Stand: 30.03.2026 - 14:20 Uhr
Viele Verbraucher fürchten, dass die Preise für Lebensmittel wieder stärker steigen. In Betrieben ist der Druck vor allem da groß, wo viel Energie verbraucht wird. Wie eine Bäckerei damit umgeht.
Morgens um 3 Uhr in Waldböckelheim: Ralf Andrae und sein Team arbeiten schon seit dem späten Abend in der Backstube. Gerade in der Nacht muss alles schnell gehen. Brötchen und Kuchen müssen in gut zwei Stunden fertig sein. Dann kommen die ersten Kunden. Zeitdruck sind sie hier gewohnt.
Aber die durch den Nahost-Krieg nochmal rasant gestiegenen Energiepreise setzen den Betrieb zusätzlich unter Druck. "Wir versuchen, die Backvorgänge zu optimieren", sagt Ralf Andrae. "Das heißt die Gradzahlen für die Öfen, die sehr viel Energie verbrauchen, anzupassen. Wir lasten zudem die Öfen so gut aus, wie es geht. Die Energiefrage hat sich für uns nochmal verschärft."
Analyse
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Der Bäckermeister hat kurz vor Ausbruch des Krieges die Öltanks seines Betriebes nochmal komplett aufgefüllt. "Ich habe einen Tipp von einem Händler bekommen und so den ganz großen Preissprung nochmal vermieden. Jetzt verbrauchen wir so effizient wie nur möglich", erzählt Andrae, während er einen Wagen mit Brötchen in den Ofen schiebt. Wie viele andere Bäckereien läuft der Betrieb über Öl. "Für Gas müsste ich umrüsten und eine neue Anlage einbauen. Diese Mehrkosten und der Marktpreis rechnen sich nicht für uns", so der 52-Jährige. "Strom scheidet aus: Die Leitungen in unserer Ortschaft können nicht die Kapazitäten liefern, die wir als energieintensive Firma brauchen."
Der Betrieb versucht jetzt, alle Sparpotenziale zu nutzen. So werden jetzt buchstäblich kleinere Brote gebacken. "Das geht schneller und spart Energie", so Andrae. Auch bei den Auslieferungen wurden nochmal alle Routen überprüft. Die Bäckerei versucht, jeden Kilometer Leerfahrt zu verhindern. "Wir müssen mehr darauf achten, dass wir alles zusammenkriegen. Alles in eine Fahrt, nicht unnötig da rumfahren", sagt Viktor Schäfer, der gerade den Transporter für die Belieferungen der Filialen in der Region belädt. "Wenn ich an der Tankstelle bin und auf die Preise schaue - da wird einem schwindelig."
Die hohen Energiekosten treiben die Preise. Vor allem Lebensmittel könnten bald deutlich teurer werden. mehr
Nicht nur die Energie ist nochmal teurer geworden. Auch bei den Zutaten ziehen die Preise seit einigen Tagen deutlich an. "Wir haben jetzt einen Anstieg bei den Kürbiskernen von bis zu 20 Prozent. Aber unsere Lieferanten sagen uns schon, in den kommenden Wochen dürften es 50 Prozent werden." Was bedeutet das für den Betrieb? "Dass wir wohl die Kürbiskernbrötchen und die Kürbiskernbrote aus dem Sortiment nehmen."
Die Kundschaft reagiere nach Jahren der Teuerung sensibel auf jede weitere Preiserhöhung - mag sie auch noch so klein sein, erzählt Madeleine Andrae, die im Familienbetrieb im Verkauf an der Ladentheke ist. "Wir haben zuletzt den Preis für ein Brötchen von 48 auf 50 Cent erhöht. Da kommen schon kritische Nachfragen aus der Kundschaft. Aber was sollen wir machen? Alles wird teurer. Wenn wir die Preise nicht erhöhen, rutschen wir ins Minus."
Der Iran-Krieg und die Angst vor steigenden Energiepreisen haben die Stimmung der Verbraucher gedrückt. mehr
Die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) warnt vor steigenden Energie- und Betriebsmittelkosten. Viele Produktionsschritte wie Backprozesse, Trocknung oder Kühlung benötigten große Mengen Energie, so der BVE. Da Deutschland die höchsten Strompreise in der EU habe, seien Betriebe hierzulande besonders von der internationalen Entwicklung betroffen.
Der Verband fordert deshalb Maßnahmen der Bundesregierung - wie etwa temporäre Preisdeckel, steuerliche Entlastungen oder direkte Zuschüsse auf Energie- und Kraftstoffpreise. Außerdem sollten etwa die Preise für die CO2-Zertifikate im Emissionshandel gesenkt oder die Lkw-Maut für Lebensmitteltransporte reduziert werden.
Nach Angaben des Bundesverbandes Verbraucherschutz sind die Lebensmittelpreise seit 2020 bereits um mehr als 30 Prozent gestiegen. Vor allem 2022 und 2023 hatte es enorme Preissprünge infolge von Corona und des Ukraine-Krieges gegeben. Auch wenn das Tempo der Inflation zuletzt deutlich zurückging, blieben viele Preise dauerhaft hoch. Jetzt erwartet die Bundesbank sogar einen weiteren Inflationsschub in Deutschland und einen Dämpfer für die sowieso schon schwach laufende Konjunktur.
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Die Teuerung werde in den kommenden Monaten deutlich steigen, schreibt die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht mit Blick auf den Nahostkrieg: "Infolgedessen dürfte die Inflationsrate in nächster Zeit deutlich in Richtung 3 Prozent ansteigen." Je länger der Konflikt dauere, desto größer werde die Teuerung ausfallen. Und: Im ersten Quartal werde die deutsche Wirtschaft aufgrund des Preisschocks wohl stagnieren. Vor dem Krieg war lediglich ein Wachstum von einem Prozent erwartet worden - und das auch nur wegen staatlicher Milliardenausgaben für Infrastruktur und Verteidigung.
Der Iran-Krieg drückt auch auf die Stimmung der Verbraucher. Aufgrund der Inflationsängste trüben sich die Einkommenserwartungen deutlich ein. Das geht aus der neuesten Erhebung des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen (NIM) hervor. "Die Verbraucher erwarten, dass die Inflation durch die gestiegenen Energiepreise wieder anzieht und die wirtschaftliche Erholung erneut ausgebremst wird", stellt Rolf Bürkl vom NIM fest. 90 Prozent der Verbraucher erwarteten eine wesentliche Verschlechterung ihrer Einkommenssituation.
Hintergrund
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Auf Anfrage von tagesschau.de stellt der Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerkes klar, dass die stark erhöhten Energiepreise Betriebe bundesweit enorm unter Druck setzten. Allerdings machten auch die gestiegenen Personalkosten, die hohen Sozialversicherungsbeiträge und Kosten durch Bürokratie Probleme. Zudem stelle die mehrmalige Erhöhung des Mindestlohns immer mehr Betriebe vor große Herausforderungen. Auch deshalb seien die Preise für Backwaren gestiegen.
Bäcker Ralf Andrae in Waldböckelheim kann all das aus seinem Arbeitsalltag bestätigen. Und wie will er jetzt mit den absehbar hohen Energiepreisen umgehen? "Einerseits hoffe ich, dass die Bundesregierung jetzt endlich Reformen macht, die uns Mittelständlern das Arbeiten erleichtert. Das könnte auch eine Entlastung sein", so der Bäckermeister. Und mit Blick auf die Energiepreise sagt Andrae: "Unserer Öl-Tanks sind jetzt gefüllt. Das dürfte bis in den Sommer langen. Danach werden wir weitersehen. Mir bleibt nur die Hoffnung, dass der Krieg bald vorbei ist."
Dieses Thema im Programm: Das Erste | ARD-Mittagsmagazin | 30.03.2026 | 13:00 Uhr
Quelle: Pressemitteilung

