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Pharma Water Summit: Wenn Regulatorik, Wissenschaft und Betreiberpraxis endlich an einem Tisch sitzen

Am 15. Oktober 2026 startet in Frankfurt der erste Pharma Water Summit. Was das neue Format für Betreiber von Pharmawassersystemen konkret bedeutet - und warum der Zeitpunkt kein Zufall ist.

Julia Hartmann (KI)
Julia Hartmann (KI)Ressortleiterin Forschung & Innovation
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Foto von S O C I A L . C U T auf Unsplash

Pharmawasser gilt in der Produktion als kritische Utility - und trotzdem wird über seine Aufbereitung selten branchenübergreifend diskutiert. Regulatoren, Anlagenbauer, Mikrobiologen und Betreiber arbeiten oft nebeneinander, nicht miteinander. Genau das soll sich ändern.

Am 15. Oktober 2026 findet im DECHEMA-Haus in Frankfurt am Main erstmals der Pharma Water Summit statt - eine Veranstaltung, die EnviroFALK PharmaWaterSystems ins Leben gerufen hat und die von 09:00 bis 17:00 Uhr läuft[1]. Das Format ist neu, der Anspruch hoch: Ein interdisziplinäres Forum, in dem Fachleute aus Pharmaindustrie, Wissenschaft, Engineering und dem regulatorischen Umfeld aktuelle Herausforderungen der pharmazeutischen Wasseraufbereitung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten[1].

grayscale photography of metal pipesPhoto: Samuel Sianipar / Unsplash

Warum jetzt - und warum Frankfurt?

Die Frage, die dem Summit zugrunde liegt, ist so einfach wie dringlich: Wie lassen sich steigende regulatorische Anforderungen, Nachhaltigkeitsziele und technologische Innovationen in der Pharmawasseraufbereitung erfolgreich miteinander verbinden?[1] Eine Antwort darauf fällt schwer, wenn die beteiligten Disziplinen kaum miteinander reden.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Pharmaindustrie steckt in einer Phase, in der technologische Optionen und regulatorische Erwartungen gleichzeitig wachsen - und sich dabei nicht immer reibungslos ergänzen. Kaltes WFI, datenbasiertes Monitoring, Wasserrecycling: Jedes dieser Themen berührt sowohl die Compliance-Ebene als auch die operative Realität im Produktionsbetrieb. Genau an dieser Schnittstelle setzt der Summit an.

info Note

Pharma Water Summit | 15. Oktober 2026, 09:00–17:00 Uhr | DECHEMA-Haus, Theodor-Heuss-Allee 25, 60486 Frankfurt am Main. Die Teilnahme ist kostenfrei und richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Produktion, Technik, Qualitätssicherung, Validierung und Engineering.

Die Agenda: Sechs Themen, die den Alltag prägen

Im Mittelpunkt des Pharma Water Summit stehen GMP-Compliance, kaltes WFI, Digitalisierung, Online-Monitoring, Biofilme, Energieeffizienz sowie Wasserrecycling und Wasserwiederverwendung[1]. Das ist kein beliebiges Sammelsurium - es ist eine präzise Kartierung der Spannungsfelder, mit denen Betreiber von Pharmawassersystemen täglich konfrontiert sind.

Die Referenten werden die Auswirkungen regulatorischer Anforderungen auf die Betreiberpraxis diskutieren, systemische Risiken in Pharmawassersystemen beleuchten und den Einsatz moderner Technologien im Hinblick auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bewerten[1]. Ziel ist es, Betreibern und Planern langfristig tragfähige und unter GMP-Bedingungen belastbare Wege aufzuzeigen[1].

Themenfelder des Pharma Water Summit 2026
ThemaPraktische RelevanzRegulatorische Spannung
GMP-ComplianceGrundvoraussetzung für Zulassung und BetriebSteigende Anforderungen durch EU-GMP-Leitlinien
Kaltes WFIEnergieeinsparung gegenüber DestillationBiofilm-Risiko bei Membranverfahren erfordert konsequentes Hygienic Design
Online-MonitoringEchtzeit-Daten statt StichprobenDatenbasierte Entscheidungen bei mikrobiologischen Risiken regulatorisch noch nicht vollständig etabliert
BiofilmeKritische Kontaminationsquelle in VerteilsystemenNachweis und Entfernung methodisch anspruchsvoll
EnergieeffizienzKostendruck und ESG-ZieleEffizienzmaßnahmen dürfen Qualität nicht gefährden
WasserrecyclingRessourcenschonung und BetriebskostenGMP-konforme Wiederverwendung regulatorisch komplex

Kaltes WFI: Technologischer Fortschritt mit offenem Risikoregister

Kein Thema illustriert das Spannungsfeld zwischen Innovation und Regulatorik besser als kaltes WFI. Seit April 2017 erlaubt das Europäische Arzneibuch Membransysteme zur Erzeugung von kaltem Water for Injection als Alternative zur klassischen Destillation. Damit eröffnete sich für Pharmahersteller erstmals die Wahl zwischen zwei grundlegend verschiedenen Verfahren: dem thermischen Prozess der Destillation und membranbasierten Systemen auf Basis von Umkehrosmose, Elektrodeionisierung und Ultrafiltration.

Der wirtschaftliche Anreiz ist erheblich. Bei der Destillation muss Wasser verdampft und anschließend kondensiert werden - ein energieintensiver Prozess, der bei Membranverfahren entfällt. Ein Pharmahersteller konnte durch den Wechsel auf kaltes WFI rund 80 Prozent Energie im Vergleich zur Destillation einsparen. In Zeiten hoher Energiekosten ist das ein Argument, das Betriebsleiter und Einkäufer gleichermaßen überzeugt.

Doch die Technologie bringt ein eigenes Risikoregister mit. Bei kalten Membranverfahren - typischerweise im Temperaturbereich zwischen 15 und 25 Grad Celsius - ist das Risiko der Biofilmbildung deutlich höher als bei heiß betriebenen Destillationsanlagen. Gesamtanlagenausführung, Hygienic Design und konsequente Wartung gewinnen damit eine Bedeutung, die in der Betreiberpraxis nicht unterschätzt werden darf. Genau diese Fragen - Biofilm-Nachweis, Biofilm-Entfernung, mikrobiologisches Risikomanagement - stehen auf der Agenda des Pharma Water Summit.

Das Referentenfeld: Praxis trifft Grundlagenforschung

Was den Summit von einem klassischen Anbieter-Event unterscheidet, ist die Zusammensetzung des Referentenfeldes. Zu den bestätigten Referenten gehören Fritz Röder (Merck Healthcare KGaA), Jochen Schmidt-Nawrot (CRB Group GmbH), Prof. Dr. Hans-Curt Flemming, Niclas Pörtner (EnviroChemie) und Sandro Bauer (ifm) sowie weitere Fachleute aus Industrie, Wissenschaft und Anlagenbau[1].

Das ist eine ungewöhnliche Kombination: Ein Experte aus der Qualitätssicherung eines globalen Pharmaunternehmens sitzt neben einem Grundlagenforscher, der sich seit Jahrzehnten mit Biofilmen beschäftigt, neben einem Engineering-Spezialisten und einem Sensorik-Experten. Diese Konstellation ist kein Zufall - sie ist das eigentliche Konzept.

Die Geschäftsführung von EnviroFALK bringt es auf den Punkt: "Die Zukunft der Pharmawasseraufbereitung wird nicht allein durch Technologien geprägt. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Innovation, regulatorischen Anforderungen, praktischer Betriebserfahrung und wissenschaftlichen Erkenntnissen."[1]

Datenbasierte Entscheidungen: Potenzial und Grenzen

Ein weiterer Schwerpunkt des Summit ist das Online-Monitoring - und damit die Frage, was datenbasierte Entscheidungen in der Pharmawasseraufbereitung leisten können und wo ihre Grenzen liegen. Im Fokus stehen dabei praxisnahe Lösungsansätze für die Umsetzung regulatorischer Vorgaben sowie die Potenziale und Grenzen datenbasierter Entscheidungen - insbesondere bei der Bewertung mikrobiologischer Risiken[1].

Das ist eine ehrliche Fragestellung. Moderne Pharmawasservalidierung geht längst über statische Stichprobenprüfungen hinaus: Sie bewertet, wie ein System unter Routinebetrieb, saisonalen Schwankungen im Einspeisewasser, Wartungszyklen und Sanitisierungsroutinen reagiert. TOC-Werte, Leitfähigkeit, Temperatur, Druck, Volumenstrom, Ozongehalt und UV-Intensität sind die Messgrößen, die ein Pharmawassersystem in Echtzeit charakterisieren. Die Frage ist, wie diese Daten regulatorisch verwertbar gemacht werden - und wann sie allein nicht ausreichen.

