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Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026: Energiepreisschock bremst Erholung - Inflation zieht an

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für 2026 nur 0,6 % BIP-Wachstum. Der Iran-Krieg treibt Energiepreise und Inflation - doch Investitionsbereitschaft steigt leicht.

Stefan Krause (KI)
Stefan Krause (KI)Ressortleiter Wirtschaft & Politik
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Foto von Marek Studzinski auf Unsplash

Die deutsche Wirtschaft erholt sich - aber langsamer als erhofft. Der Krieg im Iran hat seit Ende Februar 2026 die Energiemärkte erschüttert und trifft eine Konjunktur, die ohnehin erst zaghaft Fahrt aufnimmt. Das ist die zentrale Botschaft der Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026, die die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vorgelegt haben.

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BIP-Wachstum: Erholung mit angezogener Handbremse

Die Gemeinschaftsdiagnose erwartet für 2026 ein preisbereinigtes BIP-Wachstum von 0,6 Prozent und für 2027 von 0,9 Prozent - nach einer Wirtschaftsleistung, die im Vorjahr mit lediglich [1] hatte. Im Vergleich zum Herbstgutachten 2025 bedeutet das eine [2] und um 0,4 Prozentpunkte für 2027.

Timo Wollmershäuser, Leiter der ifo-Konjunkturprognosen, bringt die Lage auf den Punkt: "Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Kriegs trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert einen stärkeren Einbruch", so [3].

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Zwei Kräfte im Widerstreit: Der Energiepreisschock bremst die Erholung, während die expansive Fiskalpolitik – insbesondere Sondervermögen für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz – gegenläufige Impulse setzt. Per Saldo bleibt das Wachstum schwach positiv.

Der Iran-Krieg als Energiepreistreiber

Der Auslöser des aktuellen Schocks ist klar benannt: Der am 28. Februar 2026 mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnene Krieg hat die Straße von Hormus faktisch gesperrt, über die rund ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert wird - [4]. Die Folge: Der Ölpreis schnellte binnen Tagen um mehr als ein Drittel in die Höhe; Anfang April lag er rund 50 Prozent über Vorkriegsniveau, der [4].

Für die Industrie ist das ein doppelter Schlag: höhere Produktionskosten und steigende Transportkosten. Die Importpreise stiegen im April 2026 um 5,3 Prozent - der stärkste Anstieg seit Januar 2023, getrieben vor allem von Erdöl, Erdgas, Mineralölerzeugnissen und Steinkohle, [5].

Inflation: Auf dem Weg zur 3-Prozent-Marke

Die Teuerung reagiert prompt. Im März 2026 stieg die Inflationsrate in Deutschland auf 2,7 Prozent - der höchste Wert seit Anfang 2024 - nach [6]. Die Energiepreise allein legten im Vorjahresvergleich um 7,2 Prozent zu.

Die Gemeinschaftsdiagnose rechnet damit, dass sich dieser Trend fortsetzt: Die Inflationsrate dürfte im Jahresdurchschnitt 2026 auf 2,8 Prozent und 2027 auf 2,9 Prozent steigen, [7]. Besonders im zweiten Quartal 2026 dürfte die Rate kurzfristig auf 2,9 Prozent klettern, bevor sie sich wieder etwas beruhigt.

Friedrich Heinemann vom ZEW-Institut warnt: "Der Sprung bei den Energiepreisen wird sich in den kommenden Monaten in viele Kalkulationen hineinfressen und zu Preiserhöhungen führen. [6]."

Preiserwartungen der Unternehmen auf Dreijahreshoch

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Preisplanungen der Unternehmen. Der ifo-Indikator für Preiserwartungen stieg von 25,5 im März auf 31,6 Punkte im April 2026 - der höchste Wert seit Januar 2023, [8]. Besonders stark zogen die Erwartungen in der Industrie und im Baugewerbe an; auch konsumnahe Dienstleister wie Gastronomie, Einzelhandel und Gesundheit erhöhten ihre Preispläne kräftig.

Im Mai entspannte sich die Lage leicht: [9]. Das ifo Institut betont jedoch, dass Produzenten- und Verbraucherpreise in den kommenden Monaten spürbar steigen dürften.

ifo Preiserwartungen 2026 (Indikatorpunkte)

Unsicherheit hoch, Investitionsbereitschaft erholt sich dennoch

Der Iran-Krieg hat die Planungssicherheit der Unternehmen massiv beeinträchtigt. Im März 2026 fiel es 78,6 Prozent der Firmen schwer oder eher schwer, ihre zukünftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen, [10].

Trotzdem gibt es ein positives Signal: Die ifo Investitionserwartungen stiegen im März 2026 auf +0,2 Punkte, nach -3,1 Punkten im Dezember 2025, [11]. Die verbesserte Auftragslage in der Industrie hat die Stimmung aufgehellt. Innerhalb der Industrie stieg die Investitionsbereitschaft am deutlichsten: von -6,9 auf +0,1 Punkte.

Allerdings zeigt sich eine klare Spaltung: Nicht-energieintensive Branchen planen deutlich mehr Investitionen, während in der Chemie - einem der energieintensivsten Sektoren - die Erwartungen sogar weiter nachgaben. Der Energiepreisschock trifft die Industrie also nicht gleichmäßig, sondern verstärkt bestehende Strukturunterschiede.

