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Bosch startet Musterproduktion in Roseville - und sichert sich 225 Millionen Dollar CHIPS-Förderung

Bosch hat die Musterproduktion von Siliziumkarbid-Chips in Roseville, Kalifornien gestartet und eine verbindliche Fördervereinbarung über 225 Mio. US-Dollar abgeschlossen.

Julia Hartmann (KI)
Julia Hartmann (KI)Ressortleiterin Forschung & Innovation
a large machine in a large building
Foto von Homa Appliances auf Unsplash

Während Bosch in Deutschland Stellen abbaut und rote Zahlen schreibt, setzt der Konzern in Kalifornien ein klares Zeichen: Das Halbleiterwerk in Roseville läuft an - und der US-Staat zahlt kräftig mit.

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Verbindliche Vereinbarung mit dem US-Handelsministerium

Bosch hat mit der US-Regierung eine verbindliche Vereinbarung über eine Förderung von bis zu 225 Millionen US-Dollar geschlossen. Das Geld stammt aus dem "CHIPS-Programm" des US-Handelsministeriums und unterstützt die Investition, mit der Bosch seinen Standort in Roseville, Kalifornien, zu einer Fertigungsstätte für Siliziumkarbid-Halbleiter (SiC) umbaut.

Damit ist die Finanzierung des Projekts auf mehreren Ebenen abgesichert: Darüber hinaus erhält der Stiftungskonzern einen Kredit in Höhe von 350 Millionen Dollar. Der Bundesstaat Kalifornien gewährt zusätzlich eine Steuergutschrift über 25 Millionen Dollar. Insgesamt investiert Bosch bis zu zwei Milliarden US-Dollar in den Standort Roseville.

Bemerkenswert ist der politische Kontext: Das Unternehmen hatte die Übernahme des Standorts noch unter der Biden-Administration eingeleitet. Die endgültige Genehmigung der Förderung gilt als Signal für parteiübergreifende Unterstützung beim Ausbau der heimischen Halbleiterproduktion in den USA.

Von der Übernahme zur Musterproduktion - in unter drei Jahren

Die Geschwindigkeit des Projekts ist industriell bemerkenswert. Noch in diesem Jahr soll die Serienproduktion anlaufen - gut drei Jahre nach dem Kauf des Werks von TSI Semiconductors im August 2023.

Die Anlage in Roseville verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Halbleiterfertigung - ein Faktor, den Bosch bewusst genutzt hat. Der Kauf und Umbau einer bestehenden Waferfabrik statt eines Neubaus ermöglichte es Bosch, deutlich schneller zur Produktion zu gelangen als bei den mehrjährigen Bauzeitplänen, die andere CHIPS-Act-Projekte verzögert haben. Zum Vergleich: Intels vergleichbares Werk in New Albany, Ohio, hat sich bereits von einem ursprünglichen Zieldatum 2025-2026 auf 2030 verschoben.

Die Anlage, die Bosch 2023 von TSI Semiconductors erwarb, verfügt über rund 130.000 Quadratfuß Reinraumfläche. Sie deckt sowohl die Front-End-Halbleiterfertigung als auch das Back-End-Testing ab - eine vollständige Prozesskette, die die Abhängigkeit von externen Partnern reduziert.

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Strategischer Vorteil durch Umbau statt Neubau: Bosch hat in Roseville keine neue Fabrik auf der grünen Wiese errichtet, sondern ein bestehendes Werk mit jahrzehntelanger Halbleitererfahrung übernommen und umgerüstet. Das spart nicht nur Zeit, sondern sichert auch qualifiziertes Fachpersonal — ein knappes Gut im globalen Chipsektor.

Warum 200-mm-Wafer und SiC der entscheidende Schritt sind

Ab 2026 produziert Bosch in Roseville SiC-Chips auf 200-Millimeter-Wafern. Der größere Waferdurchmesser ermöglicht eine effizientere Massenproduktion, da mehr Chips pro Wafer hergestellt werden können.

Siliziumkarbid ist dabei kein Nischenthema. Diese Art Halbleiter gilt als Schlüsseltechnologie, unter anderem für E-Autos. Sie ermöglichen höhere Reichweiten und effizienteres Laden, da durch sie deutlich weniger Energie verloren geht. Die Chips können darüber hinaus auch die Effizienz von Rechenzentren verbessern - was Bosch angesichts des Booms der Künstlichen Intelligenz neue Geschäftsfelder eröffnet.

Bosch ist in diesem Segment kein Neuling: Seit dem Start der ersten SiC-Chip-Generation im Jahr 2021 hat Bosch weltweit mehr als 60 Millionen solcher Chips ausgeliefert. Kürzlich hat Bosch seine dritte Generation von Siliziumkarbid-Chips vorgestellt, die bis zu 20 Prozent höhere Leistung bei kleinerer Bauform bieten. In naher Zukunft plant Bosch, diese dritte Generation auch in Roseville zu fertigen. Die neue Generation trägt zur Kostensenkung bei und soll leistungsfähige Elektronik breiter verfügbar machen.

Roseville als strategischer Knotenpunkt im globalen Netz

In Deutschland betreibt der weltgrößte Autozulieferer zwei Halbleiter-Fabriken, in Dresden und Reutlingen. Siliziumkarbid-Chips werden bislang jedoch nur in Reutlingen produziert. Roseville ist die erste Chip-Fertigung von Bosch in den USA.

Die Kapazitätsperspektive ist ambitioniert: Die Fabrik verfügt über 130.000 Quadratfuß Reinraumfläche und soll bei voller Kapazität den Großteil von Boschs gesamter SiC-Produktion sowie über 40 Prozent aller in den USA gefertigten SiC-Chips liefern.

Bosch legt seine Kundenliste zwar nicht offen, der Roseville-Ausbau wurde aber explizit vorgenommen, um die lokale Fahrzeugproduktion zu unterstützen und die Lieferketten für Automotive-Halbleiter in den USA zu verankern. Das ist industriepolitisch kein Zufall: Einige Automobilhersteller und Zulieferer haben ihre Fertigung in den USA ausgebaut, um kostspielige Zölle zu vermeiden und sich gegen geopolitische Störungen abzusichern.

Bosch-Investitionen in Roseville (in Mrd. USD)

Einordnung: Gegengewicht zur Krise in Deutschland

Das Timing ist nicht ohne Ironie. Bosch hat für das Geschäftsjahr 2025 erstmals seit der Finanzkrise 2009 rote Zahlen geschrieben und baut in Deutschland tausende Stellen ab. Gleichzeitig setzt der Konzern in Nordamerika auf Expansion: Bis 2031 will Bosch bis zu 7,5 Milliarden Dollar in seine US-Standorte investieren.

Das Roseville-Projekt steht exemplarisch für eine Strategie, die Bosch in einem schwierigen Marktumfeld verfolgt: Rückzug aus Bereichen mit strukturellem Druck, gleichzeitig gezielte Vorwärtsinvestitionen in Schlüsseltechnologien. SiC-Halbleiter für Elektromobilität und Rechenzentren sind dabei kein Randthema - sie sind das Fundament für das nächste Kapitel des Konzerns.

"Der Start der Musterproduktion und unsere Vereinbarung mit dem Handelsministerium ist ein Meilenstein, um unseren lokalen Kunden das zu liefern, was sie gefordert haben: eine lokalisierte, US-basierte Fertigung", so Paul Thomas, Präsident und CEO von Bosch in Nordamerika.

help_outlineWas ist der CHIPS and Science Act?expand_more

Der CHIPS and Science Act ist ein US-Bundesgesetz, das 2022 verabschiedet wurde, um die heimische Halbleiterproduktion in den USA zu stärken. Es stellt insgesamt rund 52 Milliarden US-Dollar für Subventionen, Forschungsförderung und Steuervergünstigungen bereit — mit dem Ziel, die Abhängigkeit von asiatischen Chiplieferanten zu reduzieren.

help_outlineWas macht Siliziumkarbid (SiC) besonders?expand_more

SiC-Halbleiter können höhere Spannungen, Temperaturen und Frequenzen verarbeiten als herkömmliche Silizium-Chips. In Elektrofahrzeugen ermöglichen sie effizientere Inverter und Ladegeräte, was Reichweite und Ladegeschwindigkeit verbessert. Auch in Rechenzentren und der Energieinfrastruktur gewinnen SiC-Bauteile an Bedeutung.

help_outlineWann startet die Serienproduktion in Roseville?expand_more

Bosch hat die Musterproduktion (Sample Production) bereits gestartet. Die kommerzielle Serienproduktion auf 200-mm-Wafern ist für das Jahr 2026 geplant — rund drei Jahre nach der Übernahme des Werks von TSI Semiconductors im August 2023.

help_outlineWelche anderen Halbleiterwerke betreibt Bosch?expand_more

In Deutschland produziert Bosch an zwei Standorten: Dresden (Silizium-Chips) und Reutlingen (Silizium- und SiC-Chips). Roseville ist der erste US-Standort des Konzerns für die Halbleiterfertigung.

Julia Hartmann (KI)

Julia Hartmann (KI)

Ressortleiterin Forschung & Innovation

Physikerin mit Schwerpunkt Materialwissenschaften. Berichtet über F&E, Werkstoffforschung, Patente und Technologietransfer — mit Fokus auf den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis.