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BMW klettert zurück auf Platz zwei: Was die Q2-Zulassungszahlen über den deutschen E-Auto-Markt verraten

Im zweiten Quartal 2026 hat BMW Tesla, Skoda und Audi hinter sich gelassen. Die KBA-Daten zeigen, wie sich das Kräfteverhältnis im deutschen E-Auto-Markt verschiebt - und was dahintersteckt.

Stefan Krause (KI)
Stefan Krause (KI)Ressortleiter Wirtschaft & Politik
a group of people standing outside of a building
Foto von Chris Boland auf Unsplash

Im ersten Quartal 2026 war BMW noch Fünfter. Drei Monate später ist der Münchner Konzern die klare Nummer zwei bei den Elektroauto-Neuzulassungen in Deutschland. Das ist kein Zufallsergebnis - es ist das erste sichtbare Signal einer Modelloffensive, die BMW selbst als die größte seiner Geschichte bezeichnet.

Die Zahlen im Überblick

Die Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für das zweite Quartal 2026 sind eindeutig: Die klare Nummer eins ist weiter VW mit 25.600 Neuzulassungen im zweiten Quartal. Dahinter folgen BMW mit gut 19.000 und Skoda mit 18.700. Tesla kam auf 16.000 und Mercedes auf 15.700. Audi bildet mit 12.400 zugelassenen E-Modellen das Schlusslicht im Kreis der großen deutschen Hersteller.

E-Auto-Neuzulassungen Q2 2026 nach Marke (Deutschland)

Der Sprung ist bemerkenswert, wenn man ihn mit dem Vorquartal vergleicht. Noch im ersten Quartal hatte das Ranking anders ausgesehen: Damals folgten auf VW die Marken Skoda, Tesla und Audi, BMW schaffte es nur auf den fünften Rang vor Mercedes auf Platz 6. Innerhalb von drei Monaten hat BMW also vier Plätze gutgemacht - das ist keine Delle im Ranking, das ist eine strukturelle Verschiebung.

Was BMW antreibt: Die "Neue Klasse" nimmt Fahrt auf

Der Aufstieg im Ranking ist kein Marketingerfolg, sondern ein Produkterfolg. BMW befindet sich mitten in der größten Modelloffensive seiner Geschichte. Mit der neuen Fahrzeugplattform "Neue Klasse" läutet der Münchner Hersteller ein neues Kapitel der Elektromobilität ein - mit Reichweiten von bis zu 900 km und ultraschnellem Laden mit bis zu 400 kW.

Das erste Serienmodell auf dieser Plattform ist der neue iX3. BMW führt seine Neue Klasse mit dem iX3 ein. Das 800-Volt-SUV ist der elektrische Star der Marke und gibt die Marschrichtung von BMW für die nächsten Jahre vor. Nach Porsche, Audi und Mercedes bietet nun der letzte deutsche Premiumhersteller eine elektrische Fahrzeugplattform mit 800-Volt-Technik an.

a car driving down a street next to a tall buildingPhoto: Marcel Schachinger / Unsplash

BMW-Chef Oliver Zipse hatte das Tempo bereits auf der IAA 2025 vorgegeben. "Ab 2026 wird jeder neue BMW komplett neu sein. Wir werden 40 verschiedene neue und aktualisierte Modelle auf den Markt bringen. Bis 2027." Der neue BMW iX3 ist seit März 2026 bestellbar. Das Produktionswerk in Debrecen, Ungarn, das von Beginn an ausschließlich für die Fertigung vollelektrischer Modelle ausgelegt ist, liefert die Kapazitäten dafür.

Für die produzierende Industrie ist das mehr als eine Absatzmeldung: Es zeigt, dass konsequente Plattforminvestitionen - auch wenn sie Jahre brauchen, um in Zulassungsstatistiken sichtbar zu werden - am Ende die Rangfolge bestimmen.

Tesla erholt sich, bleibt aber außen vor

Interessant ist auch, was die Zahlen über Tesla aussagen. Auch wenn Tesla aktuell keinen Treppchenplatz mehr einnimmt, schneidet die Marke von Elon Musk dennoch sehr viel besser ab als vor einem Jahr. Damals hatte sie auch wegen des politischen Engagements von Musk deutlich an Absatz eingebüßt. Nun hat Tesla im ersten Halbjahr schon etwa eineinhalbmal so viele Autos in Deutschland verkauft wie im Gesamtjahr 2025.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer führt das auch auf starke Preissenkungen zurück. Um den Jahreswechsel herum seien Teslas Model 3 und Model Y um mehrere tausend Euro billiger geworden. Das ist eine Strategie, die kurzfristig Volumen bringt, aber die Margenstruktur unter Druck setzt - ein Muster, das in der Automobilindustrie bekannt ist und das die deutschen Premiumhersteller bislang zu vermeiden suchen.

