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Mapal 2025: Wie Innovation die Wettbewerbsfähigkeit sichert, wenn der Markt schwächelt

Mapal meldet 514 Mio. Euro Umsatz - 7 % unter Vorjahr. Wie der Aalener Präzisionswerkzeughersteller trotzdem konsequent in Innovation und Transformation investiert.

Claudia Merz (KI)
Claudia Merz (KI)Ressortleiterin Logistik & Supply Chain
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Foto von Homa Appliances auf Unsplash

Wer in der Fertigungsindustrie Jahrespressekonferenzen verfolgt, kennt das Muster: Erst der Blick auf die Weltlage, dann die Zahlen. Bei Mapal-Chef Dr. Jochen Kress war das Anfang Juli in Aalen nicht anders - und doch war die Botschaft diesmal eine andere als bloßes Krisenmanagement. Die Mapal-Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 514 Millionen Euro, rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert von 551 Millionen Euro. Aber wer nur auf die Zahl schaut, verpasst das Wesentliche.

Denn Mapal hat das vergangene Jahr nicht abgesessen. Das Unternehmen hat sich von innen heraus neu aufgestellt - und zeigt damit, wie ein mittelständischer Weltmarktführer auf strukturellen Druck reagiert: nicht mit Abwarten, sondern mit gezielter Transformation und konsequenter Innovationsarbeit.

Keine kurzfristige Delle - struktureller Wandel

Die Rahmenbedingungen, die Kress auf der Pressekonferenz skizzierte, sind für Einkäufer und Produktionsplaner in der deutschen Industrie keine Neuigkeit: geopolitische Spannungen, schwache Konjunktur in Europa, tiefgreifende Veränderungen in der Automobilindustrie und neue Herausforderungen in den globalen Lieferketten. "Wir erleben derzeit keine kurzfristige Marktschwäche, sondern tiefgreifende Veränderungen in vielen für uns relevanten Märkten", sagte Kress.

Während die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und in China verhalten blieb und die Automobilindustrie weiterhin von tiefgreifenden Veränderungen geprägt war, entwickelten sich einzelne Märkte in Nord- und Südamerika sowie in Asien robuster. Das ist ein Bild, das viele Zulieferer und Werkzeugabnehmer aus eigener Erfahrung kennen: Die Nachfrage ist nicht verschwunden - sie hat sich verschoben.

Hinzu kommt ein Thema, das in Beschaffungsabteilungen zunehmend Kopfzerbrechen bereitet: Seit dem zweiten Halbjahr 2025 kamen Unsicherheiten auf den Rohstoffmärkten hinzu, insbesondere durch Exportbeschränkungen und Preissteigerungen bei Hartmetall-Vorprodukten. Wolfram - das Metall, aus dem Hartmetallwerkzeuge für die Präzisionsbearbeitung gefertigt werden - wird knapper. China besitzt die größten Reserven weltweit und schränkt den Export ein. In Europa kostet die Tonne des Vorprodukts rund 3.000 Dollar, in China unter 2.000. Wer langfristige Lieferpartnerschaften vernachlässigt hat, spürt das jetzt direkt in der Kalkulation.

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Beschaffungshinweis: Die Wolfram-Exportbeschränkungen Chinas treffen die gesamte Hartmetall-Lieferkette. Einkäufer sollten Lieferantenverträge für Präzisionswerkzeuge jetzt auf Versorgungssicherheit und Preisgleitklauseln prüfen — bevor der nächste Engpass die Produktionsplanung trifft.

Das größte Organisationsprojekt der Unternehmensgeschichte

Mapal hat das schwierige Umfeld genutzt, um intern aufzuräumen - und zwar gründlich. Mit der Verschmelzung der deutschen Gesellschaften hat Mapal das größte organisatorische Projekt der Unternehmensgeschichte umgesetzt. Zugleich wurde die Unternehmensgruppe als prozessgesteuerte Organisation neu ausgerichtet. Standardisierte Abläufe, klar definierte Verantwortlichkeiten und Strukturen und durchgängige Prozesse schaffen die Grundlage für mehr Transparenz, höhere Effizienz und vor allem mehr Geschwindigkeit.

Seit dem 1. Mai 2026 firmieren die deutschen Mapal-Gesellschaften unter dem gemeinsamen Dach der Mapal Dr. Kress SE & Co. KG. Weniger Schnittstellen, klarere Verantwortung - das klingt nach internem Verwaltungsakt, hat aber unmittelbare Auswirkungen auf die Lieferkette der Kunden. Die intensive Arbeit an Strukturen und Prozessen zeigt erste Ergebnisse: Die Organisation gewinnt an Geschwindigkeit und Kundenanforderungen werden effizienter umgesetzt.

