Wer Markisen, Pergolen und Rollläden in industriellem Maßstab fertigt, hat ein handfestes Logistikproblem: Die Rohware ist sperrig, schwer und kommt in Dutzenden von Profilquerschnitten. Fehlt das richtige Profil zur falschen Zeit an der Montagelinie, steht die Produktion. Genau dieses Problem hat TIR Technologies aus dem elsässischen Kilsett bei Straßburg gelöst - mit Lagertechnik von Kasto.
110 Millionen Euro Umsatz, 3.500 Tonnen Aluminium
TIR Technologies fertigt seit über 20 Jahren Sonnenschutzsysteme wie Markisen, Pergolen, Jalousien und Rollläden aus Aluminium. Mit 330 Beschäftigten erzielt das Unternehmen einen Jahresumsatz von 110 Millionen Euro - eine Größenordnung, die logistisch erhebliche Anforderungen stellt. In jedem Jahr werden in Kilsett rund 3.500 Tonnen Aluminiumprofile zu Sonnenschutzsystemen verarbeitet. Die Profile erreichen Längen bis zu 7,5 Metern und müssen darüber hinaus kommissioniert werden.
Das klingt nach einem klassischen Intralogistik-Problem. Tatsächlich steckt dahinter eine Herausforderung, die viele mittelständische Produzenten kennen: Wächst das Sortiment, wächst auch der Platzbedarf - und irgendwann reicht die Hallenfläche schlicht nicht mehr aus.
Vom Außenlager in die Höhe
Um die Produktion gezielt zu unterstützen und Verbesserungspotenziale zu nutzen, setzt TIR Technologies bereits seit 2019 auf automatische Lagersysteme und branchenspezifische Technik von Kasto. Der Einstieg erfolgte mit dem ersten Unigrip-Wabenlager, intern "Kasto 1" genannt.
Kasto 1 ist ein Unigrip-Wabenlager mit 1.200 Lagerplätzen, das die Pergolamontage zuverlässig mit den benötigten Profilen versorgt. Die Profile, die zuvor im Außenlager der Witterung ausgesetzt waren, werden seither trocken und geschützt gelagert und sind jederzeit abrufbereit.
Ware-zur-Person statt Person-zur-Ware: Kasto-Wabenlager arbeiten nach dem Prinzip, dass das Regalbediengerät die benötigte Kassette zur Entnahmestation bringt — nicht umgekehrt. Das spart Wege, reduziert Fehler und schont die Mitarbeiter.
Kasto 2: Zwei Kassettentypen, ein Regalbediengerät
2022 folgte Kasto 2 als weiteres automatisiertes Wabenlager desselben Typs - mit 2.000 Lagerplätzen auf 13 Metern Höhe, das die Aluminiumprofile für die Markisenproduktion verwaltet.
Die technische Besonderheit liegt im Detail: Auf minimaler Fläche werden bei Kasto 2 zwei unterschiedliche Kassettentypen gleichzeitig mit nur einem einzigen Regalbediengerät gehandhabt. Das erforderte laut Kasto umfangreiche Entwicklungsarbeit sowohl in der Mechanik als auch in der Software. Die Anpassung an die projektspezifischen Vorgaben war entsprechend aufwendig.
Das Ergebnis ist beachtlich: Auf gleicher Fläche lagern die Systeme nun die doppelte Menge an Aluminiumprofilen, weil sie die Ware in die Höhe verlagern und so die vorhandene Kapazität maximal ausschöpfen. Für einen Produzenten, der Hallenfläche nicht beliebig erweitern kann, ist das ein handfester wirtschaftlicher Vorteil.
Kastologic: Das digitale Rückgrat
Zwei Wabenlager allein genügen nicht. Entscheidend ist, dass das richtige Profil zur richtigen Zeit an der richtigen Montagelinie bereitsteht. Diese Aufgabe übernimmt die Warehouse-Management-Software Kastologic.
Kastologic koordiniert Ein- und Auslagerungen, optimiert die Fahrwege, überwacht den Materialfluss in Echtzeit und sorgt dafür, dass die Produktion reibungslos, sicher und rasch abläuft. Jeder Ein- und Ausgang wird automatisch erfasst, was zeitaufwendige Listen und manuelle Übertragungen überflüssig macht - und das Fehlerpotenzial erheblich reduziert.
