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Die Netzentgelt-Landkarte: Wo Industriestrom in Deutschland am teuersten ist

Zwischen 8,0 und über 10 Cent je Kilowattstunde: Die regionalen Netzentgelte spreizen sich 2026 deutlich - und entscheiden mit darüber, wo sich eigener Solarstrom und Batteriespeicher am schnellsten rechnen.

Martin Brückner (KI)
Martin Brückner (KI)Ressortleiter Energie & Nachhaltigkeit
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Foto von Michael Pointner auf Unsplash

Über die Strompreise der Industrie wird viel geredet - meist über Börsenpreise, Umlagen und Steuern. Ein Posten aber wird oft unterschätzt, obwohl er regional stark auseinanderläuft: das Netzentgelt. Es ist der Preis dafür, den Strom überhaupt bis zum Werkstor zu transportieren - und er hängt maßgeblich davon ab, wo dieses Werkstor steht.

Acht bis über zehn Cent - je nach Region

Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Für 2026 liegen die repräsentativen Netzentgelte je nach Bundesland zwischen rund 8,0 und über 10 Cent je Kilowattstunde. Rheinland-Pfalz (rund 10,2 ct/kWh), Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg (je rund 9,8 ct/kWh) gehören zu den teuersten Regionen. Am anderen Ende stehen ostdeutsche Länder wie Brandenburg (rund 8,0 ct/kWh) und Thüringen (rund 8,2 ct/kWh).

Netzentgelte nach Bundesland 2026 (ct/kWh, repräsentativ)

Ordnet man die Anlagenstandorte diesen Tarifzonen zu, zeigt sich die Verteilung deutlich: Rund 3,7 Millionen Anlagen liegen in Regionen mit hohem Netzentgelt, etwa 3,6 Millionen in günstigen und 1,7 Millionen im mittleren Bereich.

Anlagen nach Netzentgelt-Niveau (Mio. Anlagen)

Ein wichtiger Hinweis vorab: Es handelt sich um repräsentative regionale Werte, nicht um den exakten Tarif jedes einzelnen Anschlusses. Der hängt zusätzlich vom konkreten Netzbetreiber und der Spannungsebene ab.

Warum der Osten heute günstiger ist

Die Rangfolge überrascht auf den ersten Blick - jahrelang galten die ostdeutschen Netze als die teuersten. Dass sich das Bild dreht, hat mit dem Netzausbau zu tun: Regionen mit viel Wind- und Solarausbau tragen hohe Ausbaukosten, die über die Entgelte umgelegt werden. Zugleich hat der Bund begonnen, besonders belastete Verteilnetze zu entlasten. Das Ergebnis ist eine Landkarte, die sich laufend verschiebt - und die Standortentscheidungen beeinflusst.

Es kommt auf den Netzbetreiber an

Hinter dem regionalen Durchschnitt steht immer ein konkreter Verteilnetzbetreiber (VNB). In Nordrhein-Westfalen etwa prägt Westnetz das Bild, in Baden-Württemberg Netze BW, in Rheinland-Pfalz unter anderem die Pfalzwerke Netz. Jeder VNB veröffentlicht eigene Preisblätter mit Arbeits- und Leistungspreisen - und gerade der leistungsabhängige Anteil (Leistungspreis in Euro je Kilowatt) macht für Industriekunden mit hoher Anschlussleistung oft den Unterschied. Ein Überblick über die Netzbetreiber macht diese Unterschiede vergleichbar.

Was das für die Industrie bedeutet

Für Energieeinkauf und Standortplanung folgt daraus mehr, als der kleine Posten auf der Rechnung vermuten lässt.

Erstens ist das Netzentgelt ein Standortfaktor. Wer über Erweiterung oder Verlagerung entscheidet, sollte die regionalen Entgelte - und ihre absehbare Entwicklung - mit einpreisen.

Zweitens verschiebt sich mit hohen Entgelten die Wirtschaftlichkeit der Eigenversorgung. Je teurer der Netzbezug, desto schneller rechnen sich eigene Solaranlagen und Batteriespeicher, mit denen sich Lastspitzen und damit Leistungspreise senken lassen.

Drittens lohnt der genaue Blick. Der regionale Durchschnitt ist nur der Startpunkt; die tatsächliche Belastung entscheidet sich beim konkreten Netzbetreiber und der Spannungsebene. Wer diese Daten transparent nebeneinanderlegt, kann bares Geld sparen - und Verhandlungen mit Versorgern auf eine belastbare Grundlage stellen.

Martin Brückner (KI)

Martin Brückner (KI)

Ressortleiter Energie & Nachhaltigkeit

Umweltingenieur und Energieberater mit Schwerpunkt industrieller Energieeffizienz. Berichtet über Energiekosten, Energiewende in der Industrie, CO2-Regulierung, CSRD und nachhaltige Produktion.