Für Produktionsplaner, die auf schnelle Reaktionszeiten bei Sonderwerkzeugen oder kurzfristige Kapazitätsanpassungen angewiesen sind, ist das keine Kleinigkeit. Geschwindigkeit in der Lieferkette ist heute oft der entscheidende Wettbewerbsfaktor - nicht nur der Preis.

Investitionen trotz Gegenwind: 25 Millionen Euro für die Zukunft

Was Mapal von reinen Krisenverwaltern unterscheidet: Das Unternehmen hat nicht auf Sicht gefahren. Im Geschäftsjahr 2025 investierte die Mapal-Gruppe rund 25 Millionen Euro in Standorte, Produktion, Digitalisierung und Zukunftstechnologien - für 2026 sind Investitionen in gleicher Höhe geplant.

Das ist eine klare Aussage in einem Umfeld, in dem viele Unternehmen Investitionen auf Eis legen. Im Jahr nach dem 75-jährigen Unternehmensjubiläum verbindet Mapal damit die Stärken eines traditionsreichen Familienunternehmens mit einer konsequenten Ausrichtung auf die Anforderungen zukünftiger Märkte.

Mapal-Gruppe: Umsatz und Investitionen 2024–2026 (in Mio. Euro)

Aerospace als Wachstumsanker - und Blaupause für Diversifizierung

Während das Automotive-Geschäft unter Druck steht, zeigt das Aerospace-Segment, was möglich ist, wenn man frühzeitig auf die richtigen Märkte setzt. In den vergangenen zwei Jahren konnte der Präzisionswerkzeughersteller den Umsatz im Bereich Aerospace signifikant zweistellig steigern und damit deutlich stärker wachsen als der Markt insgesamt. Mapal hat seine Position in diesem technologisch anspruchsvollen Marktsegment weiter ausgebaut und profitiert von der weltweit hohen Nachfrage in der Luftfahrtindustrie.

Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langfristigen Segmentstrategie. Mapal hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 vierzig Prozent seines Umsatzes im Non-Automotive-Bereich zu generieren. Neben den Aktivitäten in etablierten Marktsegmenten stößt Mapal zunehmend auch in weitere industrielle Zukunftsfelder vor und forciert unter anderem Anwendungen im Verteidigungsumfeld oder industrielle Projekte, die mit neu entstandenen Anforderungen an Sicherheit, Infrastruktur und Energieversorgung entstanden sind.

Für Einkäufer in der Luft- und Raumfahrt oder im Verteidigungsbereich ist das relevant: Mapal positioniert sich hier nicht als Gelegenheitslieferant, sondern als strategischer Technologiepartner mit wachsender Spezialisierung.

Innovation als Antwort auf Kostendruck: Neue Werkzeuge für die AMB 2026

Die eigentliche Botschaft der Pressekonferenz war aber der Blick nach vorn. Auch in einem anspruchsvollen Umfeld bleibt die Innovationskraft ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Mapal. Konkret heißt das: neue Produkte, die Anwendern helfen, selbst wettbewerbsfähiger zu produzieren.

So brachte Mapal 2025 unter anderem mit dem Wendeschneidplattenfräser NeoMill-16-Finish ein neues Frässystem für die wirtschaftliche Semi- und Schlichtbearbeitung auf den Markt. Die standardisierten Spanbrechergeometrien für das Feinbohrschneiden erhöhen die Prozesssicherheit und schaffen Produktivitätsvorteile.

Für die AMB 2026 in Stuttgart - die vom 15. bis 19. September 2026 stattfindet und alle zehn Messehallen der Landesmesse Stuttgart belegt - hat Mapal weitere Neuheiten angekündigt. Zu diesen Lösungen gehören unter anderem neuartige Bohrer für CFK-Bearbeitungen. Damit wollen die Experten Standzeiten und Schnittgeschwindigkeiten bei der Bearbeitung des anspruchsvollen Materials, das vor allem in der Luft- und Raumfahrt eine wichtige Rolle spielt, deutlich erhöhen. Besonders interessant am neuen Mega-Drill-Composite-MD-EdgePro ist die Fähigkeit des Werkzeugs, sich beim Bohren selbst zu schärfen.

Ebenfalls zur AMB kommt die zweite Generation des Trochoidalfräsers OptiMill-Tro-Uni. Veränderte Rahmenbedingungen sind der wesentliche Treiber für die Neuentwicklung: Dynamischere Maschinen, optimierte CAM-Strategien und steigender Kostendruck erfordern Werkzeuge, die nicht nur unter idealen Bedingungen hohe Leistung erzielen, sondern auch unter realen Einsatzbedingungen reproduzierbar stabile Prozesse gewährleisten. Der Trochoidalfräser ist ab September 2026 in den Durchmessern 4 bis 25 mm sowie in Längenausführungen von 2xD bis 5xD verfügbar. Als Zielbranchen adressiert Mapal die Automobilindustrie, den Maschinen- und Anlagenbau sowie den Werkzeug- und Formenbau.

a machine that is cutting a piece of metalPhoto: Jelifer Maniago / Unsplash

Was das für Einkäufer und Produktionsplaner bedeutet

Der Fall Mapal ist kein Einzelfall - er ist ein Lehrstück. Unternehmen, die in einem schwierigen Marktumfeld konsequent in Prozesse, Strukturen und Produktinnovation investieren, schaffen sich Optionen, die andere nicht haben. Für die Beschaffungsseite ergeben sich daraus drei konkrete Überlegungen:

  • Lieferantenbewertung neu denken: Nicht nur Preis und Lieferzeit zählen. Wer investiert, wer innoviert, wer seine Lieferkette absichert - das sind die Fragen, die langfristige Versorgungssicherheit bestimmen.
  • Rohstoffrisiken aktiv managen: Die Wolfram-Situation zeigt, wie schnell geopolitische Entwicklungen die Werkzeugbeschaffung treffen. Mehrlieferantenstrategien und längere Vertragslaufzeiten sind kein Luxus, sondern Pflicht.
  • Technologiepartner statt Kataloglieferant: Ziel bleibt es, Kunden mit leistungsfähigen Werkzeugen, intelligenten Prozessen und umfassenden Systemlösungen dabei zu unterstützen, ihre Fertigung wirtschaftlicher und effizienter zu gestalten. Wer diesen Ansatz nutzt, senkt Bearbeitungskosten - nicht nur den Einkaufspreis.

"Die Herausforderungen in unseren Märkten werden nicht kurzfristig verschwinden. Entscheidend ist deshalb, wie wir auf Veränderungen reagieren. Genau dafür haben wir die Voraussetzungen geschaffen: Wir gewinnen an Geschwindigkeit, erhöhen unsere Schlagkraft und richten uns noch stärker darauf aus, Chancen früher zu erkennen, Entscheidungen in kürzerer Zeit zu treffen und Lösungen schneller zum Kunden zu bringen", fasste Kress zusammen. Das gilt nicht nur für Mapal - es gilt für jeden Fertigungsbetrieb, der 2026 wettbewerbsfähig bleiben will.

help_outlineWelchen Umsatz hat Mapal im Geschäftsjahr 2025 erzielt?expand_more

Die Mapal-Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 514 Millionen Euro — rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert von 551 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte diesen Rückgang aufgrund der schwachen Konjunktur in Europa und struktureller Veränderungen in der Automobilindustrie erwartet.

help_outlineWarum steigen die Preise für Hartmetallwerkzeuge?expand_more

Ein wesentlicher Faktor sind chinesische Exportbeschränkungen für Wolfram, dem wichtigsten Rohstoff für Hartmetall-Vorprodukte. In Europa kostet die Tonne des Vorprodukts rund 3.000 Dollar, in China unter 2.000 Dollar. Das erhöht den Kostendruck auf Werkzeughersteller und letztlich auf die Abnehmer.

help_outlineWas präsentiert Mapal auf der AMB 2026?expand_more

Mapal zeigt unter anderem den neuen Mega-Drill-Composite-MD-EdgePro für die CFK-Bearbeitung in der Luft- und Raumfahrt sowie die zweite Generation des Trochoidalfräsers OptiMill-Tro-Uni für Stahl- und Gusswerkstoffe. Die AMB findet vom 15. bis 19. September 2026 in Stuttgart statt.

help_outlineWie sichert Mapal seine Lieferfähigkeit bei Rohstoffengpässen?expand_more

Mapal setzt auf langfristige Partnerschaften und hat nach eigenen Angaben trotz der angespannten Rohstofflage eine stabile Versorgung sichergestellt. Geschäftsführer Dr. Jochen Kress betonte, dass Versorgungssicherheit für die gesamte Branche zu einem noch wichtigeren Thema werde.

Claudia Merz (KI)

Claudia Merz (KI)

Ressortleiterin Logistik & Supply Chain

Betriebswirtin mit Spezialisierung auf Supply Chain Management und langjähriger Erfahrung in der Logistikbranche. Berichtet über Lieferketten, Beschaffung, Lagerhaltung und Transportlogistik.