Die Integration von Bearbeitungsmaschinen, Materialhandling-Lösungen und anderen vernetzten Arbeitsmaschinen sowie die Schnittstellen zu gängigen ERP-Systemen vervollständigen die Automatisierung des Arbeitsprozesses. Kurz: Kastologic ist nicht nur ein Lagerverwaltungssystem, sondern das Bindeglied zwischen Lager und Produktion.
Kastofenestra aligne: Ergonomie an der Entnahmestation
Neben den beiden Wabenlagern und der Software setzt TIR Technologies auf eine weitere branchenspezifische Komponente: die Kastofenestra-aligne-Station. Die hydraulischen Hubeinheiten von Kastofenestra aligne senken Kundengestelle präzise in die Kassette ab - schnell, sicher und zuverlässig.
Die exakte Positionierung des Regals macht das manuelle Heben schwerer Lasten überflüssig. Stattdessen wird das Material einfach an den Bearbeitungspunkt geschoben - ohne Laufwege oder körperliche Belastung. Für ein Unternehmen, das täglich Tonnen von bis zu 7,5 Meter langen Profilen bewegt, ist das nicht nur ein Ergonomiegewinn, sondern auch ein Sicherheitsargument.
Was bleibt: Effizienz als Wettbewerbsfaktor
Das Fallbeispiel TIR Technologies illustriert ein Muster, das sich in der produzierenden Industrie zunehmend wiederholt: Wer wächst, ohne die Intralogistik mitzudenken, verliert Produktivität nicht durch schlechte Maschinen, sondern durch schlechten Materialfluss. Aus effizientem Materialhandling wird so ein echter Wettbewerbsvorteil.
Kasto ist nach eigenen Angaben globaler Markt- und Technologieführer für Metallsägemaschinen sowie Langgut- und Blechlagersysteme. 2024 feierte das Familienunternehmen aus Achern sein 180-jähriges Bestehen. Kasto produziert ausschließlich in Deutschland.
Für TIR Technologies zieht Patrick Barbier, der das Projekt begleitet hat, ein klares Fazit: "In der Vergangenheit führte die manuelle Lagerung häufig zu Fehlern. Jetzt läuft mit Kasto Unigrip und Kastofenestra aligne alles automatisch - das spart Zeit und sorgt für deutlich effizientere Prozesse."
Was ist ein Kasto-Unigrip-Wabenlager?
Das Unigrip ist ein automatisches Kassetten-Wabenlagersystem von Kasto für Langgut wie Aluminiumprofile oder Stahlstangen. Ein Regalbediengerät (RBG) holt die benötigte Kassette aus dem Regal und bringt sie nach dem Ware-zur-Person-Prinzip zur Entnahmestation — ohne dass Mitarbeiter durch das Lager laufen müssen.
Was leistet die Warehouse-Management-Software Kastologic?
Kastologic koordiniert alle Ein- und Auslagerungen, optimiert die Fahrwege des Regalbediengeräts, überwacht den Materialfluss in Echtzeit und lässt sich an gängige ERP-Systeme anbinden. Es erfasst jeden Lagerbewegungsvorgang automatisch und eliminiert manuelle Listen.
Wie viel Platz spart ein automatisches Wabenlager gegenüber konventioneller Lagerung?
Im Fall von TIR Technologies ermöglichten die Kasto-Systeme eine Verdoppelung der gelagerten Profilmenge auf gleicher Grundfläche — durch konsequente Nutzung der Hallenhöhe statt der Hallenfläche.
Für welche Branchen ist die Kastofenestra-Produktlinie gedacht?
Kastofenestra ist primär auf Profil verarbeitende Betriebe ausgerichtet — insbesondere Fenster-, Tür- und Fassadenhersteller sowie Sonnenschutztechnik-Produzenten wie TIR Technologies. Die Stationen verbinden das automatische Lager ergonomisch mit der manuellen Weiterverarbeitung.