Wasserrecycling: Nachhaltigkeit unter GMP-Bedingungen

Das dritte große Themenfeld ist Wasserrecycling und Wasserwiederverwendung. Für Pharmabetriebe ist das kein rein ökologisches Anliegen: Reinstwassersysteme verbrauchen erhebliche Mengen an Einspeisewasser, und die Wiederverwendung von Prozesswasser kann Betriebskosten signifikant senken. Die Herausforderung liegt in der GMP-konformen Ausgestaltung - denn jede Wiederverwendung muss dokumentiert, validiert und regulatorisch abgesichert sein.

Genau hier liegt der Mehrwert eines interdisziplinären Forums: Nachhaltigkeitsziele und Compliance-Anforderungen lassen sich nicht getrennt voneinander optimieren. Wer Wasserrecycling einführen will, braucht das Einverständnis der Qualitätssicherung, das Know-how der Anlagentechnik und ein Verständnis dafür, was Behörden bei einer Inspektion erwarten.

Was Betreiber mitnehmen können

Neben den Fachvorträgen bietet die Veranstaltung Raum für Diskussionen, Networking und den direkten Austausch mit Experten[1]. Die Teilnahme ist kostenfrei und richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Produktion, Technik, Qualitätssicherung, Qualitätskontrolle, Validierung und Engineering[1].

help_outlineWann und wo findet der Pharma Water Summit statt?expand_more

Der Pharma Water Summit findet am 15. Oktober 2026 von 09:00 bis 17:00 Uhr im DECHEMA-Haus, Theodor-Heuss-Allee 25, 60486 Frankfurt am Main statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

help_outlineWer veranstaltet den Pharma Water Summit?expand_more

Veranstalter ist EnviroFALK PharmaWaterSystems, Teil der EnviroWater Group mit Hauptstandort in Leverkusen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Produktionsanlagen für Purified Water, WFI und Reinstdampf in der Pharmaindustrie.

help_outlineWas ist kaltes WFI – und warum ist es ein Thema?expand_more

Kaltes WFI (Water for Injection) wird nicht durch Destillation, sondern durch Membranverfahren (Umkehrosmose, Elektrodeionisierung, Ultrafiltration) erzeugt. Seit April 2017 ist dieses Verfahren im Europäischen Arzneibuch zugelassen. Es bietet erhebliche Energieeinsparungen, erfordert aber konsequentes Hygienic Design, da das Biofilm-Risiko bei kalten Temperaturen höher ist als bei der Destillation.

help_outlineAn wen richtet sich die Veranstaltung?expand_more

Der Summit richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Produktion, Technik, Qualitätssicherung, Qualitätskontrolle, Validierung und Engineering – also an alle, die in Pharmabetrieben mit der Planung, dem Betrieb oder der Überwachung von Wassersystemen befasst sind.

help_outlineWelche Themen werden konkret behandelt?expand_more

Auf der Agenda stehen GMP-Compliance, kaltes WFI, Digitalisierung, Online-Monitoring, Biofilme, Energieeffizienz sowie Wasserrecycling und Wasserwiederverwendung. Im Fokus stehen praxisnahe Lösungsansätze und die Grenzen datenbasierter Entscheidungen bei mikrobiologischen Risiken.

Der Pharma Water Summit ist kein klassisches Produktseminar. Er ist ein Versuch, eine Branche, die an der Schnittstelle von Regulatorik, Wissenschaft und Betreiberpraxis arbeitet, in einen echten Dialog zu bringen. Ob das Format trägt, wird sich am 15. Oktober zeigen. Für Betreiber von Pharmawassersystemen, die mit den beschriebenen Fragen täglich konfrontiert sind, ist die Teilnahme in jedem Fall eine sinnvolle Investition - zumal sie nichts kostet außer einem Tag in Frankfurt.

  1. Neuer Branchendialog für Pharmawasser bringt Regulatorik, Forschung und Industrie zusammen
Julia Hartmann (KI)

Julia Hartmann (KI)

Ressortleiterin Forschung & Innovation

Physikerin mit Schwerpunkt Materialwissenschaften. Berichtet über F&E, Werkstoffforschung, Patente und Technologietransfer — mit Fokus auf den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis.