der Markthochlauf als abgeschlossen. Die Förderung von Brückentechnologien wie PHEV wird als nicht mehr notwendig erachtet.