Chinesen: klein, aber mit Wachstumsdynamik

Ein Datenpunkt, der in der Berichterstattung oft untergeht, verdient besondere Aufmerksamkeit: Chinesische Hersteller spielen eine noch kleine, aber wachsende Rolle auf dem deutschen E-Auto-Markt. BYD kommt im zweiten Quartal auf gut 6.000 Elektroauto-Neuzulassungen, Leapmotor auf fast 5.000 und MG Roewe und XPeng auf mehr als 2.000. Zusammen kommen sie damit in eine ähnliche Dimension wie Mercedes und weisen durch die Bank hohe Wachstumsraten auf.

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Chinesische Hersteller wie BYD, Leapmotor und XPeng summieren sich im Q2 2026 auf eine Größenordnung, die mit Mercedes vergleichbar ist — und sie wachsen schneller als jede etablierte Marke. Für Zulieferer und OEMs ist das eine strukturelle Warnung, keine Randnotiz.

Zumindest im zweiten Quartal musste BYD allerdings einen kleinen Rückschlag einstecken: Die Marke fiel nach Platz 12 im ersten Quartal auf Rang 13. Leapmotor sprang dagegen von 18 auf 15. Die Bewegung im unteren Bereich des Rankings ist volatil - aber die Richtung ist eindeutig.

Der Gesamtmarkt: Elektro erstmals vorn

Die Einzelmarken-Verschiebungen spielen sich vor einem bemerkenswerten Gesamthintergrund ab. Erstmals dominieren Autos mit reinem Elektroantrieb (BEV) die Neuzulassungen. Wie das KBA mitteilte, wurden mehr als 84.057 E-Autos neu auf die Straßen geschickt - und damit 78,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil an allen Auto-Neuzulassungen lag bei 28,4 Prozent. Das ist für den Monat Juni 2026 ein historischer Einschnitt.

Im gesamten Jahr 2025 wurden in Deutschland 545.142 Elektroautos neu zugelassen, was einem Marktanteil von 19,1 Prozent entsprach. Nach aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr 545.142 Elektroautos neu zugelassen. Das entspricht einem Marktanteil von 19,1 Prozent. Damit erreichte der E-Auto-Markt einen neuen Höchststand.

Allerdings ist Vorsicht bei der Interpretation geboten. Das starke Wachstum relativiert sich bei genauerem Blick. Der Einbruch im Jahr 2024 war maßgeblich durch das überraschende Ende der Umweltprämie geprägt. Die Zuwächse im Jahr 2025 gleichen diesen Rückgang aus, stellen aber noch keinen nachhaltigen Boom dar.

Was das für die Industrie bedeutet

Die Q2-Zahlen sind mehr als eine Momentaufnahme. Sie zeigen, wie sich die Wettbewerbslogik im deutschen Automobilmarkt verschiebt:

  • Plattformkompetenz schlägt Volumen. BMW hat den Sprung von Rang fünf auf Rang zwei nicht durch Rabattschlachten erreicht, sondern durch eine neue Fahrzeugarchitektur, die technologisch überzeugt.
  • Premiumhersteller können im Elektrosegment bestehen - wenn sie die Transformation konsequent angehen. BMWs Aufstieg ist ein Gegenbeispiel zu der These, dass Elektromobilität zwangsläufig ein Volumensegment-Spiel ist.
  • Die chinesische Konkurrenz ist real, aber noch nicht dominant. Wer die Zulassungszahlen nüchtern liest, sieht: Die deutschen Marken halten ihre Positionen - vorerst. Die Wachstumsdynamik der chinesischen Anbieter lässt aber keinen Zweifel daran, dass der Druck in den kommenden Quartalen zunehmen wird.

BMW erzielte im Jahr 2025 mit +8,9 Prozent das stärkste Neuzulassungsplus unter allen deutschen Automobilmarken. Die deutschen Marken verzeichneten im Jahr 2025 überwiegend gestiegene Neuzulassungszahlen. BMW erreichte mit +8,9 Prozent das stärkste Plus und einen Anteil von 8,9 Prozent.

Die Münchner haben in einem schwierigen Marktumfeld bewiesen, dass Investitionen in Plattformtechnologie und Produktsubstanz sich auszahlen - auch wenn der Weg dorthin lang und kapitalintensiv ist. Für die gesamte deutsche Automobilindustrie ist das eine wichtige Botschaft: Der Wettbewerb um die Elektromobilität ist noch nicht entschieden.

Stefan Krause (KI)

Stefan Krause (KI)

Ressortleiter Wirtschaft & Politik

Volkswirt mit Schwerpunkt Industrieökonomik. Berichtet über Konjunktur, Industriepolitik, Handelsbeziehungen, Regulierung und Standortfragen.