Regionale Aufhellung: Zwölf Bundesländer wachsen im ersten Quartal

Auf regionaler Ebene zeichnet das ifo Institut ein differenziertes Bild. Im ersten Quartal 2026 stieg die Wirtschaftsleistung in zwölf von sechzehn Bundesländern gegenüber dem Vorquartal, [12]. Die stärksten Zuwächse verzeichneten Berlin und Brandenburg mit jeweils 0,9 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern.

Vier Bundesländer schrumpften dagegen - ein Hinweis darauf, dass die Erholung regional ungleich verteilt bleibt und strukturelle Unterschiede in der Wirtschaftsstruktur eine Rolle spielen.

Fiskalpolitik als Gegengewicht - aber kein Strukturersatz

Die Gemeinschaftsdiagnose hebt hervor, dass die expansive Fiskalpolitik der Bundesregierung die Konjunktur stützt. Die [7] stärkt insbesondere Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus. Das öffentliche Budgetdefizit dürfte 2026 auf 3,7 Prozent des BIP steigen und 2027 auf 4,2 Prozent, der Bruttoschuldenstand auf 67,2 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Die Institute betonen jedoch, dass fiskalische Impulse allein nicht ausreichen. Flankierende angebotsseitige Reformen seien dringend notwendig: [2] stehen ganz oben auf der Reformagenda.

Ausblick: Ab Herbst 2026 könnte das Tempo anziehen

Die Institute sehen Licht am Ende des Tunnels. Ab dem zweiten Halbjahr 2026 dürfte das Expansionstempo wieder zunehmen - auch weil der Energiepreisschock auf eine [13]. Voraussetzung ist, dass der Konflikt nicht weiter eskaliert und die Energiepreise schrittweise nachgeben.

Für Industrieunternehmen bedeutet das: Die nächsten Monate bleiben anspruchsvoll. Wer jetzt Energiekosten aktiv managt, Lieferketten diversifiziert und Investitionen in nicht-energieintensive Bereiche priorisiert, positioniert sich besser für die Erholung, die die Institute für 2027 in Aussicht stellen.

help_outlineWas ist die Gemeinschaftsdiagnose?expand_more

Die Gemeinschaftsdiagnose ist ein halbjährliches Konjunkturgutachten für Deutschland, die EU und die Weltwirtschaft. Sie wird im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie von einer Projektgruppe führender Institute erstellt: DIW Berlin, ifo Institut, Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), IWH Halle und RWI Essen. Die Prognosen dienen als Orientierung für die Wirtschaftsplanung der Bundesregierung.

help_outlineWarum wurde die Wachstumsprognose für 2026 nach unten revidiert?expand_more

Hauptgrund ist der Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs, der seit Ende Februar 2026 die Straße von Hormus blockiert und die Öl- und Gaspreise massiv in die Höhe getrieben hat. Im Vergleich zum Herbstgutachten 2025 wurde die BIP-Prognose für 2026 um 0,6 Prozentpunkte auf 0,6 Prozent gesenkt.

help_outlineWelche Branchen sind besonders vom Energiepreisschock betroffen?expand_more

Energieintensive Industrien wie die Chemiebranche sind am stärksten betroffen. Dort sanken die Investitionserwartungen trotz des allgemeinen Aufwärtstrends weiter. Auch Baugewerbe und konsumnahe Dienstleister planen stärkere Preiserhöhungen. Nicht-energieintensive Industriebranchen zeigen sich dagegen deutlich widerstandsfähiger.

help_outlineWann ist mit einer spürbaren Erholung zu rechnen?expand_more

Die Gemeinschaftsdiagnose erwartet ab dem zweiten Halbjahr 2026 ein ansteigendes Expansionstempo. Für 2027 wird ein BIP-Wachstum von 0,9 Prozent prognostiziert. Voraussetzung ist eine Deeskalation im Iran-Konflikt und ein schrittweises Nachgeben der Energiepreise.

  1. gemeinschaftsdiagnose.de — Gemeinschaftsdiagnose fruehjahr 2026 energiepreisschock ueberlagert fiskalimpuls wachstumskraefte versiegen
  2. bundeswirtschaftsministerium.de
  3. ifo.de — Gemeinschaftsdiagnose fruehjahr 2026 energiepreisschock daempft erholung
  4. bpb.de — 18 bringt der iran krieg den naechsten inflationsschock
  5. chemietechnik.de — 1890187
  6. zdfheute.de
  7. ifo.de — Joint economic forecast spring 2026 energy price shock dampens recovery
  8. ifo.de — Mehr unternehmen planen preiserhoehungen
  9. ifo.de — Preisdruck laesst etwas nach
  10. ifo.de — Krieg im iran treibt unsicherheit der wirtschaft nach oben
  11. ifo.de — Industrie weniger zurueckhaltend bei investitionen
  12. ifo.de — Wirtschaft waechst zwoelf bundeslaendern
  13. ifo.de — Joint economic forecast spring 2026 energy price shock overshadows fiscal stimulus
Stefan Krause (KI)

Stefan Krause (KI)

Ressortleiter Wirtschaft & Politik

Volkswirt mit Schwerpunkt Industrieökonomik. Berichtet über Konjunktur, Industriepolitik, Handelsbeziehungen, Regulierung und Standortfragen.