Es ist eine Zahl, die über das Smartphone hinausweist: Die Materialkosten (Bill of Materials, BOM) des kommenden iPhone 18 Pro in der 256-Gigabyte-Variante sollen laut einer aktuellen Analyse des Marktforschungsunternehmens TrendForce rund 38 Prozent höher liegen als beim direkten Vorgänger iPhone 17 Pro[1]. Das ist kein Ausreißer. Es ist ein Symptom.
Wer die Zahl nur als Apple-Meldung liest, verpasst das Wesentliche. Hinter dem Kostensprung steckt eine strukturelle Verschiebung am globalen Speichermarkt - eine, die längst nicht auf Cupertino beschränkt ist.
Speicher als Kostentreiber Nummer eins
Noch vor einem Jahr machte der Speicher bei einem iPhone-Pro-Modell mit 256 GB rund 10 Prozent der gesamten Materialkosten aus. Im dritten Quartal 2026 soll dieser Anteil laut TrendForce auf rund 34 Prozent gestiegen sein - und in der ersten Jahreshälfte 2027 könnte er die 40-Prozent-Marke überschreiten.
Zum Vergleich: Das Displaypanel, jahrelang einer der größten Einzelposten in der Stückliste, macht beim iPhone 18 Pro nur noch rund 10 Prozent aus - beim Vorgänger waren es noch 16 Prozent. Der Speicher hat das Display als dominante Kostenposition längst abgelöst. Laut Counterpoint Research ist DRAM bei Premium-Smartphones inzwischen teurer als der Prozessor.
Die eigentliche Ursache: KI frisst Kapazität
Der Preisanstieg bei Speicherchips ist kein klassischer Lieferengpass. Er ist das Ergebnis einer strukturellen Umverteilung der weltweiten Produktionskapazitäten. Nach Analysen von TrendForce entfällt mehr als zwei Drittel des gesamten DRAM-Nachfragewachstums der Jahre 2025 und 2026 auf KI-Infrastruktur.
Rechenzentren und Hyperscaler sichern sich Liefermengen über langfristige Verträge und akzeptieren dafür Preise, die für Smartphone-Hersteller schlicht nicht konkurrenzfähig sind. Die Hersteller - Samsung, SK Hynix, Micron - verlagern ihre Kapazitäten konsequent in Richtung hochmargiger HBM-Chips für KI-Beschleuniger. Was übrig bleibt, wird teurer.
TrendForce meldete für das erste Quartal 2026 einen historischen Preissprung: Für konventionelles DRAM wurden Zuwächse von 90 bis 95 Prozent gegenüber dem Vorquartal erwartet, für NAND Flash 55 bis 60 Prozent. Das ist kein Zyklus. Das ist eine Neuordnung des Marktes.
Die Speicherknappheit trifft nicht nur Apple. Android-Hersteller im Mittelklasse-Segment sind laut TrendForce noch stärker betroffen — sie verfügen weder über Apples Einkaufsvolumen noch über vergleichbare Langfristverträge mit den Zulieferern. Einige könnten gezwungen sein, geplante Modelle zu streichen oder Preise deutlich anzuheben.
Zweiter Kostentreiber: Der 2-Nanometer-Chip
Neben dem Speicher drückt ein zweiter Faktor auf die Stückliste: der neue A20-Pro-Prozessor. Der A20 Pro ist der erste iPhone-Chip, der im 2-Nanometer-Verfahren bei TSMC gefertigt wird - Produktionsstart ist für September 2026 geplant. Kleinere Strukturbreiten bedeuten mehr Transistoren auf gleicher Fläche, mehr Leistung, weniger Energieverbrauch - aber auch deutlich höhere Fertigungskosten pro Wafer.
TSMC plant, seine Chip-Preise um 5 bis 10 Prozent anzuheben - betroffen sind Produkte auf den Fertigungsknoten 5 nm, 4 nm, 3 nm und 2 nm. Hintergrund sind steigende Rohstoffkosten und der Aufbau von Produktionsstätten außerhalb Taiwans. Apples Abhängigkeit von TSMC als einzigem Fertiger der A-Serie-Chips macht jeden Aufpreis unmittelbar wirksam.
Photo: Toon Lambrechts / UnsplashApples Spielraum - und seine Grenzen
Die entscheidende Frage ist nicht, wie viel die Fertigung kostet. Sie ist, wer die Differenz trägt.
Apple hat strukturelle Vorteile, die kaum ein Wettbewerber replizieren kann: Langfristverträge mit Zulieferern, Einkaufsvolumina in einer Größenordnung, die Preiszugeständnisse erzwingen, und eine Kundenbasis, die Preiserhöhungen in einem Maß toleriert, das im Android-Segment undenkbar wäre. Analyst Jeff Pu von GF Securities erwartet deshalb, dass Apple die Mehrkosten nicht vollständig an Endkunden weitergibt, sondern Skaleneffekte ausspielt.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass der Spielraum enger wird. Apples Finanzvorstand prognostizierte für das September-Quartal 2026 einen Rückgang der Bruttomarge von 48,1 auf 46,5 Prozent - ein Signal, dass selbst Apple die Kostensteigerungen nicht vollständig abfedert.
Branchenbeobachter wie Bloomberg-Analyst Mark Gurman rechnen mit Endkundenpreiserhöhungen zwischen 100 und 300 US-Dollar. Die Startpreise könnten demnach auf 1.399 US-Dollar für das iPhone 18 Pro und 1.499 US-Dollar für das Pro Max steigen - gegenüber 1.099 bzw. 1.199 US-Dollar beim iPhone 17 Pro. Das Wall Street Journal nennt einen Einstiegspreis von 1.299 US-Dollar als mögliches Szenario.
| Modell | Aktueller Preis (USD) | Prognose niedrig (USD) | Prognose hoch (USD) |
|---|---|---|---|
| iPhone 17 Pro | 1.099 | — | — |
| iPhone 18 Pro | — | 1.099–1.299 | 1.399 |
| iPhone 18 Pro Max | — | 1.199–1.399 | 1.499 |
Was das für die Elektronikindustrie bedeutet
Der iPhone-18-Pro-Fall ist lehrreich, weil er zeigt, wie KI-Infrastruktur die Kostenstruktur von Endgeräten verändert - ohne dass die Geräte selbst KI-Hardware sind. Der Wettbewerb um Speicherkapazität zwischen Rechenzentren und Smartphone-Herstellern ist real, und er wird nicht kürzer.
Für Einkäufer und Produktionsplaner in der Elektronikindustrie hat das konkrete Konsequenzen: Wer Speicherkomponenten als Standardware behandelt und auf Spotmarktpreise setzt, wird 2026 und 2027 böse überrascht. TrendForce erwartet den Preishöhepunkt frühestens Ende 2026 - danach Stabilisierung auf hohem Niveau, keinen Rückgang.
Neue Fab-Kapazitäten brauchen zwei bis drei Jahre Vorlauf. Selbst wenn die Hersteller heute massiv expandieren würden - was sie aus Margengründen bewusst nicht tun -, käme eine Entspannung frühestens 2028. Die Knappheit ist strukturell, nicht zyklisch.
Apple kann die Krise aussitzen. Viele andere können das nicht.
Warum steigen die Speicherpreise so stark?
Der Haupttreiber ist die explodierende Nachfrage nach Hochleistungsspeicher (HBM) für KI-Rechenzentren. Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron verlagern ihre Kapazitäten in dieses margenstärkere Segment — was das Angebot für konventionellen DRAM und NAND Flash verknappt und die Preise treibt.
Warum ist Apple weniger betroffen als Android-Hersteller?
Apple verfügt über Langfristverträge mit Zulieferern, enorme Einkaufsvolumina und eine Kundenbasis, die Preiserhöhungen toleriert. Android-Hersteller im Mittelklasse-Segment haben keinen dieser Puffer und müssen Mehrkosten stärker an Endkunden weitergeben.
Wann ist mit einer Entspannung am Speichermarkt zu rechnen?
TrendForce erwartet den Preishöhepunkt frühestens Ende 2026, danach eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Neue Fertigungskapazitäten brauchen zwei bis drei Jahre Vorlauf — eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht.
Was bedeutet der 2-nm-Chip für die Fertigungskosten?
Der A20 Pro wird als erster iPhone-Prozessor im 2-Nanometer-Verfahren bei TSMC gefertigt. Kleinere Strukturbreiten sind teurer in der Herstellung. TSMC plant zudem Preiserhöhungen von 5 bis 10 Prozent für fortschrittliche Fertigungsknoten — Kosten, die direkt in die Stückliste einfließen.





