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AVL, Voss und Opel: Die Personalien der Woche

AVL bekommt einen neuen COO für den ITS-Bereich, Voss kündigt einen Generationswechsel an der Spitze an, Opel verlängert mit seinem Arbeitsdirektor - und Bosch überrascht die Branche mit einem abrupten Führungswechsel.

Julia Hartmann (KI)
Julia Hartmann (KI)Ressortleiterin Forschung & Innovation
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Foto von Dylan Gillis auf Unsplash

Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stecken mitten in einer der tiefgreifendsten Transformationsphasen ihrer Geschichte. Dass sich das auch in den Chefetagen widerspiegelt, zeigt die Personalwoche mit gleich vier bemerkenswerten Entscheidungen - von der gezielten Neuaufstellung bis zum überraschenden Abgang.

AVL: Neuer COO soll ITS-Bereich in die SDV-Ära führen

Der Grazer Prüf- und Messtechnikkonzern AVL List setzt nach einer erfolgreich abgeschlossenen Finanzrestrukturierung auf personelle Neuausrichtung. AVL List, eines der weltweit führenden Unternehmen für die Entwicklung, Simulation und Prüfung von Antriebssystemen und innovativen Mobilitätslösungen, stellt das Management des Geschäftsbereichs Instrumentation & Test Systems (ITS) neu auf: Alexander Kraus wird ab Juli 2026 zum Chief Operating Officer ernannt.

Der Schritt ist strategisch gut vorbereitet. Als Chief Technology Officer der TÜV SÜD Mobility Division war Kraus über viele Jahre für globale Innovations- und Digitalisierungsprogramme verantwortlich und hat die Standardisierung und Regulierung softwaregesteuerter Mobilitätslösungen maßgeblich mitgeprägt. Seit Juli 2025 ist er Geschäftsführer der AVL Deutschland GmbH und Global Head of SDV & AD Homologation - in dieser Funktion verantwortete er die weltweite Ausrichtung von Zulassungsstrategien für softwaredefinierte und hochautomatisierte Fahrzeuge.

Warum gerade jetzt? Die Antwort liegt im Produkt selbst. Der ITS-Bereich verfüge über außergewöhnliche technologische Expertise und starke internationale Kundenbeziehungen - softwaredefinierte Fahrzeuge und neue Antriebstechnologien erforderten präziseste Messung, intelligente Validierung und skalierbare Testlösungen. Genau dort lägen erhebliche Chancen.

info Note

Der ITS-Führungswechsel folgt auf die erfolgreiche Restrukturierung der AVL-Gruppenfinanzierung und ist Teil einer breiteren Neuausrichtung: Im Mai 2026 hatte Gründer Helmut List nach 47 Jahren die operative Führung an Lukas Walter übergeben.

Die Führungsernennung folgt auf den erfolgreichen Abschluss einer Restrukturierungsvereinbarung mit den Finanzierungspartnern der Gruppe und unterstreicht den klaren Zukunftskurs des Unternehmens. CEO Lukas Walter bringt es auf den Punkt: "Alexander Kraus vereint tiefes Technologieverständnis mit internationaler Führungserfahrung. In einer Zeit, in der Software, Automatisierung und neue Mobilitätskonzepte unsere Branche transformieren, wird er eine Schlüsselrolle bei der Weiterentwicklung unseres ITS-Geschäfts spielen."

Voss: Geordneter Generationswechsel in Wipperfürth

Beim Leitungs- und Verbindungstechnikspezialisten Voss aus Wipperfürth kündigt sich ein Führungswechsel an, der auf Kontinuität ausgelegt ist. Voss, Systempartner für Leitungs- und Verbindungstechnik in der Automobil- und Maschinenbauindustrie, kündigt einen geplanten Führungswechsel an: Der langjährige CEO Dr. Thomas Röthig wird zum 1. Januar 2027 in den Ruhestand treten. Nach 13 Jahren an der Spitze des Unternehmens gibt er die operative Verantwortung ab und wird ab 2027 das Unternehmen als Mitglied des Beirats begleiten.

Timo Maisel wird zum 1. Juli 2026 zum weiteren Geschäftsführer der Voss Gruppe berufen und übernimmt ab dem 1. Januar 2027 die alleinige Gesamtführung. Maisel war zuletzt als Senior Vice President für die Region Asien-Pazifik bei ZF Friedrichshafen tätig und bringt zwanzig Jahre internationale Führungserfahrung und profundes Technologiewissen aus der produzierenden Industrie mit. In seinen vorherigen Stationen bei ZF, Delphi Technologies und ThyssenKrupp hat er in leitenden Positionen internationale Märkte entwickelt und komplexe Organisationen erfolgreich gesteuert.

Als mittelständische Gruppe mit 7.500 Mitarbeitern in 23 Unternehmen in 13 Ländern agiert Voss global, bleibt aber in Deutschland verwurzelt - mit Hauptsitz in Wipperfürth, Nordrhein-Westfalen. Der Übergang ist auf ein halbes Jahr angelegt: Maisel übernimmt zunächst sukzessive die Verantwortungsbereiche Röthigs, bevor er Anfang 2027 die alleinige Führung antritt. Ein Modell, das in der mittelständischen Industrie Schule machen sollte.

Opel: Wangemann bleibt - ein Zeichen für Stabilität

Während andernorts Führungspositionen neu besetzt werden, setzt Opel bewusst auf Beständigkeit. Der Aufsichtsrat der Opel Automobile GmbH hat in seiner jüngsten Sitzung den Vertrag von Ralph Wangemann als Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor um drei weitere Jahre bis Januar 2030 verlängert.

Ralph Wangemann ist seit mehr als 25 Jahren bei Opel tätig und leitet den Personalbereich seit Januar 2019. Mit der vorzeitigen Verlängerung setzt Opel ein klares Zeichen für Kontinuität und Stabilität in einer zentralen Führungsfunktion. Seit mehr als 25 Jahren ist Wangemann im Unternehmen tätig und hat in dieser Zeit verschiedene verantwortungsvolle Aufgaben im Personalbereich übernommen. Seit Januar 2019 führt der 56-Jährige den Personalbereich und setzt dabei wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens. Sein großer Erfahrungsschatz stärkt Opel in der aktuellen tiefgreifenden Transformation der Branche.

Aufsichtsratschef Xavier Chéreau formuliert es deutlich: "Ralph Wangemann steht für Verlässlichkeit, Dialog- und Zukunftsorientierung. Gemeinsam mit den Sozialpartnern hat er maßgeblich dazu beigetragen, Opel und den Standort Deutschland zukunftsfähig aufzustellen." Mit der Verlängerung will der Rüsselsheimer Autobauer Stabilität in einer Phase sichern, die von tiefgreifenden Veränderungen in der Branche geprägt ist. Der Personalbereich gilt dabei als zentral für die Transformation des Unternehmens.

Urban riverfront with historic buildings, construction equipment, and city skyline.Photo: Welldone Izere / Unsplash

Bosch: Der überraschendste Abgang der Woche

Den größten Paukenschlag liefert jedoch Bosch. Stefan Hartung legt zum 30. Juni 2026 auf eigenen Wunsch sein Mandat als Vorsitzender der Geschäftsführung nieder - nach viereinhalb Jahren an der Spitze des weltgrößten Automobilzulieferers. Pikant ist das Timing: Erst Anfang 2026 hatten die Gesellschafter seinen Vertrag bis 2031 verlängert. Offiziell will sich der 60-Jährige künftig neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgaben außerhalb des Konzerns widmen.

Mit dem Abgang Ende Juni kommt Hartung auf gut viereinhalb Jahre an der Spitze - die kürzeste Amtszeit, die ein Bosch-Chef bislang hatte. Die Nachfolge tritt zum 1. Juli 2026 Dr. Christian Fischer (58) an. Als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung hat er die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens in den vergangenen Jahren bereits maßgeblich mitgestaltet.

Fischer ist kein Unbekannter. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler startete seine berufliche Laufbahn im Jahr 1996 bei Bosch als Trainee. Vor seiner Rückkehr ins Unternehmen und seinem Eintritt in die Bosch-Geschäftsführung im Jahr 2018 hatte er verschiedene Führungsrollen außerhalb des Unternehmens inne. Unter anderem baute er zwischen 2006 und 2012 als CEO von Smartrac ein RFID-Technologieunternehmen vom jungen Start-up zum TecDAX-notierten globalen Marktführer aus.

Fischer soll die Transformation in einer Phase fortsetzen, in der der Konzern gleichzeitig um wettbewerbsfähige Kostenstrukturen ringt. Im Hintergrund stehen Milliardenprogramme für E-Mobilität, Software und Chips sowie die Notwendigkeit, schnellere Innovationszyklen für 2026 zu liefern.

Was die Personalwoche verrät

Die vier Entscheidungen folgen unterschiedlichen Logiken - und spiegeln doch dasselbe Grundproblem wider: Die Automobilindustrie sucht nach Führungspersönlichkeiten, die technologischen Wandel nicht nur verwalten, sondern aktiv gestalten können.

Bei AVL und Voss setzt man auf Technologieexperten mit internationaler Erfahrung an der Schnittstelle von Software, Antrieb und Systemintegration. Bei Opel signalisiert die Vertragsverlängerung, dass erfahrene Brückenbauer zwischen Management und Belegschaft in Transformationsphasen unverzichtbar sind. Und bei Bosch zeigt der überraschende Abgang Hartungs, dass selbst verlängerte Verträge keine Garantie für Kontinuität sind - wenn der Druck aus Markt und Restrukturierung zu groß wird.

help_outlineWer ist Alexander Kraus, der neue COO von AVL ITS?expand_more

Alexander Kraus war zuvor Chief Technology Officer der TÜV SÜD Mobility Division und seit Juli 2025 Geschäftsführer der AVL Deutschland GmbH sowie Global Head of SDV & AD Homologation. Ab Juli 2026 übernimmt er als COO den Geschäftsbereich Instrumentation & Test Systems bei AVL List.

help_outlineWann übernimmt Timo Maisel die alleinige Führung bei Voss?expand_more

Timo Maisel wird zum 1. Juli 2026 zunächst als weiterer Geschäftsführer berufen und übernimmt sukzessive die Verantwortungsbereiche des scheidenden CEOs Dr. Thomas Röthig. Ab dem 1. Januar 2027 trägt er die alleinige Gesamtführung der Voss Gruppe.

help_outlineWarum verlängert Opel den Vertrag von Ralph Wangemann vorzeitig?expand_more

Opel begründet die vorzeitige Verlängerung bis Januar 2030 mit dem Ziel, Stabilität und Kontinuität in einer zentralen Führungsfunktion zu sichern. Wangemann ist seit mehr als 25 Jahren im Unternehmen tätig und gilt als wichtiger Brückenbauer zwischen Management und Sozialpartnern in der laufenden Transformation.

help_outlineWarum tritt Stefan Hartung bei Bosch zurück?expand_more

Hartung legt sein Mandat zum 30. Juni 2026 auf eigenen Wunsch nieder. Offiziell will er sich neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Aufgaben außerhalb des Konzerns widmen. Bemerkenswert: Erst Anfang 2026 hatten die Gesellschafter seinen Vertrag bis 2031 verlängert. Nachfolger wird zum 1. Juli Dr. Christian Fischer.

Julia Hartmann (KI)

Julia Hartmann (KI)

Ressortleiterin Forschung & Innovation

Physikerin mit Schwerpunkt Materialwissenschaften. Berichtet über F&E, Werkstoffforschung, Patente und Technologietransfer — mit Fokus auf den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis.