Deutsche Touristen sind bekanntlich Weltmeister im Reisen. Mit fast 112 Milliarden US-Dollar Tourismusausgaben liegt Deutschland im globalen Ranking auf Platz drei - hinter den USA und China. Spanien, Türkei, Griechenland, Thailand: Die Hitlisten für 2026 lesen sich wie immer. Und doch gibt es ein Ziel, das in keiner deutschen Reisestatistik auch nur annähernd auftaucht - obwohl es sich gerade in einem der größten touristischen Transformationsprozesse der Welt befindet.[1]
Das Ziel heißt Saudi-Arabien.
Türkei, Spanien, Griechenland - und sonst?
Das beliebteste Sommerreiseziel der Deutschen in der Zeit zwischen Mai und Oktober ist nach aktuellem Stand die Türkei - sowohl was den Umsatz als auch was die Anzahl gebuchter Reisen betrifft - dicht gefolgt von Spanien und Griechenland. Thailand bleibt auf Platz eins der Fernreiseziele. Das Muster ist stabil, fast schon reflexartig.
Griechenland ist in wenigen Flugstunden erreichbar, touristisch gut eingespielt und bietet fast jede Variante. Zugleich suchen viele Reisende in unsicheren Zeiten eher nach bekannten Zielen als nach Experimenten. Das ist nachvollziehbar - aber es erklärt auch, warum ein Ziel wie Saudi-Arabien systematisch aus dem Blickfeld fällt.
Der Iran-Schock und seine Nebenwirkungen
Der Sommer 2026 steht unter einem besonderen Vorzeichen. Die zunehmende Unsicherheit in der Weltlage trifft auch Reiseveranstalter, für die der internationale Tourismus weniger langfristig planbar wird. Das Geschäftsklima laut ifo-Index lag im Februar noch bei minus 14,8 Punkten - und sank im März auf minus 41,7 Punkte.
Die Stimmung in der deutschen Reisebranche hat sich wegen des Iran-Kriegs deutlich eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima von Reisebüros und Reiseveranstaltern fiel im Juni auf minus 32,0 Punkte, von minus 30,3 Zählern im Mai. Zum Vergleich: Vor Beginn der Eskalation im Nahen Osten im Februar waren es noch minus 15,6 Punkte.
"Viele Reisende waren besonders zu Beginn des Iran-Konflikts in ihren Urlaubsplänen verunsichert", sagte ifo-Branchenexperte Patrick Höppner. Nachholeffekte könnten die Folge sein. "Reisende, die im Frühjahr die Urlaubsbuchung aufgeschoben haben, können sich zur Sommerhauptreisezeit noch für eine kurzfristige Buchung oder einen Last-Minute-Urlaub entscheiden."
Die Konsequenz: Wer zögerte, bucht jetzt - und greift dabei fast zwangsläufig zu den bekannten Zielen. Saudi-Arabien taucht in dieser Reflexreaktion nicht auf.
Der Iran-Krieg hat die Flugkerosinpreise deutlich erhöht und wichtige Transitdrehkreuze im Nahen Osten zeitweise lahmgelegt. Das hat das Buchungsverhalten der Deutschen 2026 stark in Richtung vertrauter Ziele gelenkt — und den Blick auf neue Destinationen weiter verengt.
Saudi-Arabien: Das schnellste Tourismuswachstum unter den G20-Staaten
Während deutsche Urlauber die Türkei und Griechenland überrennen, vollzieht sich in Saudi-Arabien eine touristische Transformation, die in ihrer Geschwindigkeit kaum Parallelen hat.
Saudi-Arabien war laut UN World Tourism Barometer das am schnellsten wachsende G20-Land im Tourismus - mit einem Anstieg der internationalen Touristenankünfte von 73 Prozent in den ersten sieben Monaten 2024 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019. Das Königreich hat sich im UN World Tourism Barometer als das am schnellsten wachsende G20-Land etabliert. Das Barometer zeigt für die ersten sieben Monate 2024 im Vergleich zum selben Zeitraum 2019 einen 73-prozentigen Anstieg bei der Ankunft internationaler Touristen. Dies spiegelt den Erfolg der ehrgeizigen Tourismusstrategie im Rahmen von Vision 2030 wider.
Saudi-Arabien knüpft an ein Rekordjahr an: 2025 reisten 122 Millionen Besucher ins Land - fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ausgaben der Reisenden überstiegen dabei die Marke von 68 Milliarden Euro.
Die Tourismuseinnahmen Saudi-Arabiens stiegen 2024 um 148 Prozent im Vergleich zu 2019. Tourismus wurde ein bedeutender Beitrag zum saudischen BIP, mit Einnahmen aus dem Sektor, die um 148 Prozent im Vergleich zu 2019 stiegen.
Diese Zahlen sind keine Marketingprosa. Sie sind das Ergebnis einer staatlichen Strategie, die das Königreich seit 2016 konsequent umsetzt.
Vision 2030: Mehr als Megaprojekte
Noch vor wenigen Jahren war Saudi-Arabien für Touristen kaum zugänglich: Reich an Geschichte und Kultur, aber durch strenge Regeln, wenig Infrastruktur und das Image einer geschlossenen Gesellschaft geprägt. Doch seit Kronprinz Mohammed bin Salman 2016 seine "Vision 2030" vorstellte, befindet sich das Königreich in einem unaufhaltsamen Entwicklungsprozess und öffnet sich schrittweise der Welt.
Das stabile Visaerleichterungsprogramm, einschließlich der Ausweitung des e-Visa-Systems, hat Millionen von internationalen Touristen angezogen. Die Investition in transformative Projekte wie das Rotes-Meer-Projekt, NEOM und Diriyah hat das Tourismuswachstum zusätzlich angekurbelt.
In Saudi-Arabien gibt es acht UNESCO-Welterbestätten und 13 internationale Flughäfen. Das ist eine Infrastruktur, die viele als überraschend robust wahrnehmen dürften.
Photo: BENOIT LAMARCHE / UnsplashSaudi-Arabien bietet Reisenden Erlebnisse, die nicht vom Massentourismus bestimmt werden. Eine Reise dorthin ist aktuell an Exklusivität kaum zu übertreffen, denn einen Mainstream gibt es nicht. Das Land befindet sich mitten im Wandel - touristisches Neuland mit einer landschaftlichen Kulisse voller Extreme und faszinierender Schönheit.
Warum das Ziel trotzdem kaum gebucht wird
Die Erklärung ist nicht schwer zu finden. Obwohl der Tourismus in Saudi-Arabien immer noch hauptsächlich aus religiösen Pilgerfahrten besteht, wächst der Freizeittourismus und wird durch den Bau von Hotelkapazität gezielt gefördert. Das Image des Landes in Deutschland ist jedoch noch stark durch die alte Wahrnehmung geprägt: geschlossene Gesellschaft, Restriktionen, kein klassisches Urlaubsziel.
Hinzu kommt der Kontext des Iran-Kriegs: Geopolitische Unsicherheiten im Nahen Osten lassen viele Deutsche reflexartig auf sichere, bekannte Ziele ausweichen - auch wenn Saudi-Arabien von den Konfliktzonen geografisch weit entfernt und touristisch stabil ist.
Die saudische Tourismusbehörde plant, die Zusammenarbeit mit globalen Partnern weiter auszubauen. Im Mittelpunkt stehen die Stärkung der Markenbekanntheit, die Vertiefung der Marktpräsenz und die konsequente Umwandlung steigender Nachfrage in konkrete Buchungen. Der deutsche Markt gilt dabei als strategisch relevant - aber noch kaum erschlossen.
2026 als Wendepunkt?
Saudi-Arabien trägt 2030 die Expo in Riad aus - ein Großereignis, das die touristische Infrastruktur des Landes weiter beschleunigt. Saudi-Arabien hat ein klares Ziel: 2030 trägt das Königreich in Riad die Expo aus. Deshalb lohnt es sich, Saudi-Arabien in 2026 als Reiseziel zu planen.
Das Land will bis zum Ende des Jahrzehnts 150 Millionen internationale Touristen anziehen - und übertrifft damit das bisherige Ziel von 100 Millionen.
Für Reisende, die 2026 ein Ziel suchen, das weder überfüllt noch abgenutzt ist, ergibt sich daraus eine seltene Gelegenheit: ein Land im Aufbruch, mit einer Infrastruktur, die gerade erst auf Hochtouren kommt - und einer Reisedichte, die noch weit unter dem liegt, was Santorini oder Kreta im August bieten.
Das ist das Ziel, das niemand auf dem Schirm hat.[1]
Brauchen Deutsche ein Visum für Saudi-Arabien?
Seit der Einführung des e-Visa-Systems können deutsche Staatsbürger ein Touristenvisum online beantragen. Das Verfahren ist unkompliziert und dauert in der Regel wenige Werktage.
Ist Saudi-Arabien 2026 ein sicheres Reiseziel?
Saudi-Arabien liegt geografisch abseits der Konfliktzonen des Iran-Kriegs. Das Auswärtige Amt gibt für touristische Regionen wie Riad, Dschidda und Al-Ula keine generelle Reisewarnung heraus. Aktuelle Hinweise sollten vor Reiseantritt geprüft werden.
Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Saudi-Arabien?
Das Land verfügt über acht UNESCO-Welterbestätten, darunter die nabatäischen Felsengräber von Hegra (Al-Ula), die historische Altstadt von Dschidda und die archäologische Stätte Hail. Hinzu kommen moderne Projekte wie das Rote-Meer-Resort und die Kulturstadt Diriyah bei Riad.
Warum ist Saudi-Arabien noch kein Mainstream-Reiseziel für Deutsche?
Das Image des Landes ist in Deutschland noch stark durch die Wahrnehmung einer geschlossenen Gesellschaft geprägt. Zudem fehlt es an Direktflugverbindungen aus deutschen Regionalflughäfen und an etablierten Pauschalreiseangeboten. Die saudische Tourismusbehörde arbeitet aktiv daran, diese Lücken zu schließen.





