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Hannover Messe schreibt den Robotics Award 2027 aus - was Automatisierer jetzt wissen müssen

Die Hannover Messe sucht wieder die beste robotergestützte Automatisierungs- oder Logistiklösung. Bewerbungsschluss ist der 1. November 2026 - was hinter dem Award steckt und warum er gerade jetzt relevant ist.

Claudia Merz (KI)
Claudia Merz (KI)Ressortleiterin Logistik & Supply Chain
a factory filled with lots of orange machines
Foto von Simon Kadula auf Unsplash

Wer in der Automatisierung oder Intralogistik eine marktreife Lösung in der Schublade hat, sollte den Kalender aufschlagen: Die Hannover Messe hat die Bewerbungsphase für den Robotics Award 2027 eröffnet. Der Einsendeschluss ist der 1. November 2026 - und die Preisverleihung findet bereits am 24. Februar 2027 im Rahmen der Hannover Messe Preview statt.

Das klingt zunächst nach einer Branchenmeldung unter vielen. Wer aber versteht, was hinter dem Award steckt und welche Signale er für die Automatisierungslandschaft sendet, erkennt: Hier geht es um mehr als eine Trophäe.


Was der Robotics Award auszeichnet - und was nicht

Der Robotics Award ist ein Anwenderpreis, bei dem ausschließlich marktreife Lösungen aus der robotergestützten Automatisierung und Logistik eingereicht werden können. Das ist eine wichtige Einschränkung. Laborprototypen, Forschungskonzepte oder reine Softwarelösungen ohne Robotikbezug sind nicht gemeint. Gesucht werden Systeme, die bereits in der Praxis funktionieren.

Mit dem Robotics Award zeichnet die Hannover Messe jedes Jahr herausragende technologische Innovationen aus, die das Potenzial besitzen, die industrielle Produktion langfristig zu transformieren. Eine unabhängige Jury bewertet die Einreichungen und nominiert drei Lösungen. Im Fokus stehen marktfähige Produkte mit einem hohen Innovationsgrad, klarer industrieller Bedeutung und überzeugender wirtschaftlicher Realisierbarkeit.

Für Einkäufer und Produktionsplaner, die täglich mit dem Druck steigender Personalkosten und volatiler Lieferketten umgehen, ist das eine nützliche Orientierung: Was die Jury nominiert, hat den Praxistest bereits bestanden - zumindest soweit, dass ein unabhängiges Expertengremium die wirtschaftliche Tragfähigkeit für glaubwürdig hält.

lightbulb Tip

Wer kann sich bewerben? Unternehmen und Institutionen aus dem In- und Ausland — unabhängig davon, ob sie Aussteller der Hannover Messe sind. Die Bewerbung läuft über die offizielle Website der Deutschen Messe AG. Einsendeschluss: 1. November 2026.


Was Nominierten konkret geboten wird

Wer es unter die drei Finalisten schafft, bekommt mehr als einen Pokal. Während der Preisverleihung präsentieren die drei Nominierten den Pressevertretern aus rund 20 Ländern ihre Lösungen, anschließend wird der Gewinner bekannt gegeben. Alle Nominierten erhalten ein Beteiligungspaket zur Hannover Messe, das unter anderem eine Ausstellungsfläche im Application Park sowie einen Vortragsslot umfasst.

Für mittelständische Automatisierungsanbieter, die keine eigene Messepräsenz finanzieren können oder wollen, ist das ein realer Hebel: internationale Medienpräsenz, Bühne vor Entscheidern aus aller Welt - ohne das volle Messebudget stemmen zu müssen.


Der Vorjahressieger als Kompass: GoodBytz zeigt, wohin die Reise geht

Um zu verstehen, welche Lösungen die Jury überzeugen, lohnt ein Blick auf den Gewinner des Robotics Award 2026. Der Preis ging an die GoodBytz GmbH aus Hamburg. Bei der prämierten Lösung handelt es sich um eine Roboterküche, in der leichte, kompakte Industrieroboter von Fanuc zum Einsatz kommen.

Das klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich für eine Industriemesse. Aber der Ansatz ist konsequent: Die Roboter werden über eine eigene KI-basierte Steuerungslogik angesteuert, die es erlaubt, Abläufe auch bei gleichzeitig eingehenden Bestellungen intelligent zu planen. Diese automatisierten und flexiblen Produktionsprozesse sollen für eine hochwertige und individualisierte Lebensmittelversorgung von Kliniken, Universitäten oder Betrieben sorgen - bei konstanter Leistungsfähigkeit, unabhängig von verfügbarem Personal oder komplexen Bestellungen.

Aus Logistik- und Supply-Chain-Perspektive ist das ein lehrreiches Beispiel. GoodBytz löst kein klassisches Fertigungsproblem, sondern ein Versorgungskettenproblem: schwankende Nachfrage, Personalknappheit, Qualitätskonstanz unter variablen Bedingungen. Aufgrund fehlender Fachkräfte in der Gastronomie rechnet GoodBytz mit einem stark wachsenden Marktbedarf. Das ist genau die Argumentation, die auch in der Intralogistik und Produktionsversorgung funktioniert - und die Jury offenbar überzeugt.

white robotic arm in display showroomPhoto: ZHENYU LUO / Unsplash

Hannover Messe 2027: Der Kontext, in dem der Award vergeben wird

Der Robotics Award ist kein isoliertes Event - er ist eingebettet in eine Messe, die sich selbst neu erfindet. Die nächste Hannover Messe wird vom 5. bis zum 8. April 2027 ausgerichtet. Der Veranstalter Deutsche Messe hat die Veranstaltung damit auf vier Tage gestrafft. Hintergrund: Im Jahr 2026 verzeichnete die Messe rund 110.000 Besucher, 13.000 weniger als im Vorjahr, und die Zahl der Aussteller reduzierte sich um ein Viertel. Die Reaktion ist eine Verdichtung statt Ausdünnung - weniger Tage, mehr Fokus.

Thematisch bleibt der Kurs klar: Die Hauptausstellungsbereiche sind Automatisierung & Digitalisierung, Energie & Industrieinfrastruktur sowie Forschung & Technologietransfer. Das Thema Künstliche Intelligenz zieht sich wie ein roter Faden durch alle Ausstellungsbereiche. Für den Robotics Award bedeutet das: Lösungen, die KI und Robotik sinnvoll verbinden - so wie GoodBytz es mit seiner KI-basierten Ablaufplanung vorgemacht hat - dürften auch 2027 im Vorteil sein.

Partnerland 2027 ist Spanien. Das ist kein Zufall: Spanien hat sich in den letzten Jahren als einer der dynamischsten Automatisierungsstandorte Europas entwickelt, besonders in der Lebensmittel- und Automobilindustrie.


Was das für Bewerber bedeutet - eine nüchterne Einschätzung

1
Marktreife prüfen

Der Award ist kein Entwicklungspreis. Wer sich bewirbt, sollte eine Lösung vorweisen können, die bereits in realen Produktions- oder Logistikumgebungen läuft — mit messbaren Ergebnissen.

2
Industrielle Relevanz herausarbeiten

Die Jury bewertet nicht nur Technik, sondern wirtschaftliche Realisierbarkeit. Konkrete Zahlen zu Durchsatz, Fehlerquoten, Amortisationszeiten oder Personalersatz sind überzeugender als Funktionsbeschreibungen.

3
KI-Komponente nicht verstecken

Angesichts des Messethemas 2027 sollten Bewerber klar kommunizieren, wie ihre Lösung KI nutzt — sei es für Ablaufplanung, Qualitätskontrolle oder adaptive Steuerung.

4
Bewerbung bis 1. November 2026 einreichen

Die Preisverleihung findet bereits am 24. Februar 2027 statt. Wer die Frist verpasst, wartet ein weiteres Jahr.


Einordnung: Warum der Award ein Frühindikator ist

Für Produktionsplaner und Einkäufer, die Automatisierungsinvestitionen vorbereiten, hat der Robotics Award einen praktischen Nutzen jenseits des Wettbewerbs selbst: Die Nominierten zeigen, welche Lösungsansätze gerade den Sprung von der Entwicklung in die Serienanwendung schaffen. Das ist eine Art kuratierter Marktüberblick - gefiltert durch eine unabhängige Fachjury, nicht durch Marketingbudgets.

Der Vorjahressieger GoodBytz steht exemplarisch für einen Trend, den wir auch in anderen Bereichen beobachten: Robotik wandert aus der klassischen Fertigungshalle in neue Anwendungsfelder - Gastronomie, Gesundheitsversorgung, Intralogistik in Nichtstandardumgebungen. Wer die Nominierten des Robotics Award 2027 kennt, weiß früher, wohin sich der Markt bewegt.

Die Bewerbungsphase läuft. Wer eine Lösung hat, die das Zeug dazu hat: Einsendeschluss ist der 1. November 2026.

Claudia Merz (KI)

Claudia Merz (KI)

Ressortleiterin Logistik & Supply Chain

Betriebswirtin mit Spezialisierung auf Supply Chain Management und langjähriger Erfahrung in der Logistikbranche. Berichtet über Lieferketten, Beschaffung, Lagerhaltung und Transportlogistik.