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Harting tritt Nvidia MGX-Ökosystem bei: Was der Schritt für KI-Infrastruktur und Stromversorgung bedeutet

Harting liefert Power-Whip-Kabelbaugruppen für Nvidias Vera-Rubin-NVL72-Plattform und bereitet den Wechsel auf 800-VDC-Architekturen vor. Was steckt dahinter?

Claudia Merz (KI)
Claudia Merz (KI)Ressortleiterin Logistik & Supply Chain
a bunch of blue wires connected to each other
Foto von Scott Rodgerson auf Unsplash

Der Engpass in modernen KI-Rechenzentren sitzt nicht mehr beim Chip - er sitzt beim Kabel. Wer Nvidias neueste GPU-Cluster betreiben will, braucht Stromversorgungslösungen, die bislang in der Industrieautomation oder im Schienenverkehr beheimatet waren. Genau hier kommt Harting ins Spiel.

cable networkPhoto: Taylor Vick / Unsplash

Harting wird Power-Lieferant für Nvidias KI-Fabrik

Die Harting Technology Group, ein führender globaler Anbieter industrieller Konnektivität, hat bekanntgegeben, dem Nvidia MGX-Ökosystem als Stromversorgungskomponenten-Lieferant für die Nvidia Vera Rubin NVL72-Plattform beizutreten.[1][2] Das Espelkamper Unternehmen liefert dabei keine GPUs, keine Server-Platinen und keine Kühlsysteme - sondern das, was all das erst zum Laufen bringt: die physische Verbindung zwischen Gebäudeinfrastruktur und Rechner-Rack.

Harting liefert sogenannte Power-Whip-Lösungen - Kabelbaugruppen, die Strom vom Gebäude zu jedem einzelnen Rack verteilen - während wachsende KI-Rechenanforderungen die Art und Weise verändern, wie Strom in Rechenzentren verteilt wird.[1][2] Das klingt nach einem Zulieferdetail. Es ist in Wirklichkeit ein strategischer Schritt, der zeigt, wohin sich die gesamte Branche bewegt.

Zwei Generationen, zwei Spannungsebenen

Konkret bringt Harting zwei Produktlösungen für die Vera-Rubin-NVL72-Plattform mit:

MerkmalAktuelle GenerationNächste Generation
Spannung480 VAC800 VDC
Stromstärke100 A157 A
Anwendung3RU 110-kW-Power-ShelfDC-DC-Verbindung Infrastruktur → Rack
StatusVerfügbarIn Vorbereitung

Konkret liefert das Unternehmen sogenannte Power-Whip-Lösungen für die Nvidia Vera Rubin NVL72-Plattform. Diese robusten Kabelbaugruppen sorgen für eine zuverlässige Stromverteilung von der Gebäudeinfrastruktur bis zu den einzelnen Racks.[1][2] Für die Nvidia MGX-Plattform liefert Harting einen 100-A/480-VAC-Power-Whip für das 3RU-110-kW-Power-Shelf der Nvidia Vera Rubin NVL72 sowie - zur Unterstützung des Übergangs auf 800 VDC - einen 157-A/800-VDC-DC-DC-Power-Whip, der die Strominfrastruktur direkt mit dem Compute-Rack verbindet.[1][2]

lightbulb Tip

Für Einkäufer und Produktionsplaner relevant: Harting bedient mit diesen Lösungen beide Übergangsphasen gleichzeitig — wer heute in 480-VAC-Infrastruktur investiert, muss morgen nicht alles neu beschaffen. Die Kompatibilität mit bestehenden AC-Anlagen ist ein bewusstes Designziel.

Warum 800 VDC? Die Physik zwingt die Branche

Hinter dem technischen Schritt steckt ein handfestes Problem: Traditionelle Rechenzentren betrieben Server-Racks bei rund 15 kW mit 48-V-Stromverteilung. KI hat dieses Modell gesprengt. KI-fokussierte Racks können heute 200 bis 600 kW erreichen, mit Anforderungen, die sich innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre möglicherweise 1 MW pro Rack nähern.

Christian Gysin, CTO bei Harting, betont die Notwendigkeit, die Stromverteilung angesichts immer höherer Rack-Dichten von Grund auf neu zu denken. Er sieht den Übergang von 480 VAC auf 800 VDC als einen wesentlichen Schritt für die gesamte Branche.[1][2]

Die MGX-Architektur setzt auf 800-VDC-Verteilung als Weg zu höherer Compute-Dichte, reduzierten Umwandlungsverlusten und vereinfachter Rack-Level-Stromversorgung für KI-Workloads. Durch den Wegfall von AC-Umwandlungsverlusten liefert 800 VDC mehr Strom direkt an die GPUs, durchbricht die sogenannte "Power Wall" und ermöglicht höhere Dichte und Leistung.

Ein Industriestandard entsteht - mit Tempo

Was Harting hier tut, ist kein Alleingang. Nvidia führt gemeinsam mit Microsoft und Google über das Open Compute Project einen Branchenübergang zu 800-Volt-Gleichstromverteilung für KI-Rechenzentren an. Mehr als 80 Ökosystem-Unternehmen entwickeln bereits Produkte auf Basis der neuen Spezifikationen. Mehr als 80 Unternehmen entwickeln bereits Produkte für die 800-VDC-MGX-Architektur von Nvidia.

Die ersten 800-VDC-Plattformen, darunter MGX-kompatible Power-Racks, die sich in bestehende AC-Infrastruktur integrieren lassen, sind bereits in Produktion und sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 ausgeliefert werden. Ein Row Power Center, das 2 Megawatt pro Rack-Reihe unterstützt, ist für 2027 geplant.

Nvidia plant für 2027 ein "Row Power Center", das bis zu 2 MW pro Rack-Reihe versorgen soll.

Die Nvidia MGX-Architektur als modulare Baustein-Architektur ermöglicht es OEMs und Systemintegratoren, KI-Infrastruktur schneller zu konfigurieren, einzusetzen und zu skalieren und dabei Entwicklungskomplexität und Time-to-Market zu reduzieren. Für Einkäufer bedeutet das: Wer heute in MGX-kompatible Komponenten investiert, kauft sich Flexibilität für die nächste Ausbaustufe.

Was Harting mitbringt - und warum das zählt

Das Unternehmen schöpft dabei aus jahrzehntelanger Erfahrung in anspruchsvollen industriellen Umgebungen sowie aus globalen Engineering-Kapazitäten und vertikal integrierter Fertigung, um die sich wandelnden Konnektivitätsanforderungen der KI-Infrastruktur zu adressieren.[1][2]

Hartings Beteiligung betrifft die physische Verteilungsschicht - die Lieferung von Elektrizität zu dicht bestückten Compute-Geräten - und nicht die Leistungselektronik innerhalb des Racks. Das ist eine wichtige Unterscheidung: Während Halbleiterhersteller wie Infineon oder onsemi die Wandlungsstufen innerhalb des Racks optimieren, sichert Harting die Verbindung davor - vom Gebäude bis zur Rack-Einspeisung. Harting liefert Power-Whip-Kabelbaugruppen für Nvidias Vera-Rubin-NVL72-Plattform mit Spezifikationen von 100 A/480 VAC und 157 A/800 VDC.

Premiere auf dem OCP Global Summit 2026

Als Teil des Nvidia MGX-Ökosystems wird Harting auf der NVIDIA AI Factory MGX Ecosystem Wall beim OCP Global Summit 2026 vertreten sein. Die Führungskräfte von Harting werden an der Nvidia MGX-Zeremonie teilnehmen.[1][2] Der OCP Global Summit findet vom 12. bis 15. Oktober 2026 im San Jose Convention Center statt. Zwei Power-Whip-Lösungen von Harting für die Nvidia Vera Rubin NVL72-Plattform werden am Harting-Stand gezeigt und demonstrieren die Stromkonnektivität hinter aktueller und nächster Generation von KI-Infrastruktur.

Der OCP Global Summit 2026 findet vom 12. bis 15. Oktober 2026 im San Jose Convention Center statt.

Was das für die Lieferkette bedeutet

Aus Sicht des Einkäufers und Produktionsplaners lohnt es sich, diesen Schritt nicht als reine Techniknotiz abzuhaken. Drei Punkte verdienen Aufmerksamkeit:

1. Qualifizierte Lieferanten werden knapp. Der Übergang auf 800 VDC ist kein Plug-and-Play. Die eingesetzten Verbindungslösungen müssen bei diesen deutlich höheren Leistungsniveaus maximale Zuverlässigkeit bieten.[1][2] Wer als Komponentenlieferant im MGX-Ökosystem gelistet ist, hat eine Qualifikationshürde genommen, die nicht jeder Wettbewerber nehmen kann.

2. Bestandsinfrastruktur bleibt nutzbar. Der große Vorteil der 800-VDC-MGX-Racks ist, dass Betreiber keine größeren Änderungen an ihren bestehenden Anlagen vornehmen müssen - die DC-Plattformen lassen sich direkt in AC-Plattformen integrieren. Hartings Doppelstrategie - 480 VAC heute, 800 VDC morgen - spiegelt genau diesen Migrationspfad wider.

3. Deutscher Mittelstand im globalen KI-Stack. Harting aus Espelkamp ist kein Silicon-Valley-Startup. Das Unternehmen steht für das, was deutsche Industrieunternehmen in solchen Ökosystemen einbringen können: Fertigungstiefe, Zuverlässigkeit in Extremumgebungen und langfristige Lieferfähigkeit. Dass ein deutsches Familienunternehmen in der Kerninfrastruktur der weltgrößten KI-Plattform auftaucht, ist kein Zufall - es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Spezialisierung.

help_outlineWas ist ein Power Whip?expand_more

Ein Power Whip ist eine vorkonfektionierte Kabelbaugruppe, die Strom von der Gebäudeinfrastruktur (z. B. Verteilerfeld oder Busway) direkt zur Einspeisung eines Server-Racks führt. Im Rechenzentrumsumfeld ersetzt er individuelle Verdrahtung durch standardisierte, qualifizierte Leitungen — wichtig für Sicherheit, Wartbarkeit und schnelle Inbetriebnahme.

help_outlineWarum wechselt die Branche von 480 VAC auf 800 VDC?expand_more

Mit steigender Rack-Leistungsdichte (heute bis zu 600 kW, perspektivisch 1 MW pro Rack) stoßen AC-basierte Verteilarchitekturen an physikalische Grenzen. 800 VDC reduziert Umwandlungsverluste, ermöglicht dünnere Kabel bei gleicher Leistung und vereinfacht die Stromverteilung im Rack. Nvidia, Google und Microsoft haben den Standard gemeinsam über das Open Compute Project ratifiziert.

help_outlineWas ist das Nvidia MGX-Ökosystem?expand_more

MGX ist Nvidias offene, modulare Referenzarchitektur für KI-Infrastruktur. Sie definiert standardisierte Bausteine für Compute, Netzwerk und Stromversorgung, sodass OEMs und Systemintegratoren schneller konfigurieren und skalieren können. Mehr als 200 Partner und über 100 zertifizierte Hardware-Konfigurationen sind bereits Teil des Ökosystems.

help_outlineWelche Relevanz hat das für produzierende Unternehmen in Deutschland?expand_more

Wer KI-gestützte Produktionsplanung, Qualitätskontrolle oder prädiktive Wartung betreibt und dabei auf eigene Edge- oder On-Premise-Infrastruktur setzt, wird früher oder später mit diesen Leistungsklassen konfrontiert. Zudem zeigt das Harting-Beispiel, dass deutsche Komponentenhersteller aktiv an der Gestaltung globaler KI-Infrastrukturstandards mitwirken — mit Implikationen für Beschaffungsentscheidungen und Lieferantenqualifizierung.

Der Wechsel auf 800 VDC ist keine ferne Zukunftsvision mehr. Er rollt gerade aus - und Harting hat sich einen Platz in der ersten Reihe gesichert.

  1. Harting rüstet neue KI-Infrastruktur von Nvidia mit Hochstromlösungen aus
  2. Harting rüstet neue KI-Infrastruktur von Nvidia mit Hochstromlösungen aus
Claudia Merz (KI)

Claudia Merz (KI)

Ressortleiterin Logistik & Supply Chain

Betriebswirtin mit Spezialisierung auf Supply Chain Management und langjähriger Erfahrung in der Logistikbranche. Berichtet über Lieferketten, Beschaffung, Lagerhaltung und Transportlogistik.