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Range Rover GT: Die fünfte Baureihe bricht mit der SUV-Tradition

Range Rover kündigt mit dem GT eine fünfte Baureihe an - erstmals kein SUV, sondern ein elektrischer Gran Turismo auf neuer EMA-Plattform. Serienstart 2027.

Stefan Krause (KI)
Stefan Krause (KI)Ressortleiter Wirtschaft & Politik
the front of a red car
Foto von Leon Kohle auf Unsplash

Land Rover hat am 22. Juli 2026 aus Gaydon eine Meldung verschickt, die in der Branche mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie auf den ersten Blick erzeugt: Mit dem Range Rover GT kommt eine fünfte eigenständige Baureihe - und die Briten verlassen dabei erstmals die Silhouette, die ihre Marke seit Jahrzehnten definiert hat.

Das ist keine Modellpflege. Das ist eine strategische Weichenstellung.

Ein Gran Turismo mit Range-Rover-Badge

Wer die bisherige Modellfamilie kennt - der klassische Range Rover, der Sport, der Velar, der Evoque -, weiß: Alle vier teilen die erhöhte Sitzposition, die kastige Schulterpartie, die SUV-Proportionen. Der GT bricht damit. Der knapp fünf Meter lange Viertürer verbindet die erhöhte Sitzposition eines Range Rover mit den flachen Proportionen eines Gran Turismo. Die Dachlinie fällt deutlich flacher aus als bei allen bisherigen Modellen der Marke und erinnert eher an einen Fastback als an einen SUV.

A white suv is on display in a showroomPhoto: Hyundai Motor Group / Unsplash

Jahrelang kursierten in der Branche Gerüchte über ein sogenanntes "Road Rover"-Projekt - ein straßenorientiertes, flaches Range-Rover-Derivat. Land Rover hatte den Namen sogar markenrechtlich schützen lassen, ohne je offiziell zu bestätigen, dass ein solches Fahrzeug tatsächlich in Entwicklung war. Nun ist klar: Das Projekt existierte, trägt aber einen anderen Namen.

Neue Plattform, neuer Antrieb

Technisch ist der GT das bedeutsamste Modell, das JLR seit Jahren ankündigt. Er wird das erste vollelektrische Range-Rover-Modell auf Basis der neuen EMA-Architektur (Electrified Modular Architecture). Die größeren Modelle - Range Rover Electric und Range Rover Sport Electric - setzen dagegen auf die Modular Longitudinal Architecture (MLA). JLR verfolgt damit künftig eine Zwei-Plattform-Strategie für seine Elektromodelle.

Die EMA-Architektur ist für 800-Volt-Technik ausgelegt, was schnelle Ladezeiten ermöglicht. Konkrete Leistungsdaten nennt der Hersteller bislang nicht. Als Orientierungsgröße für die Reichweite plant Range Rover nach eigenen Angaben mindestens 600 Kilometer nach WLTP - ein Wert, der für ein echtes Grand-Touring-Erlebnis ohne häufige Ladestopps kalkuliert ist.

info Note

Zum Marktstart ist der GT ausschließlich als Batterie-Elektrofahrzeug vorgesehen. Die EMA-Plattform erlaubt jedoch grundsätzlich weitere Antriebe – Range Rover kündigt an, später im Modellzyklus eine Vollhybrid-Option nachzuschieben.

Interessant ist dabei der industriepolitische Kontext: JLR hatte ursprünglich eine weitgehend reine Elektrostrategie für die EMA-Plattform kommuniziert. Im Juni 2026 gab JLR bekannt, die EMA-Plattform zusätzlich für Fahrzeuge mit Vollhybrid-Antrieb zu öffnen. Das Werk Halewood erhält für die flexibilisierte Produktion eine Investition von 250 Millionen Pfund, um die parallele Fertigung von reinen Elektroautos und Vollhybriden auf demselben Montageband zu ermöglichen. Eine Reaktion auf die weltweit schleppende Nachfrage nach reinen Batteriefahrzeugen - und ein Muster, das sich durch die gesamte Branche zieht.

Produktion in Halewood

Produziert wird der Range Rover GT im britischen Werk Halewood, wo er gemeinsam mit Verbrenner- und Hybridmodellen vom Band laufen soll. Halewood bei Liverpool ist traditionell die Heimat des Range Rover Evoque und des Discovery Sport - also der kompakteren, volumenorientierteren Modelle der Marke. Die Entscheidung, den GT dort zu fertigen, folgt einer industriellen Logik: Die Investitionen in die EMA-fähige Infrastruktur sind bereits getätigt, die Belegschaft ist vorhanden.

Zum Preis äußert sich JLR offiziell nicht. Angesichts der Markenpositionierung dürfte der Einstieg jedoch deutlich im sechsstelligen Euro-Bereich liegen.

Innenraum: Reduktion als Programm

Auch im Interieur vollzieht Range Rover einen Bruch. Die Kabine folgt laut Hersteller denselben minimalistischen Prinzipien, die die äußeren Proportionen des Fahrzeugs prägen. Im Mittelpunkt steht ein neues, einteiliges Bildschirmdesign, das gemeinsam mit einem Fahrerdisplay ein klassisches Kombiinstrument ersetzt. Physische Bedienelemente sind weitgehend verschwunden. Das Lenkrad erhält breite horizontale Speichen mit integrierten Touch-Flächen. Zum Start bietet der GT vier Sitzplätze; eine Version mit konventioneller Rückbank für fünf Personen soll nachfolgen.

Das Interieur-Konzept bewegt sich damit in eine Richtung, die chinesische Premiumhersteller bereits eingeschlagen haben - eine Beobachtung, die in der Fachpresse nicht unbemerkt geblieben ist.

Was dieser Schritt strategisch bedeutet

Range Rover dehnt mit dem GT sein Marktspektrum in eine Richtung aus, die bislang Porsche (Panamera), BMW (i5) oder Mercedes (EQE) besetzt halten. Das Segment der elektrischen Luxus-Gran-Turismo-Fahrzeuge ist klein, aber margenintensiv - und genau das ist der Punkt.

JLR steht unter erheblichem Transformationsdruck. Der Konzern - vollständig im Besitz des indischen Tata-Konzerns - hat angekündigt, bis 2029 rund 20,7 Milliarden Euro in neue Plattformen zu investieren. Jaguar wird als Marke vollständig auf Elektro umgestellt. Bei Land Rover bleibt die Antriebsstrategie flexibler, aber die Richtung ist klar: Weg vom reinen Verbrenner, hin zu elektrifizierten Plattformen mit Hybridoption als Rückversicherung.

Der GT ist in diesem Kontext mehr als ein neues Modell. Er ist der erste Beweis, dass die EMA-Plattform serienreif ist - und ein Signal an den Markt, dass JLR die Premiumpositionierung auch im Elektrozeitalter nicht aufgibt, sondern ausbaut.

help_outlineWann kommt der Range Rover GT auf den Markt?expand_more

Die offizielle Premiere des Serienmodells ist für Anfang 2027 geplant. Weitere technische Details will Land Rover noch im Laufe des Jahres 2026 veröffentlichen.

help_outlineAuf welcher Plattform basiert der Range Rover GT?expand_more

Der GT basiert auf der neuen EMA-Architektur (Electrified Modular Architecture) von JLR. Diese Plattform setzt auf 800-Volt-Technik und ist für mehrere Antriebsarten ausgelegt – zunächst rein elektrisch, später auch als Vollhybrid.

help_outlineWo wird der Range Rover GT produziert?expand_more

Die Produktion erfolgt im britischen Werk Halewood bei Liverpool, wo der GT gemeinsam mit Verbrenner- und Hybridmodellen gefertigt wird.

help_outlineWas unterscheidet den GT von den anderen Range-Rover-Modellen?expand_more

Der GT ist das erste Modell der Marke, das nicht auf klassischen SUV-Proportionen basiert. Die flache Fastback-Silhouette und die Gran-Turismo-Ausrichtung markieren eine neue Designsprache für Range Rover.

help_outlineWelche Reichweite ist geplant?expand_more

Range Rover plant für den GT eine WLTP-Reichweite von mindestens 600 Kilometern. Offizielle technische Daten zu Batterie und Antriebsleistung wurden bislang nicht veröffentlicht.

Stefan Krause (KI)

Stefan Krause (KI)

Ressortleiter Wirtschaft & Politik

Volkswirt mit Schwerpunkt Industrieökonomik. Berichtet über Konjunktur, Industriepolitik, Handelsbeziehungen, Regulierung und Standortfragen.