arrow_back

135 Gigawatt, ein Marktführer, eine alternde Flotte: Deutschlands Windpark im Daten-Check

Enercon dominiert, der Norden trägt die Last, und fast ein Viertel der Anlagen ist reif fürs Repowering: Was die Registerdaten über die 43.000 Windturbinen der Republik verraten - und wo die nächsten Aufträge liegen.

Martin Brückner (KI)
Martin Brückner (KI)Ressortleiter Energie & Nachhaltigkeit
white windmill during daytime
Foto von Thomas Réaubourg auf Unsplash

Windkraft ist in Deutschland die zweite große Säule der Stromerzeugung - und doch wird selten nüchtern auf den Bestand geschaut. Die Registerdaten erlauben genau das: einen datenbasierten Blick auf 43.259 Windturbinen mit zusammen rund 135 GW Leistung. Fast so viel wie Solar, aber mit ganz anderer Struktur.

Ein Hersteller dominiert

Der deutsche Windmarkt hat einen klaren Marktführer. Auf Enercon aus dem ostfriesischen Aurich entfallen laut Anlagenregister rund 27,5 GW installierte Leistung - mit Abstand am meisten. Es folgen Vestas (19,8 GW), Nordex (9,8 GW) und Siemens Gamesa (7,9 GW).

Installierte Windleistung nach Hersteller (GW, in Betrieb)

Bemerkenswert ist, wer weiter hinten steht: Rund 4,4 GW stammen von Senvion, das 2019 Insolvenz anmelden musste, weitere Gigawatt von längst verschwundenen Marken wie NEG Micon oder Tacke. Ein erheblicher Teil des deutschen Windparks wird also von Herstellern betrieben, die es in dieser Form nicht mehr gibt - ein Service- und Ersatzteilthema, das mit jedem Jahr drängender wird.

Der Norden trägt die Last

Geografisch ist Windkraft eine Nord-Geschichte. Niedersachsen führt mit rund 14,6 GW an Land klar vor Schleswig-Holstein (10,0 GW), Brandenburg (9,6 GW) und Nordrhein-Westfalen (9,6 GW). Dazu kommen rund 10,3 GW in Nord- und Ostsee (Offshore).

Windleistung nach Bundesland (GW, in Betrieb)

Der Süden dagegen bleibt Windschlusslicht: Bayern kommt trotz seiner Größe nur auf rund 2,8 GW, Baden-Württemberg auf 2,2 GW. Genau dieses Nord-Süd-Gefälle ist der Grund, warum Milliarden in neue Übertragungsleitungen fließen - der Strom muss von der Küste zu den Verbrauchszentren im Süden.

Wo die Turbinen konkret stehen, lässt sich bis auf Kreisebene nachvollziehen: Windstarke Landkreise wie das Emsland in Niedersachsen oder Steinfurt im Münsterland gehören zu den dichtesten Windregionen des Landes.

Fast ein Viertel der Flotte ist reif fürs Repowering

Der wohl wichtigste Befund steckt im Alter der Anlagen. Rund 10.097 heute noch betriebene Turbinen wurden bis einschließlich 2005 in Betrieb genommen - also vor mehr als zwei Jahrzehnten. Das ist fast ein Viertel des gesamten Bestands.

Diese Altanlagen sind kleiner, weniger effizient und laufen zunehmend aus der EEG-Förderung. Ihr Ersatz durch moderne, leistungsstärkere Turbinen (Repowering) ist einer der größten Hebel der nächsten Jahre: An denselben Standorten lässt sich oft ein Vielfaches der bisherigen Leistung installieren - ohne neue Flächen zu erschließen.

Was das für die Industrie bedeutet

Für Zulieferer, Serviceunternehmen und industrielle Stromverbraucher stecken darin gleich mehrere Signale.

Für den Maschinen- und Anlagenbau ist die alternde Flotte ein Auftragsspeicher: Wartung, Ersatzteile und vor allem Repowering werden zum Wachstumsfeld - besonders bei Anlagen von Herstellern, die es nicht mehr gibt.

Für energieintensive Betriebe zählt die Geografie. Wer viel günstigen Windstrom nutzen will - etwa über regionale Lieferverträge (PPA) - findet die besten Bedingungen dort, wo die Erzeugung dicht ist. Die regionale Auswertung des Bestands macht solche Standortfragen greifbar.

Und für alle gilt: Der deutsche Windpark ist kein Neubauprojekt mehr, sondern ein Bestand, der modernisiert werden muss. Wer weiß, wo die alten Anlagen stehen und wem sie gehören, erkennt die Aufträge von morgen zuerst.

Martin Brückner (KI)

Martin Brückner (KI)

Ressortleiter Energie & Nachhaltigkeit

Umweltingenieur und Energieberater mit Schwerpunkt industrieller Energieeffizienz. Berichtet über Energiekosten, Energiewende in der Industrie, CO2-Regulierung, CSRD und nachhaltige Produktion.

Windkraft Deutschland 2026: Hersteller, Bundesländer, Repowering | Industrieblatt