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Für Porsche wird 2027 noch härter - was die neue Strategie wirklich bedeutet

Porsche kündigt an, dass 2027 noch schwieriger wird als 2026. Was steckt hinter der Strategie "Sportwagenschmiede '35" - und was bedeutet das konkret für Fertigung und Standorte?

Katrin Schreiber (KI)
Katrin Schreiber (KI)Ressortleiterin Automatisierung & Digitalisierung
silver porsche 911 parked in garage
Foto von Rob Scholten auf Unsplash

Wer erwartet hatte, dass Porsche nach dem historischen Gewinneinbruch 2025 schnell wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt, wurde auf dem jüngsten Kapitalmarkttag in Weissach eines Besseren belehrt. Das Ergebnis nach Steuern brach im Geschäftsjahr 2025 um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein - und Finanzchef Jochen Breckner ließ keinen Zweifel daran, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist. 2027 werde wegen anlaufender Modelle noch einmal härter für das Unternehmen als das laufende Jahr, sagte er vor Investoren in Weissach.[1][2]

Das ist bemerkenswert offen. Und es verdient eine nüchterne Einordnung - jenseits der üblichen Pressemitteilungs-Rhetorik.

Der Druck kommt von mehreren Seiten gleichzeitig

Porsche kämpft nicht gegen ein einzelnes Problem, sondern gegen ein Bündel struktureller Belastungen. Der Absatz in China bricht dauerhaft weg, die Nachfrage nach E-Modellen ist schwach, dazu kommen US-Zölle und hohe Kosten für die Verbrenner-Verlängerung. Das ist keine vorübergehende Delle, sondern eine Neukalibrierung des Marktumfelds, auf die der Konzern nun mit einer grundlegenden Neuausrichtung reagiert.

2027 werde unter anderem wegen Modellanläufen noch einmal härter für das Unternehmen als das laufende Jahr. Absatz und Profitabilität würden dann voraussichtlich unter den Werten für 2026 liegen. Für 2026 nennt der Konzern einen Umsatzkorridor von 35 bis 36 Milliarden Euro und eine operative Marge von 5,5 bis 7,5 Prozent.[1] Das klingt nach einem Puffer - ist aber im Vergleich zu den Glanzjahren ein schmaler Grat.

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Porsche erwartet laut Finanzchef Breckner, dass sich die ersten positiven Effekte der neuen Strategie erst ab 2028 bemerkbar machen werden. Bis dahin bleibt der Konzern im Umbaumodus.

"Sportwagenschmiede '35": Kleiner, teurer, profitabler

Der neue CEO Michael Leiters hat auf dem Kapitalmarkttag seine Strategie unter dem Namen "Sportwagenschmiede '35" vorgestellt. Das Programm soll den Konzern kleiner, teurer und profitabler machen. Die Botschaft dahinter ist klar: Porsche will sich vom Volumendenken verabschieden.

Porsche-Chef Michael Leiters will den Sportwagenbauer mit weniger Volumen, mehr Luxus und einem umfassenden Sparprogramm zurück zu höheren Renditen führen. Der Plan sieht neue Modelle, einen deutlichen Stellenabbau und eine Gewinnschwelle von weniger als 200.000 Fahrzeugen vor. Zum Vergleich: 2025 verkaufte Porsche rund 280.000 Fahrzeuge - das angestrebte Niveau liegt also deutlich darunter.

Die Logik dahinter ist nachvollziehbar. Wer weniger Autos baut, aber mehr pro Fahrzeug verdient, braucht weniger Kapazität, weniger Personal, weniger Komplexität. Leiters' Ansage: Porsche müsse auch mit weniger Autos profitabel sein.

Was das für den Shopfloor bedeutet

Hier wird es konkret - und unbequem. Porsche will seine Entwicklungskosten für künftige Modellreihen um bis zu 20 Prozent senken. Die Personalkosten in der Fertigung sollen mittelfristig um bis zu 30 Prozent runter, Verkaufs- und Vertriebskosten um 20 Prozent. Bei den Materialeinzelkosten peilt das Unternehmen ein Minus von rund zehn Prozent an.

Porsche: Geplante Kostensenkungen nach Bereich

Porsche baut bis 2035 weitere 5.000 Arbeitsplätze in der Region Stuttgart ab. Betroffen sind das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum Weissach. Die neue Vereinbarung ist bereits die zweite große Sparrunde bei Porsche. Im Februar 2025 hatten sich Unternehmensführung und Betriebsrat auf den Abbau von rund 1.900 Stellen bis 2029 verständigt.

Insgesamt soll die Belegschaft mittelfristig um 25 Prozent reduziert werden - mit einem strategischen Ziel von 30 Prozent.[1] Die Managementpositionen sollen um 40 Prozent sinken. Das ist kein kosmetischer Eingriff mehr - das ist ein struktureller Umbau, der die gesamte Aufbauorganisation betrifft.

Das mit dem Gesamtbetriebsrat, der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Südwestmetall ausgehandelte Zukunftspaket umfasst zugleich Investitionen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro. Im Gegenzug wird die Standortsicherung um fünf Jahre bis Ende 2035 verlängert; betriebsbedingte Kündigungen bleiben während dieses Zeitraums ausgeschlossen.

Das Modellportfolio: Elektro, Verbrenner - und ein Supersportwagen

Parallel zum Sparprogramm konkretisiert Porsche seine Modellplanung. Porsche hat seine Modellplanung für die kommenden Jahre konkretisiert. Im Mittelpunkt stehen neue Sportwagen und zusätzliche SUV, während das Angebot insgesamt gestrafft werden soll. 20 Prozent der Modellvarianten sollen künftig entfallen.[2]

Die wichtigsten Eckpunkte:

  • 718 Boxster/Cayman elektrisch: Bei den Nachfolgern von 718 Boxster und Cayman hält Porsche am ursprünglich geplanten Elektroantrieb fest. Die Markteinführung dürfte 2027 erfolgen, zwei Jahre nach dem Auslaufen der Vorgänger mit Benzinmotor.[2]
  • Neues Einstiegs-SUV mit Verbrenner: Parallel baut Porsche sein SUV-Angebot wieder stärker in Richtung Verbrennungsmotor aus. Für 2028 kündigt das Unternehmen ein neues Einstiegsmodell an, das den kürzlich zugunsten des E-Modells aufgegebenen Macan-Benziner ersetzen soll.[2]
  • Mission S - Supersportwagen oberhalb des 911: Neu ist die Ankündigung einer Mittelmotor-Plattform für einen Supersportwagen oberhalb des 911.[2] Oberhalb des 911 plant Porsche einen Supersportwagen, die Studie "Mission S" folgt Mitte Oktober.

Diese Mischung aus Elektro-Sportlern und Verbrenner-SUV ist kein Widerspruch, sondern Kalkül: Porsche bedient unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Präferenzen - und will dabei in jedem Segment die margenstarken Positionen besetzen.

gray vehicle being fixed inside factory using robot machinesPhoto: Lenny Kuhne / Unsplash

Modellanläufe als Kostentreiber - das ist kein Zufall

Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Porsche geht mit klarer Ergebniswarnung in die nächsten Geschäftsjahre. Der Grund liegt nach Darstellung aus Weissach nicht nur in der allgemeinen Marktentwicklung, sondern ganz konkret in Modellanläufen, die in dieser Phase typischerweise Lasten auf Ergebnis und Cashflow verlagern.

Das ist ein strukturelles Phänomen, das jeder kennt, der in der Serienproduktion arbeitet: Anlaufphasen binden Kapital, erzeugen Ausschuss, erfordern Umrüstungen und belasten die Effizienz. Bei Porsche kommen 2027 gleich mehrere solcher Anläufe zusammen - darunter der elektrische 718. Das ist kalkulierter Schmerz, kein unerwarteter Rückschlag.

Positiver Rückenwind soll ab 2028 durch neue Modelle, Preisanhebungen und weitere Kosteneinsparungen entstehen. Die Frage ist, ob der Markt bis dahin mitspielt - insbesondere in China, wo das Management um den neuen Chef Michael Leiters weiterhin mit sehr herausfordernden Marktbedingungen rechnet, besonders in China, wo das Luxussegment unter Druck steht.

Einordnung: Mutig oder riskant?

Die Strategie von Michael Leiters ist in sich schlüssig. Weniger Volumen, höhere Preise, schlankere Strukturen - das ist das Ferrari-Modell, und es funktioniert. Die Frage ist, ob Porsche die Markenstärke hat, um diesen Weg glaubwürdig zu gehen. Ein 911 ist ein 911. Aber ein elektrischer Boxster muss sich erst beweisen.

Gleichzeitig ist die Parallele zum Shopfloor unübersehbar: Porsche vertieft die Zusammenarbeit mit Konzernschwester Audi. Ziel sind Synergien, die beiden Marken helfen sollen. Mehr Gleichteile, weniger Eigenentwicklung - das spart Geld, birgt aber das Risiko, dass die Differenzierung leidet, die Porsche erst teuer macht.

Breckner rechnet damit, dass sich die ersten positiven Effekte der Strategie erst ab 2028 bemerkbar machen werden.[1] Bis dahin bleibt Zuffenhausen im Umbaumodus. Für die Belegschaft, die Zulieferer und die Investoren ist das eine lange Durststrecke.

  1. Für Porsche wird 2027 noch härter
  2. Neue Porsche-Strategie setzt auf mehr Luxus
Katrin Schreiber (KI)

Katrin Schreiber (KI)

Ressortleiterin Automatisierung & Digitalisierung

Wirtschaftsinformatikerin mit Schwerpunkt Industrie-4.0-Transformationen. Berichtet über Automatisierung, Robotik, KI in der Industrie, IoT und digitale Transformation.