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Hallenkranschein in der Ausbildung: Berufsschule Regen und TÜV Süd machen es mit VR möglich

Die Berufsschule Regen ermöglicht mit der TÜV Süd Akademie den Hallenkranschein schon während der Berufsausbildung - per VR-Training. Was das Modell für die Industrie bedeutet.

Martin Brückner (KI)
Martin Brückner (KI)Ressortleiter Energie & Nachhaltigkeit
gray and yellow crane
Foto von Dirk Jutzas auf Unsplash

Wer in der Fertigungsindustrie einen Hallenkran bedienen will, braucht einen Nachweis über seine Qualifikation - den sogenannten Hallenkranschein. Bislang war das eine Weiterbildungsmaßnahme, die Unternehmen nach der Ausbildung organisieren und finanzieren mussten. Eine Berufsschule im Bayerischen Wald ändert das gerade - mit einem Ansatz, der für die gesamte gewerblich-technische Ausbildung in Deutschland Vorbildcharakter haben könnte.

Qualifikation vor dem ersten Arbeitstag

Die Berufsschule Regen hat in Zusammenarbeit mit der TÜV Süd Akademie ein Ausbildungskonzept umgesetzt, das den Erwerb eines Hallenkranscheins bereits während der regulären Berufsausbildung ermöglicht. Der Standort liegt im Bayerischen Wald - strukturschwaches Gebiet, aber offenbar kein Hindernis für bildungspolitische Innovationen.

Im Rahmen des Schulversuchs "clever clustern - gut vernetzt in den Beruf" durchliefen Auszubildende aus den drei beruflichen Fachrichtungen Metalltechnik, Bau/Holz sowie Lagerlogistik ein strukturiertes Trainingsprogramm mit virtuellen Übungsszenarien. Drei Berufsfelder, ein gemeinsames Qualifikationsziel - das ist der eigentliche Kern des Konzepts: Querschnittskompetenzen, die in der Praxis gefragt sind, werden nicht mehr dem Zufall oder dem Arbeitgeber überlassen.

a man standing in front of a group of peoplePhoto: Herlambang Tinasih Gusti / Unsplash

VR als Brücke zwischen Theorie und Praxis

Das Herzstück des Modells ist die Technologie. Kern des Ansatzes ist ein VR-gestütztes Trainingssystem, das theoretische Lerninhalte mit simulationsbasierter Praxis verbindet. Konkret bedeutet das: Die eingesetzte Kombination aus VR-Brille und digitaler Simulation bildet typische Arbeitsabläufe beim Einsatz von Hallenkranen ab - darunter die korrekte Lastaufnahme, das sichere Verfahren von Lasten sowie die Navigation durch vorgegebene Parcours.

Der sicherheitstechnische Vorteil liegt auf der Hand: Das VR-Training schafft eine kontrollierte Lernumgebung, in der Abläufe standardisiert, reproduzierbar und ohne Gefährdung trainiert werden können. Dadurch werden grundlegende Sicherheitsprinzipien frühzeitig vermittelt und Fehlhandlungen ohne reale Risiken korrigierbar.

Gleichzeitig ermöglicht der simulationsbasierte Ansatz eine schrittweise Kompetenzentwicklung, bevor der Übergang in reale Arbeitsumgebungen erfolgt. Das ist pädagogisch sinnvoll - und für Unternehmen wirtschaftlich relevant: Wer die Grundlagen bereits beherrscht, wenn er in den Betrieb kommt, braucht weniger Einarbeitungszeit an realen Anlagen.

Reale Prüfung nach virtueller Vorbereitung

Das Modell endet nicht im virtuellen Raum. Nach Abschluss der virtuellen Trainingsphasen legten die Teilnehmenden der Berufsschule Regen eine praktische Prüfung unter Realbedingungen ab, die von einem TÜV Süd Kranausbilder durchgeführt wurde. Bewertet wurden unter anderem die normgerechte Lastaufnahme, die sichere Lastführung sowie die präzise Steuerung des Krans im definierten Prüf-Parcours.

lightbulb Tip

Das Modell aus Regen zeigt: VR-Training ist kein Ersatz für reale Prüfungen — sondern eine strukturierte Vorbereitung, die die Bestehensquote erhöhen und Ausbildungszeiten verkürzen kann. Für Betriebe bedeutet das: kürzere Einarbeitungszeiten, geringere Schulungskosten nach der Übernahme.

Der wirtschaftliche Kontext: Fachkräftemangel trifft Industrie

Das Modell aus Regen ist kein Selbstzweck. Es antwortet auf einen strukturellen Engpass, der die deutsche Fertigungsindustrie seit Jahren belastet. Im Maschinenbau konnten 2024 rund 18.000 Stellen rechnerisch nicht besetzt werden, in der Herstellung von Metallerzeugnissen waren es knapp 18.500. Das zeigt eine Branchenanalyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) vom November 2025.

