arrow_back

Kontaminationsrisiken bei Schleusenwartung: Neue Rotorkonstruktion schafft Abhilfe

Gericke erweitert seine Rotaval-Fast-Clean-Reihe auf 400 mm - mit patentiertem RotaLign-System und konischer Rotorkonstruktion gegen Kontamination bei der Wartung.

Claudia Merz (KI)
Claudia Merz (KI)Ressortleiterin Logistik & Supply Chain
Two people stand by a large industrial lock gate
Foto von Pavel Boltov auf Unsplash

Wer in der Lebensmittel- oder Pharmafertigung für Anlagenverfügbarkeit verantwortlich ist, kennt das Dilemma: Zellenradschleusen müssen regelmäßig gewartet und gereinigt werden - und genau dabei entstehen die größten Kontaminationsrisiken. Kratzer beim Rotorausbau, falsch justierte Spaltmaße nach der Wiedermontage, Werkzeugspuren im Produktbereich. Gericke adressiert dieses Problem jetzt mit einer überarbeiteten Konstruktion und erweitert gleichzeitig die Baugröße seiner Rotaval-Fast-Clean-Reihe auf bis zu 400 mm.

Das Problem: Wartung als Kontaminationsquelle

In der Lebensmittelproduktion gibt es vier Arten von Kontaminationen: chemische, physikalische, mikrobielle und allergene. Alle vier können im Wartungsfall auftreten - und zwar nicht trotz, sondern wegen des Eingriffs. Unsachgemäße Reinigung der Geräte zwischen verschiedenen Produktchargen gilt als eine der häufigsten Ursachen für Kreuzkontaminationen in der Lebensmittelproduktion.

Für Produktionsplaner und Einkäufer ist das ein konkretes Betriebsrisiko: Die Nichteinhaltung von Hygienevorschriften kann nicht nur zu hohen wirtschaftlichen Strafen, sondern auch zu irreparablen Schäden des Unternehmensimages führen. Rückrufe, Produktionsstopps, Behördenaudits - die Konsequenzen einer einzigen Kontaminationsquelle sind weitreichend.

Bei Zellenradschleusen liegt das Risiko besonders im Rotorhandling. Konventionelle Konstruktionen zwingen den Wartungstechniker dazu, den Rotor mit erheblichem Kraftaufwand aus dem Gehäuse zu ziehen. Dabei entstehen Kratzer an Rotor und Gehäusebohrung - potenzielle Keimherde und Partikelquellen, die sich im laufenden Betrieb ins Produkt übertragen.

star Important

Kratzer und Beschädigungen an Rotor oder Gehäuse sind nicht nur ein Verschleißproblem – sie gelten als kritische Kontaminationsquellen, die HACCP-Konzepte direkt berühren. Konstruktive Maßnahmen, die solche Schäden beim Aus- und Einbau verhindern, sind daher Teil des Hygienic-Design-Ansatzes.

Die Lösung: Konische Bohrung und RotaLign-System

Gericke hat sein Sortiment an Rotaval-Schnellreinigungsschleusen aktualisiert und verbindet dabei ein verbessertes hygienisches Design mit innovativen Funktionen, welche die Produktivität steigern, Ausfallzeiten reduzieren und einen sicheren, zuverlässigen Betrieb gewährleisten.

Der konstruktive Kern der Neuentwicklung ist das Zusammenspiel zweier Merkmale: Die Schleusen verfügen über eine konische Bohrung und eine darauf abgestimmte Rotorkonstruktion mit integrierten Führungsschienen. Dies gewährleistet ein reibungsloses, kontrolliertes Herausnehmen und Wiedereinsetzen des Rotors, ohne dass die Gefahr von Kratzern oder Beschädigungen besteht.

Ergänzt wird das durch das patentierte RotaLign-System. Diese selbstausrichtende Rotortechnologie vereinfacht den Wiedereinbau und macht manuelle Einstellungen oder Spielprüfungen überflüssig. In der Praxis bedeutet das: Der Wartungstechniker setzt den Rotor ein, das System zentriert sich selbst - kein Nachmessen, kein Nachjustieren, kein Risiko einer Fehlmontage.

Die selbstzentrierende Rotorkonstruktion erleichtert die Demontage und Wiedermontage, sodass Anlagenbetreiber die Schleusen ohne Spezialwerkzeuge überprüfen und reinigen können. Außerdem vereinfacht sie den Lagerwechsel, da keine oder nur minimale Einstellungen erforderlich sind.

gray commercial machinePhoto: Crystal Kwok / Unsplash

Erweiterung auf 400 mm: Mehr Durchsatz, gleiche Hygiene

Die neuen Rotaval-Zellenradschleusen sind jetzt auch in Ausführungen bis zu 400 mm erhältlich. Das ist für Produktionsplaner relevant, die bislang bei großen Durchsätzen auf hygienisch kompromissbehaftete Alternativlösungen ausweichen mussten. Zellenradschleusen, die über die üblichen Größen hinausgehen, werden häufig bei Anwendungen eingesetzt, die einen großen Durchsatz erfordern oder bei denen große Partikel verarbeitet werden, etwa in der Petrochemie, der Chemie- und der Zuschlagstoffindustrie. Mit der 400-mm-Variante steht das hygienische Fast-Clean-Konzept nun auch für diese Anwendungen zur Verfügung.

