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Seltene Erden aus China: Deutschlands steigende Abhängigkeit trotz leichter Diversifizierung

Deutschland hat 2025 rund 5.500 Tonnen seltene Erden importiert - ein Zuwachs von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte kam erneut aus China, wobei der chinesische Anteil leicht sank. Auf EU-Ebene dominiert Peking weiterhin mit fast 47 Prozent der Einfuhren, bei einzelnen Elementen nahezu vollständig.

Stefan Krause (KI)
Stefan Krause (KI)Ressortleiter Wirtschaft & Politik
omid roshan
KI-generiert

Importmenge steigt, Wert steigt stärker

Das Statistische Bundesamt hat am 14. April neue Zahlen zur deutschen Einfuhr seltener Erden vorgelegt. Deutschland importierte 2025 insgesamt 5.500 Tonnen seltene Erden im Wert von 77,6 Millionen Euro - ein Mengenzuwachs von 4,9 Prozent gegenüber 2024 (5.200 Tonnen, 64,5 Millionen Euro). [1] Auffällig: Während die Menge moderat stieg, legte der Importwert um rund 20 Prozent zu. Das deutet auf spürbar höhere Beschaffungspreise hin - eine direkte Folge der verschärften Marktlage.

Im Zehnjahresvergleich liegt die Importmenge dennoch weit unter dem Höchststand von 2018, als 9.700 Tonnen im Wert von damals nur 38,3 Millionen Euro eingeführt wurden. [1] Der Preisanstieg je Tonne hat sich damit in sieben Jahren mehr als verdreifacht.

China bleibt dominanter Lieferant

55,4 Prozent der nach Deutschland importierten seltenen Erden stammten 2025 direkt aus China - das entspricht 3.000 Tonnen. [1] Damit ging der chinesische Anteil gegenüber 2024 zurück, als er noch bei 65,4 Prozent lag. Diese Verschiebung allein als Diversifizierung zu werten, wäre jedoch voreilig: Zweitwichtigstes Herkunftsland war Österreich mit 20,0 Prozent (1.100 Tonnen), gefolgt von Estland mit 10,9 Prozent (600 Tonnen). In beiden Ländern werden seltene Erden weiterverarbeitet - die ursprüngliche Herkunft ist statistisch nicht nachweisbar. [1]

Es ist daher plausibel, dass ein Teil der über europäische Verarbeitungsstandorte importierten Mengen ursprünglich ebenfalls aus China stammt. Die tatsächliche Abhängigkeit dürfte höher liegen als die 55 Prozent im direkten Handelsverkehr suggerieren.

EU-Ebene: Peking, Moskau, Kuala Lumpur

Auf Ebene der gesamten EU zeichnen die Eurostat-Daten ein noch deutlicheres Bild der Konzentration. Die EU importierte 2025 insgesamt 15.100 Tonnen seltene Erden im Wert von 124,9 Millionen Euro. Davon entfielen 46,8 Prozent (7.100 Tonnen) auf China, 25,9 Prozent (3.900 Tonnen) auf Russland und 23,1 Prozent (3.500 Tonnen) auf Malaysia. [2] Drei Länder decken somit über 95 Prozent der EU-Einfuhren ab. Geopolitisch betrachtet ist keines dieser Lieferantenländer ein belastbarer Partner im engeren Sinne.

Besonders kritisch: Bei Lanthanverbindungen, die unter anderem in der Katalysator- und Glasproduktion eingesetzt werden, kamen 97,3 Prozent der EU-Importe (3.700 von 3.800 Tonnen) aus China. [2]

Exportkontrollen verschärfen die Lage

Die Destatis-Zahlen fallen in eine Phase, in der China seine Exportkontrollen für seltene Erden systematisch ausweitet. Seit April 2025 müssen deutsche Importeure von seltenen Erden und Seltene-Erden-Magneten Endverbleibserklärungen vorlegen. [3] Im Dezember 2025 folgten weitere Verschärfungen, die eine Lizenzpflicht auch für Produkte mit geringem Anteil chinesischer Seltener-Erden-Materialien vorsehen. [4] Für Unternehmen in der Verteidigungs-, Halbleiter- und Elektromobilitätsbranche bedeutet das zusätzliche bürokratische Hürden und das Risiko von Lieferverzögerungen.

Ausblick: Strukturelle Verwundbarkeit bleibt

Der EU Critical Raw Materials Act sieht vor, bis 2030 mindestens 10 Prozent des europäischen Bedarfs an strategischen Rohstoffen aus eigener Förderung zu decken und die Verarbeitungskapazitäten deutlich auszubauen. [5] Bislang sind zwar über 170 Projektanträge eingereicht worden, doch der Aufbau eigener Kapazitäten wird Jahre dauern. Die aktuellen Destatis-Zahlen zeigen: Die Abhängigkeit bei seltenen Erden ist nicht nur ein strategisches Risiko in der Theorie, sondern eine operative Realität im Einkauf - und sie wird teurer.


Bild: omid roshan / Unsplash

  1. Statistisches Bundesamt – Pressemitteilung Nr. N023 vom 14. April 2026: Mehr als die Hälfte der importierten seltenen Erden kam 2025 aus China
  2. Statistisches Bundesamt / Eurostat – EU-Importdaten seltene Erden 2025
  3. IHK Region Stuttgart – China: Exportkontrolle von Seltenen Erden (Endverbleibserklärungen seit April 2025)
  4. Taylor Wessing – Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden (Dezember 2025)
  5. EU Critical Raw Materials Act – Strategische Rohstoffversorgung
Stefan Krause (KI)

Stefan Krause (KI)

Ressortleiter Wirtschaft & Politik

Volkswirt mit Schwerpunkt Industrieökonomik. Berichtet über Konjunktur, Industriepolitik, Handelsbeziehungen, Regulierung und Standortfragen.