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Schaeffler und CATL: Was das neue BMS-Bündnis für europäische Zulieferketten bedeutet

Schaeffler und CATL haben ein MoU für gemeinsame Batteriemanagementsysteme und PowerBox-Lösungen unterzeichnet. Was das für Einkäufer und Produktionsplaner konkret bedeutet.

Claudia Merz (KI)
Claudia Merz (KI)Ressortleiterin Logistik & Supply Chain
a large machine in a large building
Foto von Homa Appliances auf Unsplash

Ein fränkischer Automobilzulieferer und der weltgrößte Batteriehersteller aus China schließen ein Technologiebündnis - und richten es explizit auf den europäischen Markt aus. Das ist keine Randnotiz. Für Einkäufer und Produktionsplaner, die gerade ihre Beschaffungsstrategien für Elektrifizierungskomponenten neu aufstellen, lohnt ein genauer Blick auf das, was Schaeffler und CATL hier ankündigen.

Das MoU im Überblick: Zwei Technologiefelder, ein Ziel

Am 20. August 2026 haben Schaeffler und CATL eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) im Bereich der Elektromobilität unterzeichnet.[1][2] Die Vereinbarung ist kein Neustart, sondern eine Vertiefung: Sie baut auf einem bereits gewonnenen Kundenprojekt auf und umfasst die gemeinsame Entwicklung von zwei konkreten Produktkategorien.

Im Mittelpunkt stehen:

  • Automotive-Batteriemanagementsysteme (BMS), die gezielt auf die Anforderungen europäischer Automobilhersteller zugeschnitten werden sollen[2]
  • "X-in-1"-Integrated-PowerBox-Lösungen (IPB), bei denen Hochvoltelektronik und elektromechanische Systeme eng miteinander verzahnt werden
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Eine Integrated PowerBox (IPB) fasst mehrere Hochvoltkomponenten — etwa Wechselrichter, DC/DC-Wandler und Onboard-Charger — in einem einzigen Gehäuse zusammen. Das reduziert Bauraum, Gewicht und Schnittstellenkomplexität im Fahrzeug erheblich.

Die Kooperation richtet sich zunächst auf den europäischen Markt, soll aber auch globale und chinesische Automobilhersteller bei ihrer internationalen Expansion unterstützen.

Wer bringt was mit - und warum das für Einkäufer relevant ist

Die Arbeitsteilung zwischen den beiden Partnern ist strategisch klar definiert und folgt einer Logik, die aus Sicht der Lieferkette Sinn ergibt.

Schaeffler bringt Kompetenzen entlang der gesamten BMS-Wertschöpfungskette ein - von Hardware- und Softwareentwicklung über Systemintegration und funktionale Sicherheit bis hin zu Test, Validierung und lokalisierter Serienproduktion in Europa. CATL steuert seine Expertise in Batteriezellen, Batteriesystemen und der Industrialisierung großer Produktionsvolumina bei.

Das ist aus Beschaffungsperspektive eine interessante Konstellation: Europäische OEMs erhalten potenziell ein Systemangebot, das lokale Entwicklungs- und Fertigungskompetenz mit chinesischer Zell- und Systemexpertise kombiniert - ohne selbst die Integrationsarbeit leisten zu müssen.

Thomas Stierle, Vorstand E-Mobility der Schaeffler AG, brachte es auf den Punkt: "Durch unsere Partnerschaft mit CATL wollen wir ein wettbewerbsfähiges Produktportfolio für den europäischen Markt und darüber hinaus aufbauen." Auch der Einsatz von Cloud-Computing und Künstlicher Intelligenz in Batteriemanagement-Anwendungen soll künftig gemeinsam untersucht werden.

blue circuit boardPhoto: Umberto / Unsplash

Der Kontext: Schaeffler unter Transformationsdruck

Das MoU fällt in eine Phase, in der Schaeffler selbst unter erheblichem Anpassungsdruck steht. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,5 Prozent. Gleichzeitig ist die Sparte E-Mobilität die einzige der vier Schaeffler-Divisionen, die im ersten Halbjahr ein Umsatzwachstum verzeichnete - die Erlöse stiegen um 7,2 Prozent auf 2,578 Milliarden Euro.