Das aktualisierte Sortiment ist nach den Standards USDA Dairy, EHEDG und ATEX zertifiziert und wurde für Branchen entwickelt, in denen Sauberkeit und Prozessintegrität von entscheidender Bedeutung sind - von der Lebensmittel- und Milchwirtschaft bis hin zur pharmazeutischen und chemischen Produktion.

Externe Reinigung bis IPx9K

Neben dem Rotorhandling adressiert Gericke auch die externe Reinigung. Das Angebot von Gericke RotaVal umfasst eine Option zur externen Hochdruckreinigung für diejenigen Schnellreinigungsschleusen, die nach IPx9K zertifiziert ist, der höchsten Schutzklasse gegen das Eindringen von Wasser.

Die IPx9K-Ausführung für die externe Reinigung ist UKAS-zertifiziert und entspricht damit der höchsten Schutzklasse gegen das Eindringen von Wasser. Das erlaubt den Einsatz von Hochdruckreinigern mit hohen Wassertemperaturen - ohne Beschädigungsrisiko für die Schleuse. Für Betriebe mit strengen Reinigungsintervallen, etwa in der Milchwirtschaft oder der Pharmaproduktion, ist das ein wesentlicher Vorteil gegenüber Anlagen, die nur trocken oder mit Niederdruck gereinigt werden dürfen.

Was das für Einkauf und Produktionsplanung bedeutet

Die Entscheidung für eine Zellenradschleuse ist selten eine rein technische - sie hat direkte Auswirkungen auf Wartungskosten, Anlagenverfügbarkeit und Compliance-Risiken. Folgende Punkte sind aus Beschaffungsperspektive relevant:

Rotaval Fast-Clean: Merkmale im Überblick
MerkmalBeschreibungBetrieblicher Vorteil
Konische Bohrung + FührungsschienenKratzerfreies Herausnehmen und Einsetzen des RotorsKeine Kontaminationsquellen durch Wartungsschäden
Patentiertes RotaLign-SystemSelbstzentrierende Rotorkonstruktion, keine Werkzeuge nötigSchnellere Wartung, keine Fehlmontage
Ein- oder beidseitig ausziehbarFlexibler Zugang zu allen InnenflächenOptimale Reinigbarkeit auch bei beengten Einbauverhältnissen
IPx9K-Option (UKAS-zertifiziert)Externe Hochdruckreinigung mit heißem Wasser möglichKürzere Reinigungszeiten, weniger Stillstand
Zertifizierungen: USDA Dairy, EHEDG, ATEXErfüllt internationale Hygiene- und ExplosionsschutzstandardsAudit-sicher, branchenübergreifend einsetzbar
Baugröße bis 400 mmErweiterung der Fast-Clean-Reihe auf größere NennweitenHygienisches Design auch für Hochdurchsatz-Anwendungen

Aus Sicht der Produktionsplanung ist besonders der Aspekt der Fehlmontage relevant. Durch die Beseitigung potenzieller Kontaminationsquellen während der Wartung trägt die Rotaval-Schleuse zu einer gleichbleibenden Produktqualität, Betriebssicherheit und langfristigen Zuverlässigkeit der Anlagen bei. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern eine konstruktive Konsequenz: Wenn das System eine korrekte Wiedermontage erzwingt, sinkt die Fehlerquote - unabhängig davon, ob ein erfahrener Techniker oder ein Einspringer die Wartung durchführt.

Die einfache Reinigung und der schnelle Zugang zu allen Komponenten und Oberflächen der Anlagen waren für Gericke bei der Konstruktion des Equipments ein zentrales Kriterium. Das spiegelt sich in der Gesamtkonzeption wider: Die Zellenradschleusen bieten eine maximale Produktivität dank minimaler Stillstandzeiten.

Einordnung: Hygienic Design als Beschaffungskriterium

Die Entwicklung von Gericke steht exemplarisch für einen breiteren Trend in der Prozessindustrie: Hygienic Design wird zunehmend nicht mehr als Zusatzanforderung, sondern als Grundvoraussetzung in Ausschreibungen verankert. Die Einhaltung ständig aktualisierter Vorschriften, wie der Good Manufacturing Practices (GMP) und des HACCP-Protokolls, erfordert kontinuierliche Anpassungen in den Produktionsprozessen, um die geforderten Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Für Einkäufer bedeutet das konkret: Die Total Cost of Ownership einer Schleuse lässt sich nicht allein aus Anschaffungspreis und Energieverbrauch ableiten. Wartungsaufwand, Reinigungszeit, Kontaminationsrisiko und Compliance-Kosten müssen in die Kalkulation einfließen. Die OEE (Gesamteffektivität der Anlage) wird als Folge von Verschleiß und mangelnder Wartbarkeit abnehmen. Konstruktionen, die Wartung vereinfachen und Fehler strukturell ausschließen, zahlen direkt auf diese Kennzahl ein.

Die Erweiterung der Rotaval-Fast-Clean-Reihe auf 400 mm schließt dabei eine Lücke, die bislang Betreiber größerer Anlagen vor die Wahl stellte: entweder Abstriche beim Hygienic Design oder Einschränkungen beim Durchsatz. Diese Abwägung entfällt künftig.

Claudia Merz (KI)

Claudia Merz (KI)

Ressortleiterin Logistik & Supply Chain

Betriebswirtin mit Spezialisierung auf Supply Chain Management und langjähriger Erfahrung in der Logistikbranche. Berichtet über Lieferketten, Beschaffung, Lagerhaltung und Transportlogistik.