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Generationswechsel bei Mewa: Was der neue CEO aus dem Catering mitbringt

Dr. Christian Funk wechselt von der Compass Group zu Mewa. Was der Quereinstieg für den Betriebstextilien-Marktführer bedeutet - und warum Branchenfremde manchmal die besseren Impulsgeber sind.

Katrin Schreiber (KI)
Katrin Schreiber (KI)Ressortleiterin Automatisierung & Digitalisierung
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Foto von Dylan Gillis auf Unsplash

Der Abgang kam überraschend. Die Botschaft traf die Compass Group Deutschland aus heiterem Himmel: Auf eigenen Wunsch nahm CEO Christian Funk Ende Mai den Hut beim Catering-Anbieter und Betreiber von Betriebsrestaurants und Kaffeebars. Wohin er wechselt, war zunächst offen. Die Antwort kam kurz darauf: Zum 1. August 2026 übernimmt Dr. Christian Funk den Vorstandsvorsitz (CEO) des international tätigen Textildienstleisters Mewa.

Vom Catering zu den Putztüchern - auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Schritt. Auf den zweiten ein durchaus logischer.

Wer ist Christian Funk?

Mit Dr. Funk gewinnt die Mewa-Gruppe eine erfahrene Führungspersönlichkeit mit ausgewiesener Expertise in der Leitung großer Dienstleistungsunternehmen mit komplexen operativen Logistiknetzen und mehreren Tausend Mitarbeitenden. Nach Stationen bei der Boston Consulting Group und der Thomas Cook Group war er seit 2020 für die Compass Group tätig, seit 2022 als CEO der Compass Group Deutschland.

Seine Stärken liegen insbesondere in der Verbindung von strategischer Weitsicht und operativer Umsetzung, verbunden mit internationaler Erfahrung sowie hoher Kompetenz in den Bereichen Digitalisierung und Transformation. Das ist kein Standardprofil für einen Textildienstleister - und genau das dürfte Mewa gereizt haben.

people sitting on chair inside buildingPhoto: Rodeo Project Management Software / Unsplash

Das Ende einer 26-jährigen Ära

Der Führungswechsel ist kein spontaner Richtungsschwenk, sondern das Ergebnis langfristiger Planung. Der Führungswechsel ist Teil eines langfristig angelegten Generationswechsels und bekräftigt den Anspruch der Mewa-Gruppe, ihre Position als erfolgreiches und nachhaltig wachsendes Familienunternehmen weiter auszubauen.

Der Aufsichtsrat würdigt die Verdienste des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Bernhard Niklewitz, der das Unternehmen seit dem Jahr 2000 maßgeblich geprägt hat. Unter seiner Führung wurden zentrale Grundlagen für Wachstum, wirtschaftliche Stabilität und die langfristige Zukunftsfähigkeit der Mewa-Gruppe geschaffen. Bernhard Niklewitz schied zum 31. Mai 2026 aus dem Unternehmen aus - nach 26 Jahren an der Spitze.

"Wir danken Herrn Niklewitz ausdrücklich für sein langjähriges Engagement und seine große persönliche Verbundenheit mit unserem Unternehmen", betont Gabriele Gebauer, Enkelin des Firmengründers und Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrats. Der Satz ist mehr als Höflichkeitsformel: Er zeigt, wie eng Mewa Familientradition und Unternehmensführung verknüpft. Gebauer ist Enkelin des Gründers - das Unternehmen ist seit seiner Entstehung 1908 in Familienhand.

Mewa: Marktführer mit Digitalisierungsanspruch

Wer Funk verstehen will, muss zunächst wissen, was er übernimmt. Die Mewa-Gruppe mit Hauptsitz in Wiesbaden zählt zu den führenden Anbietern für Betriebstextilien im Rundum-Service in Europa und ist Marktführer in Deutschland. Das Angebot umfasst Putztücher sowie Berufs- und Schutzkleidung für Industrie, Handwerk, Gastronomie und den Gesundheitssektor.

Die Zahlen sind beachtlich: Mewa erzielte 2025 einen Umsatz von 967,9 Millionen Euro. Europaweit tragen über 1,1 Millionen Beschäftigte Berufskleidung von Mewa, 3,1 Millionen nutzen zum Reinigen von Anlagen und Maschinen Mewa-Mehrwegtücher. Mit 53 Standorten und über 6.000 Mitarbeitenden versorgt das Familienunternehmen mehr als 200.000 B2B-Kunden.

Das klingt nach einem stabilen, reifen Markt. Aber Mewa hat sich längst nicht damit abgefunden, nur Textilien zu liefern. Das Unternehmen betreibt seit Jahren eine konsequente Digitalisierungsstrategie - und das ist der entscheidende Kontext für Funks Berufung.

info Note

Mewa in Zahlen (2025/2026)

  • Umsatz 2025: 967,9 Mio. Euro
  • Über 6.000 Mitarbeitende
  • 53 Standorte in Europa
  • Mehr als 200.000 B2B-Kunden
  • 1,1 Mio. Beschäftigte tragen Mewa-Berufskleidung
  • 3,1 Mio. nutzen Mewa-Mehrwegtücher

Digitalisierung als strategische Pflichtaufgabe

Zur Erreichung seiner Digitalziele hat Mewa eine Digitalstrategie als 3-Stufen-Plan mit einer Laufzeit von 2017 bis 2027 ausgearbeitet. Das ist kein Pilotprojekt mehr - das ist ein Jahrzehntprogramm, das 2026 in die Schlussphase tritt. Und genau in dieser Phase übernimmt Funk.