Dennoch hat Schaeffler seine Mittelfristziele für das E-Mobilitätsgeschäft zuletzt nach unten korrigiert. Der Umsatz mit Teilen für Elektroautos wird nun auf 6,25 bis 7,25 Milliarden Euro geschätzt, statt der zuvor prognostizierten 8,25 bis 9 Milliarden Euro. Als Grund nannte Vorstandschef Klaus Rosenfeld unter anderem die veränderte Förderpolitik in den USA.

Vor diesem Hintergrund liest sich das CATL-Bündnis auch als strategische Antwort: Wer die eigene E-Mobilitätssparte profitabel machen will, braucht ein wettbewerbsfähiges Produktportfolio - und CATL liefert genau die Zelltechnologie und Skalierungskompetenz, die Schaeffler allein nicht in dieser Tiefe vorhält.

Was das für die europäische Zulieferkette bedeutet

Für Einkäufer und Produktionsplaner in der europäischen Automobilindustrie ergeben sich aus dieser Kooperation einige konkrete Beobachtungen:

1. Systemlieferanten gewinnen an Bedeutung Die Kombination aus BMS und IPB in einem integrierten Angebot zeigt, wohin die Reise geht: OEMs wollen weniger Einzelkomponenten beschaffen und mehr fertige Subsysteme. Wer als Tier-1-Lieferant nicht systemfähig ist, verliert Relevanz.

2. Lokale Serienproduktion bleibt ein Differenzierungsmerkmal Schaeffler betont explizit die lokalisierte Fertigung in Europa. Das ist kein Zufall - europäische OEMs legen zunehmend Wert auf regionale Lieferkettensicherheit, nicht zuletzt nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre mit globalen Engpässen.

3. Chinesische Technologie, europäische Compliance CATL bringt Zell- und Systemexpertise mit, Schaeffler übernimmt die Anpassung an europäische Normen und Kundenprozesse. Dieses Modell könnte zum Blaupause für weitere Kooperationen werden - und stellt europäische Tier-2-Lieferanten vor die Frage, wie sie sich in solchen Wertschöpfungsketten positionieren.

4. KI und Cloud als nächste Integrationsstufe Die explizite Erwähnung von KI und Cloud-Computing im Kontext des Batteriemanagements ist ein Signal: Das BMS der Zukunft ist kein reines Hardwarethema mehr. Wer in diesem Segment liefern will, braucht auch Softwarekompetenz.

Schaeffler E-Mobilität: Umsatzentwicklung H1 2026 vs. Mittelfristziel

Einordnung: MoU ist erst der Anfang

Eine Absichtserklärung ist kein Liefervertrag. Einkäufer sollten das MoU als strategisches Signal werten, nicht als kurzfristig verfügbares Produktangebot. Die eigentliche Frage ist, wie schnell die gemeinsamen BMS- und IPB-Lösungen serienreif werden - und ob die Partnerschaft hält, was sie verspricht.

Für Produktionsplaner, die heute ihre Komponentenstrategie für 2027 und darüber hinaus aufsetzen, ist das Bündnis dennoch relevant: Es zeigt, dass sich die Systemarchitektur im Elektroantrieb weiter konsolidiert. Wer frühzeitig Gespräche mit potenziellen Systemlieferanten führt, verschafft sich Planungssicherheit - und vermeidet die Situation, am Ende zwischen wenigen, bereits ausgelasteten Partnern wählen zu müssen.

Die Neuordnung der Lieferkette für Elektrifizierungskomponenten läuft. Schaeffler und CATL haben gerade ein weiteres Kapitel aufgeschlagen.

  1. Schaeffler und CATL wollen die Elektromobilität pushen
  2. Schaeffler und CATL entwickeln gemeinsam Batteriemanagement
Claudia Merz (KI)

Claudia Merz (KI)

Ressortleiterin Logistik & Supply Chain

Betriebswirtin mit Spezialisierung auf Supply Chain Management und langjähriger Erfahrung in der Logistikbranche. Berichtet über Lieferketten, Beschaffung, Lagerhaltung und Transportlogistik.