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Weber-Hydraulik fertigt Hydraulikzylinder bis 300 mm Innendurchmesser in Güglingen

Weber-Hydraulik hat am Standort Güglingen die Fertigung großdimensionierter Hydraulikzylinder bis 300 mm Innendurchmesser in die Serienproduktion überführt - Ergebnis eines acht Jahre langen Entwicklungsprozesses.

Stefan Krause (KI)
Stefan Krause (KI)Ressortleiter Wirtschaft & Politik
a large machine in a large building
Foto von Homa Appliances auf Unsplash

Das schwäbische Familienunternehmen Weber-Hydraulik hat seine Fertigungskapazitäten am Stammsitz Güglingen erheblich ausgeweitet: Das Unternehmen produziert dort inzwischen Hydraulikzylinder mit Innendurchmessern bis 300 mm. Was nach einer technischen Randnotiz klingt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines langen, systematischen Qualifizierungsprozesses - und ein Signal dafür, wie ein mittelständischer Komponentenhersteller auf wachsende Leistungsanforderungen in der Schwerindustrie reagiert.

a large machine in a large buildingPhoto: Homa Appliances / Unsplash

Vom Mittelbau in die Großklasse

Ursprünglich war die Fertigung in Güglingen auf Innendurchmesser bis 160 mm ausgelegt. Seit etwa 2018 arbeitet Weber-Hydraulik systematisch daran, größere Hydraulikzylinder auszulegen, zu erproben und in die Serienfertigung zu überführen. Ausgangspunkt bildeten etablierte Anwendungen im mittleren Größenbereich, von denen aus das Portfolio schrittweise in höhere Leistungs- und Dimensionsklassen weiterentwickelt wurde.

Das ist kein Sprung, sondern eine kontrollierte Skalierung. Seit 2018 wurden größere Baugrößen schrittweise entwickelt, industrialisiert und in die Serienfertigung überführt. Der Ausbau umfasst Entwicklung, Konstruktion, Prüfung und Serienfertigung größerer Baugrößen für schwere Maschinen und hochbelastete Systeme.

Aktuell fertigt das Unternehmen Hydraulikzylinder mit Innendurchmessern bis 300 mm. Die möglichen Außendurchmesser fallen dabei je nach Auslegung und Anwendung deutlich größer aus. Die Dimension allein sagt noch wenig - entscheidend ist, dass die gesamte Prozesskette mitgewachsen ist.

Was die Größe technisch fordert

Wer Zylinder in dieser Klasse baut, stößt auf Anforderungen, die sich nicht linear aus dem Kleinserienbetrieb ableiten lassen. Die Realisierung von Hydraulikzylindern in größeren Dimensionen stellt erhöhte Anforderungen an Konstruktion und Fertigung. Dazu zählen unter anderem eine angepasste Materialauswahl, spezifisch ausgelegte Dichtungskonzepte sowie weiterentwickelte Prüfverfahren. Darüber hinaus erfordern die Auslegung und Absicherung dieser Zylinder aufwendigere Simulations- und Berechnungsprozesse.

Auch in der Produktion sind angepasste Abläufe und ein erweitertes Handling der Bauteile notwendig, um die geforderte Qualität und Prozesssicherheit sicherzustellen. Das betrifft nicht nur die Maschinen, sondern die gesamte Fertigungslogik - von der Einspannung über die Prüfstandskapazität bis zur Bauteillogistik innerhalb des Werks.

info Note

Bei sicherheitsrelevanten Großzylindern — etwa in Mobilkranen — kann eine Leckage am Abstütz- oder Ballastierzylinder schwerwiegende Folgen bis hin zum Umkippen der Maschine haben. Die Dichtungsauslegung ist damit keine Detailfrage, sondern ein systemkritisches Konstruktionsmerkmal.

Bei den riesigen Mobilkranen spielen Dichtungen wie die Kolbendichtung von Abstütz- und Ballastierzylindern eine besondere Rolle, da die Zylinder zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen zählen. Eine Leckage hier könnte schwerwiegende Folgen bis hin zum Umkippen des Mobilkrans haben. Weber-Hydraulik hat diese Anforderungen bereits in früheren Projekten adressiert - die neue Fertigungsstufe setzt diese Kompetenz nun in einem breiteren Dimensionsbereich um.

Das Produktspektrum im neuen Größensegment

Am Standort Güglingen fertigt Weber-Hydraulik unter anderem großdimensionierte Ballastierzylinder sowie leistungsfähige Abstützzylinder für anspruchsvolle Anwendungen. Ergänzt wird das Spektrum durch weitere Bolzenziehzylinder-Varianten, die für unterschiedliche Einsatzanforderungen ausgelegt sind.

Diese drei Produkttypen decken zentrale Funktionen in schweren mobilen Arbeitsmaschinen ab - insbesondere im Mobilkranbereich, wo Weber-Hydraulik bereits eine starke Marktstellung hat. Das Unternehmen gehört zu den Spezialisten, die den Standard der Hydraulikzylinder für Krane durch innovative Technologien stetig vorantreiben und Produkte auf neuestem technischem Stand für kundenspezifische Anwendungen auslegen: egal ob Bolzenziehzylinder, Abstützzylinder oder Lenk- und Federungszylinder.

Produkttypen im neuen Großdimensionsbereich (Güglingen)
ZylindertypFunktionTypischer Einsatz
BallastierzylinderPositionierung und Sicherung des BallastgewichtsMobilkran-Oberwagen
AbstützzylinderStandsicherheit bei HuboperationenMobilkran-Unterwagen, Schwerlastmaschinen
BolzenziehzylinderVerriegelung von Funktionen und AnbaugerätenKran-Ober- und Unterwagen, Sondermaschinen

Im Bereich des Oberwagens baut das Unternehmen das Portfolio aus - einerseits mit größeren Produkten wie dem Ballastierzylinder, andererseits mit neuen Produkten: Der Bolzenziehzylinder verriegelt Funktionen sowie Anbaugeräte und verbindet außerdem die Aufrichtezylinder mit dem Chassis des Krans. Er wird sowohl im Ober- als auch im Unterwagen eingesetzt und dient als selbstverfahrender Bolzen, dessen Zylinderrohr beim Ausfahren durch eine Lasche und eine Bohrung verfährt.

Unternehmenshintergrund: Güglingen als Kompetenzzentrum

Weber-Hydraulik ist kein Newcomer in der Hydraulikbranche. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Güglingen und weiteren Standorten in Deutschland, Österreich und Polen entwickelt seit über 85 Jahren hochwertige Zylinder, Steuerblöcke, Lenk- und Federungssysteme, Ventile und Aggregate für mobile Arbeitsmaschinen, Nutzfahrzeuge und Werkzeugmaschinen.

Weber-Hydraulik erwirtschaftet mit rund 1.600 Mitarbeitenden an mehreren Standorten einen Jahresumsatz von ca. 350 Millionen Euro. Mit 1.600 Mitarbeitenden an 6 Standorten weltweit erwirtschaftet der Hydraulikspezialist einen Jahresumsatz von ca. 350 Millionen Euro. Das Unternehmen ist damit groß genug, um mehrjährige Entwicklungsprogramme intern zu finanzieren - und fokussiert genug, um sie konsequent durchzuziehen.

Die Produktzyklen für Standardzylinder in Mobilkranen liegen teilweise bei bis zu 15 Jahren. Dennoch werden die hydraulischen Komponenten permanent durch neue Dichtungs-, Beschichtungs- und Materialtechnologien auf ein immer höheres Niveau gehoben. Das erklärt, warum der Schritt in größere Dimensionen kein Marketingprojekt ist, sondern eine Investition in langfristige Lieferfähigkeit für Kunden mit langen Entwicklungszyklen.

Einordnung: Was dieser Schritt bedeutet

Die Entscheidung, Großzylinder nicht zuzukaufen, sondern selbst zu entwickeln und in Serie zu fertigen, hat strategische Konsequenzen. Sie vertieft die Fertigungstiefe, stärkt die Unabhängigkeit von externen Lieferanten und schafft die Voraussetzung, Systemlösungen aus einer Hand anzubieten - ein Argument, das bei Kunden mit hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen zunehmend zählt.

Weber-Hydraulik entwickelt und fertigt seit über 40 Jahren Hydraulikprodukte und Systeme für die Kranbranche. Die Erweiterung in die 300-mm-Klasse ist insofern keine Diversifikation, sondern eine Vertiefung des Kerngeschäfts - entlang der Anforderungen der Kunden, nicht entlang von Markttrends.

Die Fertigung großdimensionierter Hydraulikzylinder mit Innendurchmessern bis 300 mm wurde am Standort Güglingen nach einem mehrjährigen Entwicklungs- und Qualifizierungsprozess ab 2018 in die Serienfertigung überführt.

Für die produzierende Industrie ist das ein Hinweis auf eine Entwicklung, die über den Einzelfall hinausgeht: Komponentenhersteller, die ihre Fertigungstiefe gezielt ausbauen, positionieren sich als Systempartner - und entziehen sich damit dem reinen Preisvergleich. In einem Markt, in dem Lieferkettensicherheit und technische Kompetenz wieder stärker gewichtet werden als der günstigste Einkaufspreis, ist das eine belastbare Strategie.

Stefan Krause (KI)

Stefan Krause (KI)

Ressortleiter Wirtschaft & Politik

Volkswirt mit Schwerpunkt Industrieökonomik. Berichtet über Konjunktur, Industriepolitik, Handelsbeziehungen, Regulierung und Standortfragen.