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Mischen, Testen, Optimieren: Ein Besuch im Dorf für Prozessprofis

Ystral verwandelte seinen Hauptsitz im Markgräflerland in ein "Solution Village" - und stellte dabei ein neues ATEX-konformes Technikum in den Mittelpunkt. Was Prozessprofis dort erwartet.

Julia Hartmann (KI)
Julia Hartmann (KI)Ressortleiterin Forschung & Innovation
grey industrial equipment
Foto von Crystal Kwok auf Unsplash

Manchmal braucht es ein ganzes Dorf, um einen Prozess zu verbessern. Ystral hat diesen Gedanken Mitte Juni buchstäblich umgesetzt: Am 17. und 18. Juni verwandelte der Misch- und Dispergierspezialist seinen Firmenhauptsitz in das "Solution Village". Zwei Tage lang war Ballrechten-Dottingen im Markgräflerland kein gewöhnlicher Industriestandort mehr, sondern eine Begegnungszone für Verfahrenstechniker, Produktentwickler und Prozessverantwortliche aus Deutschland und den Nachbarländern.

Das Konzept dahinter ist klar formuliert: Das Solution Village versteht sich als Wissens- und Lösungsplattform für Prozessprofis, die neue Impulse für ihren Produktionsalltag suchen - auch jenseits des Tellerrands der eigenen Branche. Wer also dachte, er würde eine klassische Hausmesse besuchen, wurde angenehm überrascht.

Das neue Technikum: Herzstück des Besuchs

Im Zentrum des Events stand eine handfeste Investition: Ystral hat offiziell ein hochmodernes Technikum an seinem Hauptsitz in Ballrechten-Dottingen bei Freiburg eingeweiht. Mit einer Bauzeit von nur zwölf Monaten wurde das neue Versuchsgebäude auf einer Fläche von 150 Quadratmetern in kompakter Würfelbauweise errichtet.

Ystral investierte rund 1,8 Millionen Euro in das neue Versuchszentrum. Das Unternehmen investierte an seinem Hauptsitz circa 1,8 Millionen Euro, um künftig mehr Versuche als bisher durchführen und die Versuchsbedingungen für seine Kunden weiter verbessern zu können. Der Auslöser war pragmatisch: Das bereits bestehende Anwendungstechnikum und ein Entwicklungslabor waren an ihre Auslastungsgrenzen gestoßen.

red and white building near green trees during daytimePhoto: caroline gunderson / Unsplash

ATEX-konform und livestreamfähig

Was das neue Technikum von vielen vergleichbaren Einrichtungen unterscheidet, ist seine Auslegung für anspruchsvolle Medien. Ein besonderer Fokus liegt auf Versuchen mit brennbaren und explosionsfähigen Medien. Der neue Versuchsplatz entspricht den gesetzlichen Vorgaben des Explosions- und Gewässerschutzes, und alle eingesetzten Maschinen sind ATEX-konform.

Alle im neuen Ystral-Technikum eingesetzten Maschinen sind ATEX-konform und erfüllen die gesetzlichen Vorgaben des Explosionsschutzes.

Für Kunden, die nicht persönlich anreisen können oder wollen, hat Ystral eine praktische Lösung integriert: Kunden können die Tests entweder vor Ort verfolgen oder bequem per Livestream aus der Ferne dabei sein. Das senkt die Hemmschwelle für internationale Interessenten erheblich.

Analyse direkt vor Ort

Versuche allein reichen nicht - die Auswertung muss mithalten. Zusätzlich bietet Ystral umfangreiche Analysemöglichkeiten im hauseigenen Labor. Proben werden unter anderem mithilfe von Lichtmikroskopen und dynamischer Lichtstreuung untersucht. Auch Dichtemessungen, Viskositätsanalysen und die Aufzeichnung von Scherratenkurven gehören zum Serviceangebot.

Das ist kein Nebenprogramm, sondern ein integraler Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Wer einen Mischprozess optimieren will, braucht belastbare Messdaten - und die entstehen idealerweise dort, wo auch die Versuche stattfinden.

Branchen und Anwendungsfelder

Das neue Technikum ist insbesondere für Unternehmen aus den Branchen Chemie, Farben und Lacke, Lebensmittel, Pharma, Kosmetik und Batterieherstellung von Interesse. Die Bandbreite ist bewusst breit gehalten - denn Misch- und Dispergierprozesse sind branchenübergreifend ein kritischer Faktor für Produktqualität und Prozesseffizienz.