Auch in der Industrie fehlt Personal: In der Herstellung von Metallerzeugnissen konnten 2024 knapp 18.500 Stellen rechnerisch nicht besetzt werden, im Maschinenbau rund 18.000.

Der konjunkturelle Rückgang der letzten Jahre hat die Zahlen zwar etwas gedrückt - die gesamtdeutsche Fachkräftelücke sank 2024 auf 487.029, nachdem sie strukturell deutlich höher lag. Doch das ist kein Grund zur Entwarnung. Die Fachkräftelücke ist 2024 konjunkturbedingt gesunken - aber die strukturellen Probleme bleiben. Ab 2025 wird sie wieder steigen.

Für Unternehmen, die Hallenkrane in der Produktion einsetzen - also Stahlverarbeiter, Maschinenbauer, Logistikdienstleister - ist die Frage, wie schnell ein Berufseinsteiger einsatzfähig ist, keine akademische. Sie ist betriebswirtschaftlich messbar.

Was das Modell übertragbar macht

Ein Baustein des Schulversuchs "clever clustern" sind gemeinsame Fortbildungen, an denen sowohl Schüler als auch Ausbildungsbetriebe teilnehmen können. Das ist der entscheidende Unterschied zu klassischen Berufsschulkonzepten: Die Schule agiert nicht als isolierter Lernort, sondern als aktiver Teil der betrieblichen Qualifizierungskette.

Das Modell hat strukturelle Stärken, die eine Übertragung auf andere Standorte nahelegen:

  • Fachrichtungsübergreifend: Metalltechnik, Bau/Holz und Lagerlogistik profitieren gemeinsam - das senkt die Kosten pro Teilnehmer.
  • Zertifiziert: Die Prüfung erfolgt durch TÜV Süd - der Abschluss ist bundesweit anerkannt.
  • Skalierbar: VR-Hardware ist heute erschwinglich; das Curriculum lässt sich auf andere Berufsschulen übertragen.
  • Sicherheitskonform: Die Simulation schafft eine Lernumgebung ohne Gefährdung - ein Argument, das auch Berufsgenossenschaften überzeugen dürfte.
1
Theoretische Grundlagen

Auszubildende erarbeiten die Vorschriften und Sicherheitsregeln für den Hallenkranbetrieb im Unterricht — fachrichtungsübergreifend für Metall, Bau/Holz und Lagerlogistik.

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VR-Training

Mit VR-Brille und digitaler Simulation werden typische Kranabläufe geübt: Lastaufnahme, Lastführung, Parcours-Navigation — standardisiert, reproduzierbar, gefahrlos.

3
Praktische Abschlussprüfung

Ein TÜV Süd Kranausbilder nimmt die Prüfung unter Realbedingungen ab. Bewertet werden normgerechte Lastaufnahme, sichere Lastführung und präzise Steuerung.

4
Hallenkranschein

Nach bestandener Prüfung erhalten die Auszubildenden den anerkannten Nachweis — und starten damit mit einer zusätzlichen Qualifikation ins Berufsleben.

Einordnung: Mehr als ein Pilotprojekt

Was in Regen erprobt wird, ist kein Nischenprojekt für eine strukturschwache Region. Es ist ein Antwortversuch auf eine systemische Frage: Wie kann die duale Ausbildung in Deutschland schneller und gezielter auf den tatsächlichen Qualifikationsbedarf der Industrie reagieren?

Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 berichteten mehr als ein Drittel der befragten rund 22.000 Unternehmen, dass sie Stellen zumindest teilweise nicht besetzen konnten. Mehr als ein Drittel der Unternehmen kann Vakanzen zumindest teilweise nicht besetzen - das zeigt der DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, für den knapp 22.000 Unternehmen befragt wurden.

Wenn Berufsschulen - in Kooperation mit akkreditierten Prüforganisationen wie TÜV Süd - beginnen, branchenrelevante Zusatzqualifikationen in die reguläre Ausbildungszeit zu integrieren, verschiebt sich die Logik: Nicht der Betrieb trägt allein die Qualifizierungskosten nach der Einstellung, sondern das Bildungssystem übernimmt einen Teil dieser Aufgabe bereits vorher.

Das ist, nüchtern betrachtet, eine Effizienzverschiebung - und eine, die sich für alle Beteiligten rechnen kann.

Martin Brückner (KI)

Martin Brückner (KI)

Ressortleiter Energie & Nachhaltigkeit

Umweltingenieur und Energieberater mit Schwerpunkt industrieller Energieeffizienz. Berichtet über Energiekosten, Energiewende in der Industrie, CO2-Regulierung, CSRD und nachhaltige Produktion.