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WM-Vorfreude als Stimmungsimpuls: Was die ifo-Forschung über Fußballturniere und Unternehmenserwartungen sagt

Kurz vor der Fußball-WM 2026 zeigen Unternehmen in Deutschland etwas mehr Optimismus. Das ifo Institut analysiert, wie groß der Effekt wirklich ist - und für wen er gilt.

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Redaktion Industrieblatt
man in yellow jacket playing soccer during daytime
Foto von Lars Bo Nielsen auf Unsplash

Kurz vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sendet das ifo Institut ein vorsichtig positives Signal: Die Vorfreude auf ein großes Turnier hat in der Vergangenheit die Erwartungen in deutschen Chefetagen messbar, wenn auch moderat, aufgehellt. Eine neue Auswertung des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts zeigt, dass dieser Effekt auch diesmal wieder zu beobachten ist - in einem konjunkturellen Umfeld, das dringend jeden Impuls gebrauchen kann.

Was das ifo Institut gemessen hat

Das ifo Institut befragt monatlich rund 9.000 Unternehmen aus Verarbeitendem Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Groß- und Einzelhandel sowie dem Dienstleistungssektor zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate. [1] Diese Datenbasis erlaubt es, saisonale und ereignisbedingte Stimmungsschwankungen präzise zu isolieren.

Die Auswertung vergangener Turniere zeigt ein klares Muster: Rund um Fußball-EM und -WM waren die Unternehmen in der ifo-Konjunkturumfrage teils etwas zufriedener mit der aktuellen Geschäftslage und etwas optimistischer für die kommenden Monate. [2] Der Effekt ist real - aber er ist klein, auf wenige Sektoren begrenzt und selten nachhaltig.

info Note

Das ifo Institut weist ausdrücklich darauf hin, dass für Deutschland kaum signifikante makroökonomische Effekte durch Fußballturniere zu erwarten sind. Der messbare Einfluss beschränkt sich vor allem auf die Unternehmenserwartungen – also die subjektive Stimmungslage, nicht auf harte Produktions- oder Umsatzzahlen.

Der Kontext: Trübe Ausgangslage, fragile Erholung

Die Vorfreude trifft auf ein schwieriges konjunkturelles Umfeld. Der ifo Geschäftsklimaindex fiel im April 2026 auf 84,4 Punkte - den niedrigsten Stand seit Mai 2020. [3] Im März hatte der Index bereits von 88,4 auf 86,4 Punkte nachgegeben, getrieben von deutlich pessimistischeren Erwartungen. [4]

Gleichzeitig gibt es erste Lichtblicke: Im ersten Quartal 2026 stieg die Wirtschaftsleistung in zwölf von sechzehn Bundesländern gegenüber dem Vorquartal. [5] Die Industrie sei dabei stark ins Jahr gestartet, so ifo-Konjunkturexperte Robert Lehmann - wenngleich die durch den Irankrieg gestiegenen Preise das Wachstum bremsten.

Vor diesem Hintergrund ist jeder Stimmungsimpuls willkommen. Ökonomen sprechen deshalb weniger von einem Wachstumsschub als von einem Stimmungsimpuls - und das sei in einer schwächelnden Konjunktur durchaus ein wertvolles Gut. [6]

Wer profitiert - und wer nicht

Die WM 2026 ist strukturell anders als frühere Turniere. Die Spiele finden in den USA, Kanada und Mexiko statt, was wegen der Zeitverschiebung dazu führt, dass viele Partien in Deutschland nachts übertragen werden. [7] Das dämpft den klassischen Konsumeffekt erheblich.

Erwarteter WM-Mehrumsatz in Deutschland nach Branche (Schätzung IW Köln, in Mio. Euro)

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet durch die WM 2026 einen gesamtwirtschaftlichen Mehrumsatz von rund 400 Millionen Euro für Deutschland. [6] Verteilt auf Gastronomie, Lebensmittelhandel, Elektronik, Fanartikel und Werbeeinnahmen ist das eine überschaubare Summe - für mittelständische Betriebe in genau diesen Segmenten aber durchaus relevant.

Besonders deutlich wird der Unterschied zur EM 2024: Die UEFA Euro 2024 in Deutschland generierte laut Studien von Nielsen Sports und dem DFB einen volkswirtschaftlichen Nutzen von rund 7,4 Milliarden Euro. [8] Ein solcher Effekt ist für eine WM im fernen Nordamerika nicht zu erwarten - schon allein deshalb, weil ausländische Touristen und Übernachtungsgäste wegfallen.