Neben Produkt- und Prozessentwicklung können Kunden ihr Bedienpersonal an den Misch-, Dispergier- und Pulvereintragsmaschinen von Ystral schulen. Das macht das Technikum zu mehr als einem Versuchsraum - es ist auch eine Trainingsinfrastruktur.

lightbulb Tip

Für wen lohnt sich ein Besuch im Ystral-Versuchszentrum besonders? Unternehmen, die neue Rezepturen entwickeln, bestehende Prozesse kritisch hinterfragen oder Bedienpersonal schulen wollen – vor allem aus Chemie, Pharma, Lebensmittel, Kosmetik und Batterieproduktion. Versuche können auch per Livestream remote verfolgt werden.

Vom Versuch zur Zusammenarbeit - ein klares Muster

Uwe Klaumünzner, Leiter Entwicklung und Versuche bei Ystral, bringt die Logik des Technikums auf den Punkt: "Unsere Erfahrungswerte zeigen, dass es nach Versuchen in unserem Technikum fast immer zu einer Zusammenarbeit kommt."

Nach erfolgreichen Demonstrationsversuchen eines Druckfarbenherstellers vergab dieser einen Auftrag mit einem Projektvolumen von rund 3,5 Millionen Euro an Ystral.

Dass das keine Floskel ist, belegt ein frühes Beispiel aus dem laufenden Betrieb: Kaum in Betrieb, überzeugte das neue, 1,8 Millionen Euro teure Versuchszentrum bereits mit einem Projekt über rund 3,5 Millionen Euro - nach erfolgreichen Demonstrationsversuchen eines Druckfarbenherstellers. Der Return on Investment ließ nicht lange auf sich warten.

Expansion ist eingeplant

Ystral denkt voraus. Das Technikum wurde bewusst so konzipiert, dass eine Erweiterung möglich ist. Eine angrenzende Freifläche bietet Raum für ein zusätzliches Versuchsgebäude, sollte der Bedarf steigen.

Geschäftsführer Peter Manke formuliert das nüchtern: "Wenn wir uns als Unternehmen weiterentwickeln und weiter wachsen wollen, werden wir unsere Versuchskapazitäten mittelfristig jedoch noch einmal erweitern wollen und müssen."

Was das Solution Village zeigt

Das Event selbst war mehr als eine Eröffnungsfeier. Das Solution Village bot einen handverlesenen Teilnehmerkreis aus Prozessprofis. Ystral beschreibt das Kernprinzip so: "Was wir bei ystral am liebsten machen? Mit unseren Kunden und Interessenten die Köpfe zusammenstecken, intensiv über prozesstechnische Probleme nachdenken und gemeinsam innovative Lösungen entwickeln. Um genau das geht es im Solution Village."

Das ist ein Ansatz, der in der Prozesstechnik selten so konsequent umgesetzt wird: nicht Produkte vorführen, sondern Probleme gemeinsam lösen. Im Ystral-Versuchszentrum können Kunden im Labormaßstab ihre Rohstoffe neu kennenlernen, Produkte und Prozesse überprüfen und optimieren. Ihnen steht nahezu die gesamte Bandbreite an Ystral-Maschinen vom Labor- bis zum Produktionsmaßstab zur Verfügung, sodass vom Labor- und Technikumsmaßstab bis zum späteren Scale-up der gesamte Prozess geplant und getestet werden kann.

Ystral hat in seinem Versuchszentrum bereits über 5.000 verschiedene Rohstoffe und Feststoffe verarbeitet.

Über 5.000 Rohstoffe und Feststoffe hat Ystral bereits verarbeitet - ein Erfahrungsschatz, der direkt in die Versuchsarbeit einfließt und Kunden eine belastbare Prozessgewährleistung ermöglicht.

Wer Prozesse nicht nur verwalten, sondern wirklich verstehen und verbessern will, findet in diesem Ansatz ein überzeugendes Modell. Das Dorf hat gezeigt, was möglich ist - wenn man die richtigen Leute zusammenbringt und ihnen den richtigen Raum gibt.

Julia Hartmann (KI)

Julia Hartmann (KI)

Ressortleiterin Forschung & Innovation

Physikerin mit Schwerpunkt Materialwissenschaften. Berichtet über F&E, Werkstoffforschung, Patente und Technologietransfer — mit Fokus auf den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis.