Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während weite Teile der deutschen Industrie mit verhaltener Investitionsbereitschaft und rückläufigen Auftragslagen kämpfen, meldet die Weltleitmesse für Bildverarbeitung Rekordwerte auf der ganzen Linie. Das ist kein Widerspruch - es ist ein Hinweis darauf, wo die Branche ihre Zukunft sieht.
Photo: Euronewsweek Media / Unsplash494 Aussteller - ein Allzeitrekord mit Substanz
Mit 494 ausstellenden Unternehmen hat die 32. Ausgabe der Vision einen neuen Allzeitrekord erreicht.[2] Die Weltleitmesse für Bildverarbeitung fand vom 6. bis 8. Oktober 2026 auf dem Gelände der Messe Stuttgart statt[1] - und lieferte dabei Kennzahlen, die in der aktuellen Industriekonjunktur auffallen.
Gegenüber der Vorveranstaltung 2024 stieg die Zahl der ausstellenden Unternehmen um 2 Prozent, die belegte Ausstellungsfläche sogar um 5 Prozent[2]. Das unterstreicht die anhaltend hohe Nachfrage nach der internationalen Branchenplattform[1]. Fläche wächst schneller als Ausstellerzahl - ein Indiz dafür, dass die Unternehmen nicht nur präsent sein, sondern sich breiter aufstellen wollen.
Auf der Besucherseite fiel das Wachstum noch deutlicher aus: Die Vision 2026 begrüßte über 9.000 Fachbesucher und verzeichnete damit einen Zuwachs von 14 Prozent. 46 Prozent von ihnen kamen aus dem Ausland, insgesamt reisten sie aus 59 Ländern an.
Internationalität als Strukturmerkmal
Die Vision ist längst keine regionale Fachmesse mehr. 66 Prozent der ausstellenden Unternehmen kamen aus dem Ausland und vertraten insgesamt 34 Länder. Mehr als 30 Prozent stellten erstmals auf der Fachmesse aus - Internationalität und Anteil der Erstausstellenden blieben damit erneut auf einem stabil hohen Niveau[2].
Auf der Besucherseite lag der Schwerpunkt weiterhin in Europa, mit besonders starker Vertretung aus Italien, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und Polen. Die hohe Relevanz für geschäftliche Entscheidungen zeigt sich in einer weiteren Zahl: 90 Prozent der Fachbesucher sind an Investitions- und Kaufentscheidungen in ihrem Unternehmen beteiligt. 82 Prozent würden die Vision weiterempfehlen.
Das sind keine Besucherzahlen, die man mit Marketingbudgets erklärt. Das ist eine Branche, die sich aktiv um Orientierung bemüht - und die Stuttgart als den richtigen Ort dafür bewertet.
Marktlage: Wachstum, aber kein Selbstläufer
Der Rekord auf der Messe fällt in ein wirtschaftliches Umfeld, das differenzierter betrachtet werden muss. Nach drei Jahren Umsatzrückgang erwartet der VDMA Machine Vision für die europäische Bildverarbeitungsindustrie 2026 ein Wachstum von 3 Prozent. Das wäre die erste Zunahme seit mehreren Jahren.
Der Gesamtumsatz der europäischen Bildverarbeitungsindustrie schloss 2025 mit einem Minus von 2 Prozent ab. Dabei verliefen die Segmente sehr unterschiedlich: Komponentenhersteller verzeichneten 2025 bereits ein Plus von 4 Prozent, während Machine-Vision-Systeme um 6 Prozent nachgaben. Absatzregional kamen die Wachstumsimpulse aus Nordamerika (+9 %) und Asien (+3 %), während Europa mit minus 6 Prozent deutlich schwächer abschnitt.
Für Deutschland bleibt die Nachfrage verhalten - geopolitische Unsicherheiten und schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen belasten das Geschäftsklima und die Investitionsbereitschaft weiterhin. Wachstumsimpulse für "Machine Vision made in Europe" kommen vor allem aus Nordamerika sowie Asien. Der VDMA bewertet 2026 dennoch als mögliches Wendepunktjahr, getrieben vor allem durch die weltweite Automatisierung, die durch den Einsatz von KI zusätzlich an Dynamik gewinnt.
Der Rekord auf der Vision 2026 ist kein Widerspruch zur verhaltenen Konjunktur — er ist eine Reaktion darauf. In Phasen der Unsicherheit steigt der Bedarf an Orientierung, Vernetzung und konkreten Technologieantworten. Genau das liefert die Messe.
Neue Formate: Makeathon, Guided Tours, Start-up Award
Neben den Ausstellerzahlen setzte die 32. Ausgabe auch programmatisch Akzente. Drei neue bzw. weiterentwickelte Formate stechen heraus:
Vision Makeathon (Premiere): Mit dem erstmals veranstalteten Vision Makeathon erhielt die Messe einen besonders praxisnahen Innovationsimpuls. In interdisziplinären Teams entwickelten Studierende und Young Professionals innerhalb eines Messetags Ansätze für konkrete Challenges aus der Bildverarbeitung - die Aufgaben drehten sich um Circular Economy und Smart Farming. Fachleute aus der Industrie und Experten von ITQ unterstützten die Teams. Für Unternehmen bietet das Format die Gelegenheit, früh mit der nächsten Generation von Fachkräften in Kontakt zu kommen.
Vision Guided Tours: Die geführten Rundgänge erschließen Anwendern kompakt die wichtigsten Trends und Lösungen in ausgewählten Zielbranchen - Aerospace & Defence, Automotive & Battery Manufacturing sowie Electronics & Semiconductors. Neu in diesem Jahr: eine spezielle VDMA AI-Tour, die das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz und Bildverarbeitung in den Mittelpunkt rückt.
Vision Start-up Award: Insgesamt 31 Start-ups stellten sich in der Vision Start-up World und am BMWE-Gemeinschaftsstand Young Innovators vor. Die Auszeichnung "Vision Start-up of the Day" ging an Phaseform, eyeo imaging und TiHive. Zum "Vision Start-up 2026" wurde eyeo gekürt. Den mit 3.000 Euro dotierten Vision Award für technologische Spitzenleistungen gewann photonicSENS.
Parallel fand erstmals ein Synthetic Data Symposium statt - in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer ITWM, mit Fokus auf synthetische Daten im KI-Training. Ein Thema, das für die gesamte Automatisierungsbranche zunehmend strategische Relevanz gewinnt.
Was der Rekord wirklich bedeutet
Messeerfolge lassen sich leicht als PR-Zahlen abtun. Aber die Kombination aus Ausstellerrekord, 14-prozentigem Besucherwachstum und einem Anteil von 90 Prozent entscheidungsbefugter Fachbesucher deutet auf etwas Substanzielleres hin: Die Bildverarbeitungsbranche investiert aktiv in ihre Zukunft - auch dann, wenn das Marktumfeld Gegenwind liefert.
Die Vision 2026 fand zudem parallel zur Motek/Bondexpo sowie zur EFX - Expo for Electronics Manufacturing und zu Quantum Effects statt. Ein Ticket eröffnete Zugang zu vier komplementären Technologiemessen - ein Konzept, das Synergien rund um Automatisierung, Elektronikfertigung, Quantentechnologien und Bildverarbeitung schafft und den Standort Stuttgart als Technologiedrehscheibe weiter stärkt.
Die nächste Vision ist bereits terminiert: 24. bis 26. Oktober 2028 in Stuttgart.
Was ist die Vision-Messe und wer veranstaltet sie?
Die Vision ist die Weltleitmesse für industrielle Bildverarbeitung (Machine Vision) und wird von der Landesmesse Stuttgart GmbH veranstaltet. Sie findet alle zwei Jahre statt und gilt als globale Referenzveranstaltung für Kameras, Optiken, Beleuchtung, Software, KI-basierte Bildauswertung und schlüsselfertige Vision-Systeme.
Welche Themen standen auf der Vision 2026 im Mittelpunkt?
Schwerpunkte waren KI und Deep Learning in der Bildverarbeitung, Embedded Vision, 3D-Bildverarbeitung, Hyperspectral Imaging sowie leistungsfähige Sensortechnologien. Neue Formate wie der Vision Makeathon, das Synthetic Data Symposium und die VDMA AI-Tour unterstrichen den Fokus auf angewandte KI.
Wie entwickelt sich der Markt für industrielle Bildverarbeitung in Europa?
Nach drei Jahren mit rückläufigen Umsätzen erwartet der VDMA Machine Vision für 2026 ein Wachstum von 3 Prozent. Die Trendwende ist fragil: In Deutschland bleibt die Nachfrage verhalten, während Wachstumsimpulse vor allem aus Nordamerika und Asien kommen. Als wichtigste Treiber gelten weltweite Automatisierung und der zunehmende Einsatz von KI.
Wann findet die nächste Vision-Messe statt?
Die nächste Ausgabe der Vision ist für den 24. bis 26. Oktober 2028 in Stuttgart geplant.





