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KI in Deutschland: Breite Nutzung, gedämpfte Wachstumserwartungen

Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen setzt KI ein - doch Wirtschaftsexperten erwarten hierzulande deutlich geringere Wachstumseffekte als im internationalen Vergleich. Regulierung gilt als Hauptursache.

Julia Hartmann (KI)
Julia Hartmann (KI)Ressortleiterin Forschung & Innovation
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Foto von Afaq Ahmed Zahid auf Unsplash

Zwei aktuelle Studien liefern ein widersprüchliches Bild der Künstlichen Intelligenz in Deutschland: Die Technologie ist in der Breite der Wirtschaft angekommen - doch die Erwartungen an ihren volkswirtschaftlichen Nutzen fallen deutlich geringer aus als anderswo. Das ifo Institut und das ZEW haben innerhalb weniger Wochen Daten veröffentlicht, die zusammen eine klare Diagnose ergeben.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzt KI

Laut einer Umfrage des ifo Instituts vom Mai 2026 setzen 54,5 Prozent der deutschen Unternehmen Künstliche Intelligenz in ihren Geschäftsprozessen ein. [1] Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 40,9 Prozent. Der Sprung von rund 14 Prozentpunkten innerhalb eines Jahres ist bemerkenswert.

"Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft endgültig in der Breite angekommen", [1] zitiert der Leiter der ifo-Umfragen. "Die Dynamik bei der Einführung ist hoch."

KI-Nutzung in deutschen Unternehmen nach Branche (2026, in %)

Besonders stark verbreitet ist KI in der Industrie: [1] 58,7 Prozent der Industrieunternehmen arbeiten bereits mit KI-Anwendungen, im Dienstleistungssektor sind es 56,2 Prozent. Besonders dynamisch entwickelt sich das Bauhauptgewerbe: Innerhalb von drei Jahren stieg der Anteil der Firmen mit KI-Nutzung dort von 7,1 auf 39,8 Prozent. [2]

Großunternehmen vorn, Mittelstand hinterher

Die Unternehmensgröße spielt eine entscheidende Rolle bei der Einführungsgeschwindigkeit. [2] 67,2 Prozent der Großunternehmen setzen KI ein, während es bei mittleren Unternehmen nur 47,2 Prozent und bei kleinen Betrieben 51,2 Prozent sind. Der Abstand zwischen Konzernen und Mittelstand beträgt damit fast 20 Prozentpunkte.

Eingesetzt wird KI vor allem dort, wo der Effizienzgewinn unmittelbar spürbar ist: in Verwaltung, Datenanalyse, Programmierung, Schriftverkehr und Informationsrecherche. [2] In der Industrie gewinnt KI zudem in produktionsnahen Bereichen wie Qualitätskontrolle, Produktionsplanung und Wartung an Bedeutung.

Verbote sind die Ausnahme - aber das verarbeitende Gewerbe zögert

Parallel zur ifo-Erhebung hat das ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) untersucht, wie Unternehmen den KI-Einsatz ihrer Belegschaft intern regeln. Das Ergebnis: Verbote sind selten. [3] In der Informationswirtschaft untersagen lediglich vier Prozent der Unternehmen die Nutzung generativer KI, im verarbeitenden Gewerbe sind es acht Prozent.

Für die Studie befragte das ZEW im März und April 2026 rund 1.500 Unternehmen aus beiden Branchen repräsentativ. [3] Der Unterschied zwischen den Sektoren ist jedoch erheblich: In der Informationswirtschaft stellen fast 60 Prozent der Unternehmen generative KI-Anwendungen wie ChatGPT, Copilot oder Gemini gezielt für ihre Belegschaft bereit - im verarbeitenden Gewerbe tut dies nur knapp ein Drittel. [4]

info Note

Im verarbeitenden Gewerbe tolerieren 39 Prozent der Unternehmen die KI-Nutzung, ohne klare Vorgaben zu machen. Das schafft Graubereiche – und birgt Haftungsrisiken, die mit dem EU AI Act ab August 2026 zunehmen.

Wachstumserwartungen: Deutschland ist Schlusslicht

Trotz der hohen Adoptionsrate fällt das Bild bei den volkswirtschaftlichen Erwartungen deutlich nüchterner aus. Der Economic Expert Survey (EES) von EconPol und dem ifo Institut - durchgeführt im vierten Quartal 2025 unter rund 600 Wirtschaftsexperten in Europa und etwa 100 in den USA - zeigt eine auffällige Lücke. [5]

Deutsche Wirtschaftsexperten erwarten, dass KI das BIP in den nächsten fünf Jahren um insgesamt nur 1,5 Prozentpunkte steigern wird - also 0,3 Prozentpunkte pro Jahr. [5] Für Europa und die USA liegen die Schätzungen mit 2,5 Prozentpunkten in fünf Jahren (0,5 Prozentpunkte pro Jahr) deutlich höher.

Erwarteter KI-Wachstumseffekt in 5 Jahren (Prozentpunkte BIP)

Regulierung als zentraler Erklärungsfaktor

Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Innovationsökonomik und Digitale Transformation, benennt den wahrscheinlichsten Grund für den deutschen Pessimismus direkt: "Ein Grund für die weniger optimistische Einschätzung in Deutschland liegt möglicherweise an der Regulierung." [5]

Die Umfragedaten stützen diese Einschätzung eindrücklich. Deutschland ist das einzige Land, in dem fast die Hälfte der Experten für weniger KI-Regulierung plädiert. [6] In Deutschland sprechen sich nur 27 Prozent der Befragten für mehr Regulierung aus, während 46 Prozent weniger Regulierung fordern. Zum Vergleich: In den USA wünschen sich 64 Prozent mehr Regulierung, im EU-Durchschnitt sind es 50 Prozent. [7]

a factory filled with lots of orange machinesPhoto: Simon Kadula / Unsplash

Chancen und Risiken gleichzeitig

Die Debatte über Regulierung ist nicht eindimensional. Falck selbst betont, dass ein ausgewogener Rahmen notwendig bleibt: "Es braucht einen ausgewogenen regulatorischen Rahmen, damit Länder die Chancen von KI nutzen und mögliche negative Folgen abmildern. Solche Regeln sollten jedoch Innovation nicht ausbremsen." [7]

Hinzu kommt der regulatorische Druck von außen: [8] Am 2. August 2026 tritt der EU AI Act in Kraft. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro; Artikel 4 sieht zudem eine persönliche Haftung der Geschäftsführung bei mangelnder KI-Kompetenz vor. Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, KI-Einführung und Compliance gleichzeitig zu managen.

Auf der Beschäftigungsseite zeigt der EES ein differenzierteres Bild als die öffentliche Debatte oft vermuten lässt. [9] Für Europa erwarten 53 Prozent der Befragten einen Anstieg hochqualifizierter Jobs durch KI; für die USA sind es 48 Prozent. Die Zahl niedrigqualifizierter Stellen dürfte laut Expertenschätzungen überwiegend stabil bleiben oder leicht steigen.

Fazit: Adoption ja - Vertrauen in den Rahmen nein

Die Daten zeichnen ein klares Bild: Deutsche Unternehmen nehmen KI an, schneller als noch vor einem Jahr. Doch das Vertrauen in die Rahmenbedingungen fehlt. Wirtschaftsexperten sehen die Regulierung nicht als Schutzschild, sondern als Bremse - und das schlägt sich in gedämpften Wachstumserwartungen nieder, die deutlich unter dem internationalen Niveau liegen.

Für Industrieunternehmen bedeutet das eine doppelte Aufgabe: KI-Einführung beschleunigen und gleichzeitig Compliance-Strukturen aufbauen, bevor der EU AI Act im August volle Wirkung entfaltet. Wer beides verknüpft, verschafft sich einen Vorsprung - sowohl operativ als auch regulatorisch.

help_outlineWie viele deutsche Unternehmen nutzen KI laut ifo Institut (Mai 2026)?expand_more

Laut der aktuellen ifo-Umfrage vom Mai 2026 setzen 54,5 Prozent der deutschen Unternehmen Künstliche Intelligenz in ihren Geschäftsprozessen ein. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 40,9 Prozent.

help_outlineWarum sind deutsche Wirtschaftsexperten beim KI-Wachstum skeptischer als internationale Kollegen?expand_more

Das ifo Institut sieht die Regulierung als wahrscheinlichsten Grund. Deutschland ist das einzige Land, in dem fast die Hälfte der Experten weniger KI-Regulierung fordert. Die gedämpften Wachstumserwartungen (1,5 statt 2,5 Prozentpunkte in fünf Jahren) spiegeln dieses Misstrauen in den regulatorischen Rahmen wider.

help_outlineWas regelt der EU AI Act ab August 2026?expand_more

Ab dem 2. August 2026 tritt der EU AI Act in Kraft. Er verpflichtet Unternehmen zum Nachweis systematischer KI-Kompetenz und sieht bei Verstößen Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro vor. Artikel 4 regelt zudem die persönliche Haftung der Geschäftsführung.

help_outlineVerbieten viele Unternehmen in Deutschland den KI-Einsatz?expand_more

Nein. Laut ZEW-Befragung (März/April 2026, rund 1.500 Unternehmen) untersagen nur vier Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und acht Prozent im verarbeitenden Gewerbe die Nutzung generativer KI vollständig.

  1. ifo.de — Mehr als die haelfte der unternehmen nutzt kuenstliche intelligenz
  2. de.marketscreener.com — Ifo gut jedes zweite unternehmen nutzt ki in der breite angekommen ce7f5ddddd8df52d
  3. zew.de — Kaum unternehmen verbieten ki einsatz
  4. ingenieur.de — Aktuelle zew befragung
  5. ifo.de — Wirtschaftsexperten sehen regulierung deutschland als wachstumsbremse
  6. elektrowirtschaft.de — Wirtschaftsexperten sehen regulierung in deutschland als wachstumsbremse fuer ki
  7. architekturblatt.de — Ifo institut econpol europe wirtschaftsexperten sehen regulierug in deutschland als wachstumsbremse fuer ki
  8. boerse-express.com — Eu ai act ab august persoenliche haftung fuer geschaeftsfuehrer 914820
  9. aktiencheck.de — Artikel ifo KI als Wachstumsbremse Wirtschaftsexperten bleiben skeptisch 19745027
Julia Hartmann (KI)

Julia Hartmann (KI)

Ressortleiterin Forschung & Innovation

Physikerin mit Schwerpunkt Materialwissenschaften. Berichtet über F&E, Werkstoffforschung, Patente und Technologietransfer — mit Fokus auf den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis.