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QAmp: Wie ein neuer Laserverstärker den Flaschenhals beim Quantencomputing beseitigt

Das Projekt QAmp entwickelt kompakte Laserverstärker für Ionenfallen-Quantencomputer - und schließt dabei eine kritische Lücke in der europäischen Lieferkette. Was dahintersteckt.

Julia Hartmann (KI)
Julia Hartmann (KI)Ressortleiterin Forschung & Innovation
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Foto von Opt Lasers auf Unsplash

Wer über Quantencomputer spricht, denkt zuerst an Qubits, Fehlerkorrektur und Rechenleistung. Kaum jemand denkt an Laser. Dabei ist genau dort einer der hartnäckigsten Engpässe der gesamten Branche versteckt - und ein deutsches Forschungskonsortium hat sich jetzt daran gemacht, ihn zu beseitigen.

Das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) hat gemeinsam mit dem Quantentechnologieunternehmen neQxt GmbH und der Electro-Optics Technology GmbH (EOT) das Projekt QAmp gestartet. Das Ziel ist so konkret wie dringend: kompakte, stabile Laserverstärker für Ionenfallen-Quantencomputer zu entwickeln - und damit eine europäische Lieferkette für eine Schlüsselkomponente aufzubauen, die bislang schlicht nicht existiert.

Warum der Laser das eigentliche Problem ist

Ionenfallen-Quantencomputer gelten weltweit als eine der vielversprechendsten Architekturen für fehlertolerantes Quantencomputing. Die Funktionsweise: Einzelne geladene Atome werden in elektromagnetischen Fallen gefangen und mit Laserpulsen präzise manipuliert. Mit steigender Qubit-Zahl wachsen jedoch auch die Anforderungen an die optische Ansteuerung der Qubits.

Das klingt nach einem Detail - ist es aber nicht. Für den zuverlässigen Betrieb werden Laserquellen benötigt, die nicht nur genügend Leistung bereitstellen, sondern zugleich höchste spektrale Präzision und Stabilität gewährleisten. Und hier liegt das Problem: Die benötigten Verstärker sind bisher weder kompakt noch stabil genug für den industriellen Einsatz. Noch gravierender: Für Laser im blauen Wellenlängenbereich (455 nm und 493 nm), die viele Anbieter für Bariumionen-basierte Quantencomputer benötigen, sind derzeit keinerlei Lieferketten in Europa zu finden.

Die Laserleistung pro Einheit steigt dabei mit der Anzahl der Qubits - nicht mit der Anzahl der Quantencomputer. Das bedeutet: Je leistungsfähiger ein System wird, desto kritischer wird dieser Engpass. Wer heute keine Lösung entwickelt, wird morgen nicht skalieren können.

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Ionenfallen-Quantencomputer entwickeln sich derzeit von Forschungssystemen zu kommerziellen Produkten. Die Laserversorgung ist dabei eine der wenigen verbliebenen Hardware-Hürden, die noch keine industrielle Antwort hat — QAmp will das ändern.

Was QAmp konkret entwickelt

Das Projekt setzt direkt an diesem Engpass an. QAmp entwickelt Verstärkermodule für die relevanten Wellenlängen 455 nm und 493 nm, die in bestehende und künftige Quantencomputersysteme integriert werden können. Die Module sollen als "Plug-and-Play"-Lösungen funktionieren - also nachrüstbar in bestehende Systeme, ohne dass diese grundlegend umgebaut werden müssen.

Ein besonderer technischer Kniff liegt im Packaging. Das Fraunhofer IZM bringt dabei eine Methode ein, die in der Quantentechnik noch selten ist: Die Verstärkermodule erhalten ein antireflexbeschichtetes Fenster direkt im Package und verzichten vollständig auf Klebstoffe, um mögliche Ausgasungen zu vermeiden - stattdessen kommen vakuumkompatible Fügetechnologien zum Einsatz. Das ist kein kosmetisches Detail: Ausgasungen können die empfindlichen Quantensysteme stören und die Kohärenzzeiten der Qubits drastisch verkürzen.

Das Fraunhofer IZM bringt seine Expertise in Aufbau- und Verbindungstechnik sowie in der robusten Integration elektro-optischer Komponenten ein. Das erklärte Ziel: Verstärkermodule zu entwickeln, die nicht nur im Labormaßstab funktionieren, sondern auch in Richtung reproduzierbarer und perspektivisch automatisierbarer Fertigung überführt werden können.

Isometric illustration of a precision laser amplifier module being integrated into an ion trap quantum computer rack, with optical fiber connections and a clean-room laboratory environment in the background, soft blue light from laser components

neQxt als Testfeld - und als Beweis

Die entwickelten Module werden nicht nur im Labor vermessen. Sie werden an einem bestehenden Ionenfallen-Quantencomputer der neQxt GmbH validiert. Das ist industriell relevant: Ein erfolgreicher Test würde nicht nur die technische Machbarkeit belegen, sondern zugleich einen konkreten Beitrag zur industriellen Verfügbarkeit dieser Schlüsseltechnologie leisten.

neQxt selbst ist dabei kein unbeschriebenes Blatt. Das Unternehmen ist eine Ausgründung der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz aus der Arbeitsgruppe Schmidt-Kaler und profitiert von jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich Ionenfallen-Quantencomputer. Als Full-Stack-Anbieter deckt neQxt das gesamte Spektrum von der Hardware-Fertigung bis zur Software-Entwicklung ab - und ist damit einer der wenigen europäischen Akteure, die einen eigenen Quantencomputer als Testplattform einbringen können.

Der industriepolitische Rahmen

QAmp ist kein Forschungsprojekt im klassischen Sinne. Das Vorhaben wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Fördermaßnahme "Enabling Technologies für resiliente F&E-Lieferketten in den Quantentechnologien" unter dem Förderkennzeichen 13N17477 gefördert. Die Laufzeit: Januar 2026 bis Dezember 2028.

Das ist kein Zufall. Die Bundesregierung hat erkannt, dass Quantencomputing nicht nur eine Frage der Rechenarchitektur ist, sondern auch eine Frage der Lieferkettensouveränität. Wer die Schlüsselkomponenten nicht selbst herstellen kann, bleibt abhängig - von Anbietern außerhalb Europas, die diese Nische bislang dominieren.

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Verstärkermodul-Entwicklung
Fraunhofer IZM und EOT entwickeln Laserverstärker für 455 nm und 493 nm mit vakuumkompatiblem Packaging
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Integration & Test
Die Module werden in bestehende Ionenfallen-Systeme integriert und auf Kompatibilität geprüft
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💻
Validierung am Quantencomputer
Abschließender Test an einem realen Ionenfallen-Quantencomputer der neQxt GmbH
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Industrialisierung
Überführung in reproduzierbare, perspektivisch automatisierbare Fertigung für den europäischen Markt

Warum das über QAmp hinaus wichtig ist

Die Quantencomputing-Branche befindet sich gerade in einem entscheidenden Übergang. Der Fokus verschiebt sich zunehmend von der technischen Realisierung einzelner Qubits hin zu zentralen Skalierungsthemen: längere Kohärenzzeiten, stabilere Steuerungssysteme und fehlerkorrigierte Architekturen. Die Engpässe werden nicht mehr im Universitätslabor als Grundlagenforschung angegangen, sondern ingenieurtechnisch adressiert - mit konkreten Lastenheften und verbindlichen Zeitskalen.

QAmp steht exemplarisch für diesen Wandel. Es geht nicht mehr darum, ob Ionenfallen-Quantencomputer funktionieren. Es geht darum, ob sie skalierbar, reproduzierbar und industriell verfügbar gemacht werden können. Die Laserversorgung war dabei bislang ein stilles Hindernis - eines, das in keiner Pressemitteilung über Qubit-Rekorde auftaucht, das aber jeden Skalierungsversuch bremst.

Dass Fraunhofer IZM, neQxt und EOT diesen Engpass jetzt systematisch angehen - mit Bundesförderung, mit einem realen Quantencomputer als Testplattform und mit dem expliziten Ziel der industriellen Fertigung - ist ein Signal, das über das Projekt selbst hinausweist. Es zeigt, dass Europa im Quantencomputing nicht nur Forschungsexzellenz aufbauen will, sondern auch die Fertigungsgrundlage dafür.

Die nächste Generation europäischer Quantenhardware braucht beides: brillante Physik und belastbare Lieferketten. QAmp liefert einen Baustein für Letzteres.

Julia Hartmann (KI)

Julia Hartmann (KI)

Ressortleiterin Forschung & Innovation

Physikerin mit Schwerpunkt Materialwissenschaften. Berichtet über F&E, Werkstoffforschung, Patente und Technologietransfer — mit Fokus auf den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis.