Was im Februar noch als klarer Schritt zur Konzentration auf das Kerngeschäft angekündigt wurde, liegt nun vorerst auf Eis: Der Chemiekonzern BASF hat überraschend den angekündigten Verkauf von Werkswohnungen seiner Tochtergesellschaft zum Teil ausgesetzt. Der Grund ist so nüchtern wie eindeutig - der Markt spielt nicht mit.
Was geplant war und was nun gilt
Ursprünglich handelte es sich um 1.100 Eigentumswohnungen, die an verschiedene einzelne Käufer verkauft werden sollten, sowie 3.300 Wohnungen, die als Paket inklusive Gebäude an einen Kaufinteressenten gehen sollten. Dieses zweigleisige Modell ist nun nur noch halb intakt.
Der Verkauf des Pakets wird bis auf weiteres ausgesetzt, der Verkauf der Eigentumswohnungen aber fortgesetzt. Der Bestand von 3.300 Einheiten, der im Rahmen des Gesamtpakets inklusive Gebäude veräußert werden sollte, bleibt im Eigentum der BASF-Tochter.
Für die betroffenen Mieterinnen und Mieter bedeutet das zunächst: keine unmittelbaren Veränderungen ihrer Wohnsituation. Eine Entwarnung auf ganzer Linie ist es dennoch nicht - denn das Wort "vorerst" lässt Spielraum.
Die Begründung: Markt liefert nicht den erhofften Wert
Das Geschäft würde derzeit nicht den angestrebten Mehrwert erzielen, teilte das Unternehmen mit. Helmut Winterling, Präsident der Europäischen Verbundstandorte bei BASF, brachte die Haltung des Konzerns auf den Punkt: "Wir sehen uns in der Verantwortung, wirtschaftlich nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Ein nicht wertsteigernder Verkauf ist daher keine Option für uns." Die Voraussetzungen am Immobilien- und Kapitalmarkt hätten sich in den vergangenen Monaten maßgeblich verändert.
Das ist eine bemerkenswert offene Aussage für einen DAX-Konzern: Die eingegangenen Angebote haben schlicht nicht gereicht. Als Grund nennt der Konzern veränderte Immobilien- und Kapitalmarktbedingungen - die eingegangenen Angebote hätten den angestrebten Mehrwert nicht erbracht.
Zeitlinie im Überblick: BASF kündigte den Wohnungsverkauf im Februar 2025 an. Wenige Monate später folgte die Kehrtwende: Der Paketverkauf der 3.300 Einheiten wird bis auf Weiteres ausgesetzt, der Einzelverkauf der 1.100 Eigentumswohnungen läuft weiter.
Einbettung in den größeren Umbau
Die Entscheidung ist kein isoliertes Ereignis - sie ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die BASF seit Jahren vorantreibt. Hintergrund ist die strategische Ausrichtung: Der Konzern will sich mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren, um die Wettbewerbsfähigkeit und das Stammwerk zu stärken.
Dieser Kurs hat in Ludwigshafen bereits tiefe Spuren hinterlassen. Seit Anfang 2024 sind am Stammwerk Ludwigshafen rund 2.800 Stellen weggefallen. BASF kämpft mit einer zu geringen Auslastung vor allem am Stammwerk Ludwigshafen. Der DAX-Konzern hat deshalb mehrere milliardenschwere Sparprogramme aufgelegt, inklusive umfangreichem Stellenabbau.
Das jüngste davon trägt den Namen "CoreShift": BASF will mit dem Programm "CoreShift" die zahlungswirksamen Fixkosten im Kerngeschäft bis 2029 um bis zu 20 Prozent senken. Das Programm richtet sich laut BASF auf die vier Kernsegmente Chemicals, Materials, Industrial Solutions sowie Nutrition & Care.
Der geplante Wohnungsverkauf war in diesem Kontext als Beitrag zur Portfoliobereinigung gedacht - Immobilien raus, Chemie rein. Dass dieser Plan nun stockt, zeigt: Selbst ein Konzern mit dem Gewicht von BASF kann Marktbedingungen nicht einfach wegdefinieren.
Reaktionen: Erleichterung in Ludwigshafen, Forderungen aus der Politik
Bei Gewerkschaften und Landespolitik war der geplante Wohnungsverkauf auf Kritik gestoßen. Die Kehrtwende wird deshalb in Teilen begrüßt - wenn auch mit Vorbehalt.
"Wir sind fürs Erste erleichtert, dass die BASF das Verfahren zum angekündigten Verkauf der unternehmenseigenen Wohnungen ausgesetzt hat", sagte Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU). "Im Interesse der Mieterinnen und Mieter braucht es nun Perspektiven und Stabilität nach Wochen und Monaten der Verunsicherung."
CDU-Fraktionschef Peter Uebel kritisiert die Verunsicherung, die der ursprüngliche Verkaufsplan bei rund 10.000 Mietern und Beschäftigten ausgelöst habe, und stellt die Frage nach der Verlässlichkeit von BASF als Partner der Stadt in den Raum. Das ist eine Frage, die BASF nicht ignorieren kann - gerade weil das Stammwerk Ludwigshafen für den Konzern weit mehr als ein Produktionsstandort ist.
Photo: Wolfgang Weiser / UnsplashWas das für die Branche bedeutet
Der Fall BASF ist symptomatisch für ein breiteres Phänomen: Industrieunternehmen, die in Zeiten hoher Zinsen und schwacher Konjunktur versuchen, Nicht-Kernvermögen zu liquidieren, stoßen auf einen Käufermarkt, der die Preisvorstellungen der Verkäufer nicht teilt.
Der Chemiekonzern BASF erlitt 2025 einen deutlichen Ergebnisrückgang und verfehlte die eigene Prognose. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) fiel auf 6,6 Milliarden Euro, nach 7,2 Milliarden Euro im Vorjahr. In diesem Umfeld ist Disziplin beim Verkaufspreis keine Schwäche - sie ist unternehmerische Vernunft.
Gleichzeitig bleibt die Grundfrage bestehen: Wie lange kann BASF Werkswohnungen im Portfolio halten, wenn der strategische Wille zum Verkauf unverändert besteht? Die Aussetzung ist keine Absage. Sie ist ein Aufschub - und damit auch ein Signal an potenzielle Käufer, dass BASF auf bessere Konditionen wartet.
Warum hat BASF den Paketverkauf ausgesetzt?
Die eingegangenen Kaufangebote haben den von BASF angestrebten Mehrwert nicht erbracht. Der Konzern verweist auf veränderte Bedingungen am Immobilien- und Kapitalmarkt. Ein nicht wertsteigernder Verkauf sei keine Option, so BASF-Vertreter Helmut Winterling.
Was passiert mit den 1.100 Eigentumswohnungen?
Der Einzelverkauf der rund 1.100 in Eigentumswohnungen umgewandelten Einheiten an verschiedene Einzelkäufer wird fortgesetzt. Nur der Paketverkauf der 3.300 Mietwohnungen inklusive Gebäude ist ausgesetzt.
Was bedeutet das für die Mieterinnen und Mieter?
Laut BASF ergeben sich für die Mieterinnen und Mieter der betroffenen 3.300 Wohnungen keine unmittelbaren Änderungen ihrer Wohnsituation. Der Bestand bleibt vorerst im Eigentum der BASF-Tochtergesellschaft.
In welchem Zusammenhang steht die Entscheidung mit dem Sparprogramm CoreShift?
Der Wohnungsverkauf war Teil der Strategie, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und Nicht-Kernvermögen zu veräußern. CoreShift zielt darauf ab, die Fixkosten im Kerngeschäft bis 2029 um bis zu 20 Prozent zu senken. Der Aufschub beim Wohnungsverkauf zeigt, dass Portfoliobereinigung nur dann vollzogen wird, wenn der Markt den gewünschten Preis hergibt.





