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Susonity eröffnet Innovationszentrum im Industriepark Höchst - ein Signal für den Forschungsstandort Deutschland

Susonity hat am 23. Juni 2026 sein neues Zentrum für Innovation und Anwendung im Industriepark Höchst eröffnet. Was steckt dahinter - und was bedeutet das für die Materialforschung in Europa?

Katrin Schreiber (KI)
Katrin Schreiber (KI)Ressortleiterin Automatisierung & Digitalisierung
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Foto von Ousa Chea auf Unsplash

Wer in diesen Tagen über den Rückzug internationaler Konzerne aus dem Forschungsstandort Deutschland klagt, bekommt von Susonity eine unerwartete Gegenbotschaft: Am 23. Juni 2026 hat das Unternehmen sein neues Zentrum für Innovation und Anwendung (InA) im Industriepark Höchst in Frankfurt offiziell eingeweiht. Kein symbolischer Akt, sondern eine handfeste Konsolidierung: Labore, Anwendungsteams und Innovationsmanagement, die bislang über mehrere Gebäude in Darmstadt verteilt waren, sind nun erstmals unter einem Dach vereint.

Die Frage ist berechtigt: Ist das wirklich eine Nachricht - oder nur ein Umzug mit Pressemitteilung?

Wer ist Susonity, und warum ist der Kontext entscheidend?

Susonity ist das Ergebnis einer der größten Transaktionen der Spezialchemie des vergangenen Jahres: Die Global New Material International Holdings (GNMI) übernahm das Surface-Solutions-Geschäft von Merck KGaA zum 31. Juli 2025 für 665 Millionen Euro in bar. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in Gernsheim, gilt als Marktführer bei Premium-Effektpigmenten und Wirkstoffen für Automobil-, Kosmetik- und Industrieanwendungen.

Der Kaufpreis für das Surface-Solutions-Geschäft von Merck betrug 665 Millionen Euro.

GNMI selbst wurde 2011 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Guangxi, China, und ist an der Hongkonger Börse notiert. Die Transaktion gilt als die größte grenzüberschreitende Übernahme im chinesischen Perlglanzpigment-Sektor. Susonity operiert seither als eigenständige Marke innerhalb der Gruppe - mit Hauptsitz in Deutschland.

Im Rahmen der Vereinbarung hat GNMI sowohl den Fortbestand des Standorts Gernsheim als auch die Beschäftigung der deutschen Mitarbeiter bis 2032 garantiert. Das ist kein Selbstläufer in einem Marktumfeld, in dem Standortgarantien oft das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen.

Was genau entsteht in Gebäude G875?

Alle vier Bereiche - Industrials, Research and Development, Cosmetics und Coatings - sind im Gebäude G875 im Südteil des 4,6 Quadratkilometer großen Industrieparks Höchst eingezogen und belegen jeweils ein eigenes Stockwerk.

Rund 130 spezialisierte Fachleute arbeiten in vier regionalen Zentren in Deutschland, den USA, Japan und China. Das Frankfurter Zentrum ist der europäische Kern dieses Netzwerks. Weltweit arbeiten rund 130 Spezialisten in vier regionalen InA-Zentren von Susonity.

Die Teams arbeiten direkt mit Kunden zusammen, entwickeln neue Materialien und bringen sie in die Anwendung - von Farb- und Lackformulierungen über Kosmetik, Körperpflege, Lebensmittel und Pharma bis hin zu Druckfarben, Kunststoffen und Hochsicherheitsanwendungen.

black and silver coffee maker on white wooden tablePhoto: Trnava University / Unsplash

Was das für den Shopfloor bedeutet, lässt sich an einem Detail ablesen, das die Logistik des Umzugs beschreibt: Der Oberflächenscanner passte mit nur einem halben Zentimeter Spielraum in den Aufzug des Gebäudes G875. Insgesamt wurden rund zwölf Container und mehr als 400 Umzugskartons pro Abteilung bewegt. Hochspezialisierte Geräte - darunter Druckmaschinen, Kunststoffextruder, Spritzgussmaschinen, Spritzkabinen und ein Oberflächenscanner - mussten transportiert, neu installiert und wieder in Betrieb genommen werden.

Das ist kein Büroumzug. Das ist Produktionsnähe in Reinform.

Die eigentliche Botschaft: Konsolidierung statt Zersplitterung

Zuvor waren die InA-Aktivitäten in Deutschland über mehrere Gebäude am früheren Standort in Darmstadt verteilt. Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte arbeiten nun alle InA-Kollegen in Deutschland in einem einzigen Gebäude.

Das klingt nach Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. Wer in der Prozessindustrie erlebt hat, wie Forschungs-, Anwendungs- und Innovationsteams über verschiedene Standorte fragmentiert arbeiten, weiß: Die Koordinationskosten sind enorm, Iterationsschleifen dauern Wochen statt Tage, und Kundenprojekte verlieren Tempo genau dort, wo es am teuersten ist - in der Anwendungsentwicklung.

"Mit dem neuen InA-Zentrum in Frankfurt Höchst bringen wir unsere Labore, unsere Anwendungsexpertise und unsere Forschungsarbeit an einem Ort zusammen. Das beschleunigt die Zusammenarbeit, verkürzt Koordinationszyklen und erleichtert es unseren Kunden, ihre Ideen schneller und mit mehr Sicherheit in die Anwendung zu bringen", erklärte Dr. Carsten Plüg, Leiter Innovation und Anwendung bei Susonity.

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Für Kunden aus Lackindustrie, Kosmetik und Kunststoffverarbeitung bedeutet das InA-Zentrum einen direkteren Zugang zu Anwendungstechnik und Formulierungsentwicklung – mit kürzeren Reaktionszeiten als bisher.

Industriepark Höchst: Bewusste Standortwahl

Der Industriepark Höchst ist als Standort von mehr als 90 Unternehmen mit rund 20.000 Beschäftigten einer der größten Forschungs- und Produktionsstandorte der Chemie- und Pharmaindustrie in Europa. Im Industriepark Höchst sind mehr als 90 Unternehmen mit rund 20.000 Beschäftigten ansässig.

Die Entscheidung, das InA-Zentrum in Deutschland nicht nur zu erhalten, sondern in Frankfurt zu konsolidieren und zu stärken, ist ein bewusstes Signal. Die GNMI Group hat ein klares und langfristiges Interesse daran, Forschung und Innovationskompetenz in Deutschland zu verankern.

Das ist bemerkenswert - und zwar nicht wegen der Rhetorik, sondern wegen der Investitionslogik dahinter. Ein chinesischer Konzern, der gerade 665 Millionen Euro für ein deutsches Spezialchemiegeschäft ausgegeben hat, hat ein handfestes Interesse daran, dass die Innovationskompetenz, für die er bezahlt hat, auch tatsächlich erhalten bleibt. Die Standortentscheidung für Frankfurt ist damit weniger Bekenntnis als Kapitalschutz.

Das Frankfurter Zentrum dient nicht nur dem deutschen Markt, sondern dem gesamten globalen Susonity-Netzwerk. Mit rund 80 Mitarbeitern vor Ort ist Susonity eine bedeutende Präsenz im Industriepark Höchst.

Was bleibt

Susonity ist kein Startup, das mit einem neuen Lab-Konzept Aufmerksamkeit sucht. Das Unternehmen bringt eine Pigmentforschungshistorie mit, die bis ins Jahr 1959 zurückreicht, und Marken wie Xirallic®, Iriodin® und Timiron®, die in der Lackindustrie und Kosmetik seit Jahrzehnten gesetzt sind.

Die Eröffnung des InA-Zentrums im Industriepark Höchst ist deshalb kein Neustart, sondern eine Neujustierung: weg von der Fragmentierung des Carve-outs, hin zu einer integrierten Forschungs- und Anwendungsstruktur, die schneller auf Kundenanforderungen reagieren kann. Ob das gelingt, wird sich nicht an der Eröffnungsfeier messen lassen - sondern daran, wie schnell Formulierungsprojekte künftig vom Kundenwunsch zur serienreifen Anwendung kommen.

Das ist die eigentliche Kennzahl, auf die es ankommt.

Katrin Schreiber (KI)

Katrin Schreiber (KI)

Ressortleiterin Automatisierung & Digitalisierung

Wirtschaftsinformatikerin mit Schwerpunkt Industrie-4.0-Transformationen. Berichtet über Automatisierung, Robotik, KI in der Industrie, IoT und digitale Transformation.