Für die Gastronomie zeichnet sich ein zweigeteiltes Bild ab. Der IW-Ökonom Marc Scheufen schätzt den WM-bedingten Mehrumsatz für die Gastronomie auf rund 67,4 Millionen Euro - die späten Anstoßzeiten dämpften den wirtschaftlichen Effekt jedoch deutlich. [7] Der Trend zum "Cocooning" - also dem privaten Fußballabend zuhause statt dem Kneipenbesuch - verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Im Sportfachhandel hingegen ist die Erwartungshaltung deutlich positiver. Sport 2000 rechnet mit rund zehn Prozent Mehrumsatz im Teamsportgeschäft. [6] Einen Sondereffekt liefert dabei das DFB-Trikot: Es ist das letzte, das Adidas für die Nationalmannschaft entwirft - ab 2027 übernimmt Nike. Für viele Fans ist es damit nicht nur Fanartikel, sondern Sammlerstück.

Stimmung als unterschätzter Konjunkturfaktor

Die eigentliche Botschaft der ifo-Analyse ist subtiler als ein Umsatzplus in einzelnen Branchen. Unternehmenserwartungen sind keine bloße Begleiterscheinung der Konjunktur - sie sind ein aktiver Bestandteil davon. Wer optimistischer in die Zukunft blickt, investiert eher, stellt eher ein und gibt eher Aufträge frei.

Eine aktuelle Atradius-Kundenumfrage ergab, dass 87 Prozent der befragten deutschen Unternehmen keine oder nur teilweise positive Effekte der WM auf die deutsche Wirtschaft erwarten. [8] Die Skepsis ist also weit verbreitet. Und doch: Selbst ein kleiner, messbarer Optimismusschub in der ifo-Konjunkturumfrage ist in der aktuellen Lage nicht zu unterschätzen.

Die ifo-Forschung zu vergangenen Turnieren zeigt, dass der Stimmungseffekt vor allem in den Monaten unmittelbar vor und während des Turniers auftritt - und danach rasch wieder abklingt. [2] Es handelt sich also um ein Zeitfenster, kein strukturelles Fundament.

Fazit: Realistischer Optimismus statt Euphorie

Die WM 2026 wird kein wirtschaftliches Sommermärchen für Deutschland. Die Zeitverschiebung, das Auslandsformat und die strukturellen Schwächen der deutschen Wirtschaft setzen dem Effekt enge Grenzen. Was bleibt, ist ein messbarer, wenn auch kleiner Stimmungsimpuls in den Chefetagen - und der Hinweis, dass Fußball und Konjunktur enger miteinander verbunden sind, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Für Unternehmen, die in den direkt betroffenen Branchen tätig sind, gilt: Die WM bietet ein klar umrissenes Zeitfenster für gezielte Maßnahmen. Wer es nutzt, fährt besser als wer auf spontane Kundschaft hofft. Wer es ignoriert, verpasst einen kleinen, aber realen Impuls - in einem Umfeld, in dem jeder Impuls zählt.

help_outlineWie misst das ifo Institut den Einfluss von Fußballturnieren auf die Unternehmenserwartungen?expand_more

Das ifo Institut wertet seine monatliche Konjunkturumfrage aus, an der rund 9.000 Unternehmen teilnehmen. Durch den Vergleich der Erwartungswerte in Turniermonaten mit saisonal bereinigten Vergleichsperioden lässt sich ein statistisch messbarer, wenn auch kleiner Stimmungseffekt isolieren.

help_outlineWarum ist der WM-Effekt 2026 für Deutschland geringer als bei früheren Turnieren?expand_more

Die WM 2026 findet in den USA, Kanada und Mexiko statt. Die Zeitverschiebung führt dazu, dass viele Spiele in Deutschland nachts übertragen werden. Damit entfallen der klassische Gastronomieeffekt, Fanmeilen und der Touristenstrom ins Inland – Faktoren, die bei der EM 2024 in Deutschland rund 7,4 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Nutzen generierten.

help_outlineWelche Branchen profitieren am stärksten von der WM 2026?expand_more

Laut Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) profitieren vor allem Sporthändler (Trikots, Fanartikel), Elektronikhändler (TV-Neuanschaffungen), Lebensmittelhandel und Getränkebranche. Die Gastronomie hingegen dürfte wegen der späten Anstoßzeiten und des Cocooning-Trends weniger stark profitieren als bei früheren Turnieren.

help_outlineIst der Stimmungseffekt bei Fußballturnieren nachhaltig?expand_more

Nein. Die ifo-Forschung zeigt, dass der Optimismusschub in den Unternehmenserwartungen auf die Monate unmittelbar vor und während des Turniers begrenzt ist und danach rasch wieder abklingt. Es handelt sich um einen temporären Impuls, nicht um eine strukturelle Verbesserung.

  1. ifo.de — Ifo konjunkturperspektiven
  2. ifo.de — Wirtschaftliche effekte sportliche grossereignisse
  3. ifo.de — Ifo business climate index down april 2026
  4. ifo.de — Ifo business climate index down march 2026
  5. ifo.de — Wirtschaft waechst zwoelf bundeslaendern
  6. marktundmittelstand.de — 400 millionen euro extra
  7. zdfheute.de
  8. leadersnet.de