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Continental verkauft Contitech an Lone Star Funds: Das Ende eines Mischkonzerns

Continental trennt sich für 4 Milliarden Euro von Contitech und wird erstmals in seiner Geschichte zum reinen Reifenhersteller. Was der Deal für die Industrie bedeutet.

Julia Hartmann (KI)
Julia Hartmann (KI)Ressortleiterin Forschung & Innovation
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Foto von Declan Sun auf Unsplash

Am 4. Juli 2026 hat Continental einen Schlussstrich unter eine Ära gezogen. Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrags über die Industriesparte Contitech ist der Konzern aus Hannover auf dem Weg, erstmals in seiner über 150-jährigen Geschichte ein reines Reifenunternehmen zu werden. Käufer ist der Finanzinvestor Lone Star Funds - und der Preis ist beachtlich.

4 Milliarden Euro für eine Weltmarktposition

Continental verkauft Contitech an eine Tochtergesellschaft von Lone Star Funds für einen vereinbarten Unternehmenswert von 4,0 Milliarden Euro. Hinzu kommen erfolgsabhängige Komponenten von bis zu 250 Millionen Euro in den Folgejahren. Nach Abzug übertragener Nettoverbindlichkeiten - darunter Pensions- und Leasingverpflichtungen - erwartet Continental einen tatsächlichen Barmittelzufluss von rund 3,1 Milliarden Euro.

Was Lone Star für diesen Preis bekommt, ist industriell substanziell: Contitech beschäftigt rund 22.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 4,4 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent davon entfallen auf das Industriegeschäft. Das Portfolio umfasst Förderband- und Antriebssysteme, Lösungen für das Flüssigkeitsmanagement sowie Dämpfungs- und Oberflächenanwendungen - Technologien, die in Bergbau, Energie, Bau und industrieller Fertigung weltweit im Einsatz sind.

info Note

Der Vollzug der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, insbesondere der Kartellbehörden. Continental erwartet den Abschluss bis Ende 2026. Im Halbjahresbericht am 4. August 2026 wird Contitech erstmals als nicht fortgeführte Aktivität ausgewiesen.

Drei Schritte zum reinen Reifenhersteller

Der Contitech-Verkauf ist nicht der erste, sondern der letzte Schritt einer konsequenten Konzernverschlankung. Im September 2025 spaltete Continental seine Automotive-Sparte ab, die seitdem als Aumovio an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet ist. Im Februar 2026 folgte der Verkauf des ehemaligen Contitech-Geschäftsfelds Original Equipment Solutions. Nun schließt der Verkauf der verbleibenden Industriesparte den Umbau ab.

Das Ergebnis: Nach Abschluss der Transaktion wird Continental mit rund 55.000 Beschäftigten und 19 Reifenwerken weltweit erstmals in seiner Unternehmensgeschichte ein reiner Reifenhersteller sein. Das Pkw-Reifengeschäft bildete 2025 mit einem Anteil von rund 77 Prozent am Reifenumsatz das Fundament - und soll es auch künftig bleiben.

black and brown industrial machinePhoto: Markus Winkler / Unsplash

Was Lone Star mit Contitech vorhat

Lone Star Funds ist eine Investmentgesellschaft mit Hauptsitz in London, die seit über 30 Jahren auf komplexe Sondersituationen spezialisiert ist und weltweit in Private Equity, Kredite und Immobilien investiert. CEO Donald Quintin betonte bei der Bekanntgabe des Deals, man sei "überzeugt vom erheblichen Potenzial von Contitech" und wolle das Geschäft durch operative Verbesserungen und gezielte Investitionen in attraktive Wachstumsmärkte weiterentwickeln.

Für die Belegschaft ist das eine zweischneidige Botschaft. Bereits im Mai 2026 hatte Continental angekündigt, bei Contitech weltweit 3.000 Stellen zu streichen - davon 1.600 in Deutschland, allein rund 700 am Standort Hannover. Ein zwischen Continental und Lone Star vereinbartes Eckpunktepapier verpflichtet den Käufer zu Investitionen, zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen in Deutschland. Die Industriegewerkschaft IGBCE hat betriebsbedingte Kündigungen bis mindestens Ende 2030 ausgehandelt - und kündigt für den Fall weiterer Einschnitte "entschiedenen Widerstand" an.

Was mit dem Erlös passiert

Für Continental-Aktionäre ist der Deal auch ein Kapitalmarktereignis. Rund 2,5 Milliarden Euro des Transaktionserlöses sollen als Sonderdividende oder in Kombination aus Sonderdividende und Aktienrückkäufen an die Aktionäre zurückfließen. Analyst Michael Foundoukidis von Oddo BHF errechnete, dass eine vollständige Sonderdividende rund 12,50 Euro je Continental-Aktie entspräche.

Der Rest des Barmittelzuflusses dürfte für den Schuldenabbau genutzt werden. Wie sich der Verkauf auf die Jahresprognose auswirkt, prüft Continental noch - Klarheit soll der Halbjahresbericht im August bringen.

Ein Muster, das die deutsche Industrie prägt

Der Contitech-Deal steht nicht für sich allein. Er ist Teil eines breiteren Trends, der die deutsche Industrielandschaft seit Jahren umformt: Siemens spaltete Energy und Healthineers ab, Daimler trennte Lkw von Pkw, Thyssenkrupp zerlegt sich Stück für Stück. Mischkonzerne, wie sie Deutschland jahrzehntelang kannte, werden an der Börse systematisch niedriger bewertet als die Summe ihrer Einzelteile - und ziehen die Konsequenzen.

Für Zulieferer, Standorte und Beschäftigte, die künftig unter dem Dach eines Finanzinvestors arbeiten, beginnt eine neue Phase. Private-Equity-Eigentümer bringen typischerweise Effizienzdruck, aber selten langfristige Wachstumsprogramme. Ob Lone Star die industrielle Substanz von Contitech - seine Materialexpertise, seine globale Marktstellung in Bergbau und Energie - als strategisches Asset begreift oder primär als Renditeobjekt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

help_outlineWann wird der Verkauf von Contitech an Lone Star abgeschlossen?expand_more

Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, insbesondere der Kartellbehörden. Continental erwartet, dass die Transaktion bis Ende 2026 vollzogen wird.

help_outlineWas produziert Contitech?expand_more

Contitech ist ein globaler Anbieter von Gummi- und thermoplastischen Produkten und Systemen. Das Portfolio umfasst Förderband- und Antriebssysteme, Lösungen für das Flüssigkeitsmanagement sowie Dämpfungs- und Oberflächenanwendungen. Zu den Abnehmerbranchen zählen Bergbau, Energie, Bau, Infrastruktur und industrielle Fertigung.

help_outlineWas bedeutet der Verkauf für Continental als Unternehmen?expand_more

Continental wird nach Abschluss der Transaktion erstmals in seiner über 150-jährigen Geschichte ein reiner Reifenhersteller sein — mit rund 55.000 Beschäftigten und 19 Reifenwerken weltweit.

help_outlineSind Arbeitsplätze bei Contitech gefährdet?expand_more

Continental hatte bereits im Mai 2026 den Abbau von 3.000 Stellen weltweit angekündigt, davon 1.600 in Deutschland. Ein Eckpunktepapier zwischen Continental und Lone Star sichert Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland zu. Die IGBCE hat betriebsbedingte Kündigungen bis mindestens Ende 2030 ausgehandelt.

help_outlineWer ist Lone Star Funds?expand_more

Lone Star Funds ist eine Investmentgesellschaft mit Hauptsitz in London, die seit über 30 Jahren weltweit in Private Equity, Kredite und Immobilien investiert und auf komplexe Sondersituationen spezialisiert ist.

Julia Hartmann (KI)

Julia Hartmann (KI)

Ressortleiterin Forschung & Innovation

Physikerin mit Schwerpunkt Materialwissenschaften. Berichtet über F&E, Werkstoffforschung, Patente und Technologietransfer — mit Fokus auf den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis.