Wer in der Beschaffung oder im Fuhrparkmanagement tätig ist, kennt das Muster: Erst kommt ein chinesischer Hersteller mit günstigen Volumenmodellen, dann folgt der Schritt nach oben. Bei MG ist es jetzt so weit. Ab Juli 2026 stehen die Bestellbücher für die Businesslimousine MG IM5 und das SUV MG IM6 in Deutschland offen - beide vollelektrisch, beide mit 800-Volt-Architektur. Gleichzeitig hat Geely mit dem Starray EM-i einen Plug-in-Hybrid im Angebot, der das Preissegment darunter besetzt. Zwei Ankündigungen, eine klare Botschaft: Die chinesische Automobilindustrie meint es ernst mit dem deutschen Markt.
MG IM5 und IM6: Premiumanspruch zu moderatem Preis
Die einst britische Marke gehört seit fast 20 Jahren zum chinesischen Autokonzern SAIC und hat sich hierzulande bislang vor allem im Volumengeschäft bewährt. Der MG4 EV, ein Kompaktmodell in Golf-Größe, avancierte in kurzer Zeit zum meistverkauften Elektroauto aus chinesischer Produktion in Deutschland. Jetzt folgt der nächste Schritt: Man plant den Aufstieg in die Premium-Klasse und gründete hierzu schon vor über fünf Jahren die Submarke "IM".
Der MG IM5 startet in Deutschland bei 53.990 Euro, das SUV IM6 ist ab 56.990 Euro erhältlich. Mit der Limousine MG IM5 und dem SUV MG IM6 bringt die Marke ab Juli 2026 zwei technologisch hochentwickelte Modelle auf den Markt, die modernste Elektromobilität, hohe Ladeperformance dank 800-Volt-Ladearchitektur, intelligente Assistenzsysteme sowie Allradlenkung mit einer umfangreichen Serienausstattung verbinden.
| Modell | Antrieb | Leistung | Reichweite (WLTP) | Max. DC-Ladeleistung | Einstiegspreis |
|---|---|---|---|---|---|
| MG IM5 (Heckantrieb) | Heckantrieb | 300 kW / 407 PS | 710 km | bis zu 396 kW | 53.990 € |
| MG IM5 (Allrad) | Allradantrieb | 553 kW / 751 PS | 575 km | bis zu 396 kW | 58.990 € |
| MG IM6 (Heckantrieb) | Heckantrieb | 300 kW / 407 PS | 625 km | bis zu 396 kW | 56.990 € |
| MG IM6 (Allrad) | Allradantrieb | 553 kW / 751 PS | 545 km | bis zu 396 kW | auf Anfrage |
Was steckt technisch dahinter?
Die 4,93 Meter lange Businesslimousine MG IM5 und das technisch identische SUV IM6 (4,90 Meter) sind die ersten Elektromodelle für Europa, die auf einer 800-Volt-Architektur basieren. Das ist kein Marketingversprechen, sondern ein handfester Vorteil im Alltag: An einem 350-kW-Schnelllader soll die Batterie in nur 17 Minuten den Ladehub von 10 auf 80 Prozent schaffen.
MG setzt bei beiden Modellen auf eine 100 kWh fassende Lithium-Ionen-Batterie mit einer fortschrittlichen Nickel-Mangan-Kobalt-Zellchemie, die von SAIC in Kooperation mit dem Batteriegiganten CATL gefertigt wird. Für Fuhrparkplaner ist das relevant: CATL-Zellen gelten als erprobt und sind in der Lieferkette gut verankert.
Mit 553 kW (751 PS) beschleunigt der IM5 in 3,2 Sekunden auf 100 km/h - ein Niveau, das man sonst eher von Porsche-Turbo-Modellen kennt. Auch die Höchstgeschwindigkeit fällt mit 268 km/h ungewöhnlich hoch aus; limitiert wird sie nicht durch den Antrieb, sondern durch die Reifen.
Vertrieb: Kein Aufbau auf der grünen Wiese
Ein Punkt, den Einkäufer und Flottenverantwortliche genau beobachten sollten: IM wird weder eigene Showrooms noch exklusive Händler erhalten, sondern vollständig ins bestehende MG-Netz eingebunden. Das spart Anlaufkosten und beschleunigt die Marktdurchdringung - ist aber auch ein Hinweis darauf, dass MG die Premiumpositionierung pragmatisch angeht, nicht mit dem Aufwand eines klassischen Luxusanbieters.
Trotz üppiger Ausstattung und hochwertiger Qualität im Interieur will MG sich preislich auf moderatem Niveau bewegen und zielt hierzulande vor allem auf Tesla. Doch auch Xpeng, Xiaomi und Zeekr, eine Premiummarke von Geely, dürften zum direkten Wettbewerbsumfeld zählen.
Für Flottenentscheider: Die IM-Modelle werden über das bestehende MG-Händlernetz vertrieben. Wer bereits MG-Fahrzeuge im Fuhrpark hat, kann Serviceverträge und Wartungsstrukturen direkt weiternutzen – das vereinfacht die Integration erheblich.
Geely Starray EM-i: Die Brücke für alle, die noch nicht ganz wechseln wollen
Während MG mit IM5 und IM6 in die Oberklasse zielt, besetzt Geely mit dem Starray EM-i eine andere, strategisch mindestens genauso interessante Position: den Plug-in-Hybrid im C-Segment.
Der Geely Starray EM-i startet in Deutschland bei 32.990 Euro, die voll ausgestattete Max+-Version liegt bei 37.990 Euro. Der Plug-in-Hybrid-SUV punktet nicht nur mit gut 1.000 Kilometern Reichweite und Platz satt, sondern auch mit Komfort auf Premiumniveau und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Selbst voll ausgestattet kostet das Modell unter 38.000 Euro.
Der Starray EM-i positioniert sich mit einer Länge von 4,74 Metern im C-Segment und verfügt über ein variables Kofferraumvolumen von 528 bis zu 2.065 Litern. Das ist mehr Platz, als viele Mittelklasse-Kombis bieten - ein Argument, das in der Praxis zählt.
Antrieb und Reichweite: Für Vielfahrer ohne Ladeinfrastruktur
Beim Starray EM-i kombiniert Geely einen 1,5-Liter-Vierzylinder-Saugmotor mit 73 kW (99 PS) und 125 Nm mit einem 160 kW (218 PS) starken Elektromotor. Die Systemleistung liegt bei 193 kW oder 262 PS.
In der Topversion Pro+ bietet der Starray eine elektrische Reichweite von 135 Kilometern und eine maximale Ladeleistung von 78 kW. Ab der Pro+-Version (ab 35.990 Euro) hat der Akku sogar 29,8 kWh und die Reichweiten wachsen auf bis zu 136 Kilometer (elektrisch) und bis zu 1.055 Kilometer (gesamt).
Spannend für Flottenkunden: Die größeren Batterien können mit bis zu 78 kW DC laden. Von 30 auf 80 Prozent dauert es laut Geely 16 Minuten. Für einen Plug-in-Hybrid ist das ein starker Wert, denn viele PHEV können gar nicht oder nur sehr langsam an DC-Säulen laden.
Der Starray zielt auf Dienstwagenfahrer, Familien und Flottenkunden, die viel Ausstattung, große Reichweite und möglichst wenig Stress wollen. Das trifft den Nerv vieler Beschaffungsverantwortlicher, die wissen: Nicht jeder Mitarbeiter hat eine Wallbox zu Hause, und nicht jede Außendienstroute führt an Schnellladesäulen vorbei.
Garantie und Aftersales: Geely setzt auf Vertrauen
In Deutschland gewährt Geely acht Jahre oder 200.000 Kilometer Garantie auf das Fahrzeug inklusive Antriebsbatterie. Zur Unterstützung des Europageschäfts hat Geely ein Ersatzteilzentrum in Amsterdam aufgebaut, von dem aus ein Logistiknetzwerk aus europäischem Zentrallager und nationalen Satellitenlagern die Versorgung mehrerer Länder, darunter Deutschland, sicherstellt. Das ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für seriöse Flottenplanung.

Das größere Bild: Chinesische Hersteller unter Zolldruck - und trotzdem auf Kurs
Man sollte die Preisansagen nicht isoliert betrachten. E-Autos aus China werden nicht pauschal, sondern mit abgestuften Zusatzzöllen belegt. Diese liegen je nach Hersteller zwischen 7,8 und 35,3 Prozent. SAIC, der Mutterkonzern von MG, wurde mit dem Höchstsatz von 35,3 Prozent belegt und rief den Europäischen Gerichtshof an.
Das erklärt, warum die Preisgestaltung der IM-Modelle so genau kalkuliert wirkt: Um mit solchen Preisen noch Gewinne zu erwirtschaften, braucht es zum einen die günstige Produktion in China, zum anderen einen schon etablierten Vertrieb in Europa. Beides hat MG. Geely wiederum profitiert davon, dass der Starray EM-i als Plug-in-Hybrid von den reinen E-Auto-Zöllen nicht in gleicher Weise betroffen ist - ein taktischer Vorteil, der den Einstiegspreis unter 33.000 Euro erst ermöglicht.
Geely hat einen klaren Plan: Bis 2028 will man zwölf Modelle nach Deutschland bringen. Bis 2030 soll ein Drittel des Geschäfts außerhalb Chinas generiert werden. Das ist keine Ankündigung für die Schublade, sondern eine Investitionsentscheidung, die sich in Showrooms, Lagern und Servicenetzen bereits materialisiert.
Was das für Einkauf und Fuhrpark bedeutet
Aus der Perspektive des Beschaffungsplaners lassen sich aus den beiden Produktoffensiven konkrete Schlüsse ziehen:
- Preisanker verschieben sich. Wer heute einen Dienstwagen in der oberen Mittelklasse beschafft, hat mit dem IM5 ab 53.990 Euro eine neue Referenz - mit 800-Volt-Technik und 710 km Reichweite, die bislang deutlich teurer waren.
- PHEV bleibt relevant. Der Starray EM-i zeigt, dass der Plug-in-Hybrid nicht tot ist - er wird neu definiert: mit echter elektrischer Alltagsreichweite von bis zu 136 km und DC-Schnellladefähigkeit.
- Lieferkettenperspektive. Beide Konzerne - SAIC und Geely - sind tief in globale Batterie- und Komponentenlieferketten eingebunden. Hinter Geely steht die Geely Auto Group aus Hangzhou, die als Teil der Zhejiang Geely Holding Group Marken wie Lynk & Co, Zeekr und Volvo führt. Das bedeutet: Skalierung ist möglich, Ersatzteilversorgung ist strukturiert geplant.
- Zollrisiko einkalkulieren. Wer Fahrzeuge aus chinesischer Produktion langfristig in Flotten plant, sollte die laufenden Zollverfahren im Blick behalten. Die Situation ist noch nicht abschließend geklärt.
Wann sind MG IM5 und IM6 in Deutschland bestellbar?
Die Bestellbücher für beide Modelle sind seit Juli 2026 geöffnet. Die Auslieferung soll ebenfalls ab Juli 2026 starten.
Ist der Geely Starray EM-i von den EU-Strafzöllen auf chinesische E-Autos betroffen?
Die EU-Strafzölle richten sich primär gegen rein elektrische Fahrzeuge aus China. Als Plug-in-Hybrid ist der Starray EM-i nicht in gleicher Weise betroffen, was seinen vergleichsweise niedrigen Einstiegspreis miterklärt.
Welche Garantie bietet Geely auf den Starray EM-i in Deutschland?
Geely gewährt in Deutschland acht Jahre oder 200.000 Kilometer Garantie auf Fahrzeug und Antriebsbatterie – ein Wert, der deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt.
Über welche Händler werden MG IM5 und IM6 verkauft?
Die IM-Modelle werden vollständig über das bestehende MG-Händlernetz vertrieben. Es sind keine separaten Showrooms oder exklusiven Händler geplant.
Die Preisansagen von MG und Geely sind mehr als Produktneuheiten. Sie sind ein Stresstest für etablierte Hersteller und ein Signal an alle, die Fahrzeugbeschaffung strategisch denken: Der Wettbewerb im deutschen Automobilmarkt wird breiter, technisch anspruchsvoller - und preislich ehrlicher.





