Ende Juli 2026 hat Zeekr den Bestellstart für den 9X in Europa ausgerufen. Was zunächst wie eine weitere Meldung aus dem Strom chinesischer Markteintritte klingt, verdient einen zweiten Blick - denn der 9X ist kein gewöhnliches Elektroauto, das sich mit Reichweite und Preis positioniert. Er ist ein Angriff auf das Segment, das europäische Premiumhersteller bislang als ihre ureigene Domäne betrachten: das Luxus-SUV jenseits der 100.000-Euro-Marke.
Was der 9X ist - und was er sein will
Die Geely-Tochter Zeekr bringt ihr SUV-Topmodell 9X nach Europa. In China wurde der Luxus-SUV, der klar gegen Wettbewerber wie Rolls-Royce Cullinan oder Bentley Bentayga positioniert ist, bereits im April 2025 vorgestellt. Das ist keine bescheidene Ansage. Und der 9X macht optisch auch keinen Hehl daraus.
Der SUV streckt sich auf 5,24 Meter, ist 2,03 Meter breit und 1,82 Meter hoch. Der Radstand liegt bei 3.169 Millimetern. Das Design ist kantig, die Front wird von einem riesigen Chromgrill dominiert. Wer Understatement sucht, ist hier falsch.
Photo: Kenny Perez / UnsplashAnders als die bisher bei uns erhältlichen Zeekr-Modelle X, 7GT, 7X und 001 kommt das Topmodell der Marke nicht als reines Elektroauto zu uns, sondern als Plug-in-Hybrid. Das ist eine strategisch bedeutsame Entscheidung - und technisch keine Schwäche.
Technik: 900 Volt, 897 PS, Range-Extender-Logik
Hinter dem Antrieb steckt ein Plug-in-Hybridantrieb mit 900-Volt-Architektur und einem 2,0-Liter-Turbobenziner. Der Verbrennungsmotor soll vor allem als Generator dienen und den elektrischen Antrieb mit Energie versorgen. Die 900-Volt-Architektur kombiniert zwei Elektromotoren mit dem Turbobenziner als Generator. Zeekr nennt das intern "Super-Hybrid" - was ecomento treffender als Range-Extender-Konzept einordnet.
Der Zeekr 9X Ultra AWD leistet in der für Europa bestätigten Dual-Motor-Variante 660 kW (897 PS).
Der Dual-Motor-Antrieb des Plug-in-Hybrids leistet 897 PS (660 kW) und beschleunigt den 9X in 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h.
Die rein elektrische Reichweite des Zeekr 9X beträgt bis zu 223 Kilometer, die kombinierte Gesamtreichweite bis zu 767 Kilometer.
Für den elektrischen Antrieb setzt Zeekr auf eine 900-Volt-Architektur und eine 55-kWh-Batterie. Die elektrische Reichweite beträgt 223 Kilometer. Dank der Hochvolt-Technik soll sich der Akku an einem Schnelllader in weniger als zehn Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lassen.
Hier ist allerdings Nüchternheit angebracht: Die elektrische Reichweite von 179 Kilometern nach WLTP-Norm muss kritisch betrachtet werden. Angesichts des hohen Fahrzeuggewichts von fast drei Tonnen und der großen Stirnfläche eines Full-Size-SUV ist dieser Wert unter realen Bedingungen, insbesondere im Winter bei niedrigen Temperaturen, kaum zu erreichen. Die Herstellerangabe von 223 Kilometern gilt für die optimierte Variante - was in der Praxis bedeutet: Wer im Winter auf der Autobahn fährt, wird den Range-Extender öfter brauchen als gedacht.
Technische Einordnung: Der 9X ist konzeptionell kein klassischer PHEV, bei dem Verbrenner und E-Motor gleichberechtigt zusammenarbeiten. Der Benziner agiert primär als Generator — ähnlich dem Prinzip, das BMW beim i3 Rex oder Nio beim ET-Modell einsetzt. Das macht ihn im Alltag elektrisch, auf langen Strecken aber abhängig vom Tank.
Der Innenraum: Überfluss als Programm
Wer den 9X von innen erlebt, versteht, warum Zeekr das Wort "Palast" nicht scheut. Das Fahrzeug verfügt über Liegesitze in den ersten beiden Reihen mit Massagefunktion, eine aktive Geräuschunterdrückung, Sichtschutzrollos, einen Velours-Dachhimmel, ein bewegliches 17-Zoll-OLED-Display für Filme und ein Audiosystem mit 32 Lautsprechern, sechs verschiedenen Klangprofilen und Vibrationsmodulen in den Sitzen.
Im Fond sollen ein ausfahrbares 17-Zoll-3K-OLED-Display, gedimmte Beleuchtung und ein Naim-Audiosystem mit 32 Lautsprechern, 40 Verstärkerkanälen und zwei Subwoofern den Innenraum in ein privates Kino verwandeln. Das Display bewegt sich automatisch nach vorn und richtet sich auf den optimalen Betrachtungswinkel aus.
Das Kühl- und Warmhaltefach zwischen den Einzelsitzen der zweiten Reihe ist dabei das vielleicht ehrlichste Detail: Zwischen den beiden Einzelsitzen der zweiten Reihe befindet sich ein intelligentes Kühl- und Warmhaltefach mit voreingestellten Programmen für Wasser, unterschiedliche Weinsorten und Champagner. Wer Champagner-Programme in die Serienausstattung schreibt, hat eine klare Vorstellung von seiner Zielgruppe.
Vor dem Fahrer befinden sich ein 13-Zoll-Kombiinstrument, ein zentraler 16-Zoll-OLED-Touchscreen sowie ein 47-Zoll-Augmented-Reality-Head-up-Display. Und: Immerhin hat Zeekr einige physische Schalter belassen - eine Entscheidung, über die sich vermutlich jeder freuen wird, der schon einmal versucht hat, während der Fahrt die Klimaanlage über fünf Untermenüs einzustellen.
Bei den Materialien setzt Zeekr auf Handarbeit als Verkaufsargument: Holzapplikationen, Nappaleder und ein Drehregler aus Kristallglas sollen den Luxusanspruch zusätzlich unterstreichen. Einige Holzteile werden laut Hersteller bis zu 20 Stunden von Hand poliert. Das klingt aufwendig - ob es sich im Serienbetrieb in spürbarer Qualität niederschlägt, werden Testberichte zeigen müssen.
Wettbewerb: Wer sitzt im gleichen Segment?
| Modell | Antrieb | Systemleistung | El. Reichweite | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Zeekr 9X Ultra AWD | PHEV (Range-Extender) | 897 PS / 660 kW | bis 223 km | 900-V-Architektur, OLED-Fondkino |
| Range Rover PHEV | PHEV | ~550 PS | bis 120 km | Klassischer Oberklassekomfort |
| BMW XM | PHEV | 653 PS | bis 88 km | M-Sportlichkeit, etabliertes Servicenetz |
| Porsche Cayenne E-Hybrid | PHEV | ~470 PS | bis 90 km | Fahrdynamik, Markenimage |
| Nio EL8 | BEV | ~653 PS | bis 510 km | Battery-Swap-Netz, rein elektrisch |
Mit 897 PS, 900-Volt-Technik und sechs Sitzen tritt der Zeekr 9X gegen Range Rover PHEV, Volvo EX90, Nio EL8 und Denza N9 an. Auf dem Papier ist der 9X in nahezu jeder Kategorie üppiger ausgestattet als die Konkurrenz. Die entscheidende Frage ist eine andere: Kauft man in diesem Segment ein Datenblatt - oder eine Marke?
Marktstart und Preis: Noch viele offene Fragen
Zeekr spricht offiziell von einem Marktstart, allerdings können Kunden zunächst nur das Fahrzeug online konfigurieren und ihr konkretes Interesse am Kauf bekunden. Allerdings soll der vermutlich sechsstellige Preis erst zu einem späteren Zeitpunkt genannt werden.
Das ist eine ungewöhnliche Kommunikationsstrategie für ein Luxusfahrzeug. Wer ein Auto gegen Rolls-Royce und Bentley positioniert, sollte eigentlich wissen, was es kostet. In China beginnt der Preis bei umgerechnet rund 56.820 Euro - für Europa wird ein sechsstelliger Bereich erwartet. Das bedeutet: Zölle, Logistik und Margenanforderungen treiben den Preis deutlich nach oben.
Dazu kommt die Zollfrage. Produziert werden die Autos allein in China - und sind daher mit den Anti-Dumping-Zöllen der EU von bis zu 35 Prozent belegt. In einer Arbeitsgruppe habe Geely fünf Monate die Auswirkungen der Zölle geprüft. Dabei habe der Konzern errechnet, dass für Zeekr keine europäische Produktion aufgebaut werden müsse. Im Luxussegment ist das eine vertretbare Kalkulation - Rolls-Royce und Bentley produzieren auch nicht in China, und niemand beschwert sich über den Preis.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Mit Zeekr verfolgt Geely eine klare Premium-Strategie in Europa. Der chinesische Konzern ist bereits über Marken wie Volvo, Polestar, Lotus, Lynk & Co oder Smart in Europa vertreten. Der 9X ist damit kein Experiment eines unbekannten Newcomers - er ist der nächste Schritt eines Konzerns, der seit über einem Jahrzehnt systematisch europäisches Know-how aufgebaut hat.
Zeekr ist seit Dezember 2025 offiziell in Deutschland aktiv und hat den 9X als fünftes europäisches Modell der Marke innerhalb von drei Jahren positioniert.
Zeekr profitiert von Entwicklungs- und Technikkompetenz der Geely-Gruppe und kombiniert deutsche und skandinavische Design- und Servicestandorte mit chinesischer Produktionsstärke. Die Premium-Preisschiene und gezielte Märkte machen das Unternehmen zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für europäische Marken.
Für BMW, Mercedes und Porsche ist der 9X kein existenzielles Problem - noch nicht. Aber er demonstriert, dass chinesische Hersteller nicht mehr nur im Volumenmarkt angreifen. Chinesische Autokonzerne feiern mit ihren Premium- und Luxusmarken auf dem Heimatmarkt große Erfolge, was den Rückgang der Absatzzahlen von Importmarken beschleunigt. Die margenstarken Modelle sollen auch im Ausland Gewinne einfahren.
Das ist die eigentliche Botschaft des Zeekr 9X: nicht das Fahrzeug selbst, sondern die Richtung, in die sich der Wettbewerb entwickelt. Wer glaubt, das Luxussegment sei eine sichere Burg für europäische Hersteller, sollte sich den Chromgrill des 9X genauer ansehen.
Wann ist der Zeekr 9X in Deutschland bestellbar?
Seit dem 29. Juli 2026 können Kunden den Zeekr 9X Ultra AWD online konfigurieren und ihr Kaufinteresse bekunden. Preise hat Zeekr noch nicht offiziell kommuniziert — ein sechsstelliger Betrag wird erwartet.
Ist der Zeekr 9X ein echtes Elektroauto oder ein Hybrid?
Der 9X ist ein Plug-in-Hybrid mit Range-Extender-Konzept: Im Alltag fährt er rein elektrisch (bis zu 223 km), auf langen Strecken lädt der 2,0-Liter-Turbobenziner als Generator die Batterie nach. Zeekr bezeichnet das intern als 'Super-Hybrid'.
Wie hoch sind die EU-Zölle auf den Zeekr 9X?
Da der 9X ausschließlich in China produziert wird, unterliegt er den EU-Anti-Dumping-Zöllen von bis zu 35 Prozent. Geely hat nach eigenen Angaben entschieden, keine europäische Produktion aufzubauen.
Gegen wen konkurriert der Zeekr 9X direkt?
Zeekr positioniert den 9X gegen Range Rover PHEV, BMW XM, Porsche Cayenne E-Hybrid und — auf dem Papier — gegen Rolls-Royce Cullinan und Bentley Bentayga. In der Praxis trifft er auch auf chinesische Konkurrenz wie den Denza N9.