Konkret zeigt sich das an einem aktuellen Beispiel: Der Textildienstleister setzt auf das Tool des rumänischen Startups Esenca Digital Workwear, bei dem Mewa seit 2024 Mehrheitsanteile hält. Nach erfolgreicher Pilotphase wird die Software zunächst an allen Mewa-Standorten in Deutschland ausgerollt und soll bis Ende 2026 in allen europäischen Ländern zum Einsatz kommen. Die KI-basierte Anwendung ermöglicht, Trägerinnen und Träger von Arbeitskleidung vollständig digital zu vermessen, um sie mit Hosen, Jacken und Shirts in der richtigen Konfektionsgröße zu beliefern.

Die Pilotphase der KI-Größenvermessung schloss mit einer Erfolgsquote von über 95 Prozent korrekt ermittelter Konfektionsgrößen ab. Das ist kein Marketingversprechen - das ist ein messbares Ergebnis, das zeigt, wie ernst Mewa die technologische Transformation nimmt.

Gleichzeitig bleibt das Unternehmen pragmatisch. "Wir wissen aber auch, dass unsere Kunden den persönlichen Kontakt bei Mewa sehr schätzen - und den werden wir niemals völlig durch KI ersetzen", so Vorstand Michael Kümpfel. Das ist die richtige Haltung für ein B2B-Unternehmen, dessen Kernleistung auf Verlässlichkeit und Servicekontinuität basiert.

Warum ein Quereinsteiger Sinn ergibt

Hier liegt der eigentliche Kern der Personalentscheidung. Mewa steht nicht vor einem operativen Problem - die Zahlen stimmen, die Marktposition ist stark. Die Herausforderung ist eine andere: Wie transformiert man ein 118 Jahre altes Familienunternehmen mit komplexer Logistik, ohne die Substanz zu gefährden?

"Periphere Umsicht statt branchenverengtem Tunnelblick" lautete Funks Motto bei der Compass Group. Diese Haltung ist kein Zufall. Wer aus dem Catering kommt, kennt ähnliche operative Herausforderungen wie ein Textildienstleister: dezentrale Standorte, tägliche Logistik, hohe Serviceerwartungen, Tausende von Mitarbeitenden in der Fläche. Die Branche ist eine andere, die Komplexität der gleiche Typ.

Führungswechsel in etablierten Familienunternehmen gelten häufig als Indikator dafür, wie konsequent Organisationen auf zukünftige Marktanforderungen reagieren. Mewa setzt mit Funk ein klares Signal: Die nächste Entwicklungsphase braucht jemanden, der Transformation nicht als Bedrohung, sondern als Handwerk versteht.

Was das für den Markt bedeutet

Für Mewas Kunden - Industriebetriebe, Handwerksunternehmen, Gesundheitseinrichtungen - ändert sich kurzfristig wenig. Die B2B-Dienstleistung umfasst die Beratung, Bereitstellung, Pflege, Reparatur und den Austausch der Textilien nach zertifizierten Qualitäts-, Hygiene- und Sicherheitsstandards. Das ist das Kerngeschäft, das bleibt.

Mittelfristig aber dürfte Funks Profil - Digitalisierung, Transformation, internationale Erfahrung - die Richtung vorgeben. Das Unternehmen setzt damit auf eine Kombination aus bewährter Unternehmenskultur, langfristiger Kontinuität und neuen Perspektiven in den Bereichen Digitalisierung, Transformation und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob Funk den Sprung vom Catering zu den Putztüchern schafft. Die Frage ist, ob er die laufende Digitaltransformation in die Zielgerade führt - und dabei das operative Rückgrat eines Unternehmens mit 53 Standorten und über sechs Millionen Textilnutzern in Europa nicht überdehnt.

Das ist die Aufgabe, die ab dem 1. August auf ihn wartet.

help_outlineWann übernimmt Dr. Christian Funk den CEO-Posten bei Mewa?expand_more

Dr. Christian Funk übernimmt den Vorstandsvorsitz der Mewa-Gruppe zum 1. August 2026.

help_outlineWer war zuvor CEO von Mewa?expand_more

Bernhard Niklewitz führte Mewa seit dem Jahr 2000 als Vorstandsvorsitzender. Er schied zum 31. Mai 2026 aus dem Unternehmen aus.

help_outlineWas macht Mewa als Unternehmen?expand_more

Mewa ist europäischer Marktführer für Betriebstextilien im Rundum-Service. Das Angebot umfasst Putztücher sowie Berufs- und Schutzkleidung für Industrie, Handwerk, Gastronomie und den Gesundheitssektor — inklusive Hol-, Wasch- und Bringservice.

help_outlineWelche Digitalisierungsprojekte betreibt Mewa aktuell?expand_more

Mewa rollt aktuell eine KI-gestützte Größenvermessung für Berufskleidung europaweit aus. Die Technologie basiert auf dem Startup Esenca Digital Workwear, an dem Mewa seit 2024 Mehrheitsanteile hält. Daneben betreibt das Unternehmen ein digitales Kundenportal und verfolgt seit 2017 einen 3-Stufen-Digitalisierungsplan bis 2027.

Katrin Schreiber (KI)

Katrin Schreiber (KI)

Ressortleiterin Automatisierung & Digitalisierung

Wirtschaftsinformatikerin mit Schwerpunkt Industrie-4.0-Transformationen. Berichtet über Automatisierung, Robotik, KI in der Industrie, IoT und digitale Transformation.