Verpackung klingt nach Logistik-Randnotiz - ist es aber nicht, wenn ein Chemiekonzern wie BASF täglich Tausende Intermediate Bulk Container für den Transport flüssiger Chemieprodukte benötigt. Genau deshalb ist die Meldung, die Mitte März aus Ludwigshafen kam, mehr als eine Standortmeldung: Sie zeigt, wie industrielle Versorgungssicherheit in der Praxis aussieht.
Ansiedlungsvertrag unterzeichnet, Baustart im dritten Quartal 2026
BASF und Schütz haben einen Ansiedlungsvertrag über den Bau eines hochautomatisierten Produktions- und Lagerstandorts für Intermediate Bulk Container (IBC) am Hauptsitz der BASF in Ludwigshafen unterzeichnet. Der Baustart für die IBC-Fertigungsanlage ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen.
Das Besondere an diesem Vorhaben ist die räumliche Konsequenz, mit der es umgesetzt wird. Kernbestandteil ist der Aufbau der Anlage zur IBC-Produktion auf einem Grundstück direkt am Werksrand in Ludwigshafen. Darüber hinaus sieht das Konzept ein digitalisiertes Packmittellager vor, das sich an die Container-Produktion anschließen soll. Zudem soll das Wiederverwenden, Aufbereiten und das Recycling genutzter Verpackungscontainer ausgebaut werden.
Photo: Simon Kadula / UnsplashWas ein IBC überhaupt ist - und warum er in der Chemie unverzichtbar ist
Für Leserinnen und Leser außerhalb der Verpackungsbranche lohnt ein kurzer Einschub: IBC, auch bekannt als "Gittertank", sind große quaderförmige Behälter, die für die Lagerung und den Transport von flüssigen und rieselfähigen Stoffen in der Industrie eingesetzt werden. Sie haben ein Volumen von 300 bis 3.000 Litern und können für den Transport von Gefahrgut zugelassen sein.
Da sich mehrere IBCs verbinden lassen und direkt in Produktionsanlagen integriert werden können, sind sie für die Chemie zum Nonplusultra geworden - und längst viel weiter verbreitet als beispielsweise lange Zeit dominierende Fässer. Am Standort Ludwigshafen kommen sie konkret zum Einsatz: Solche Container werden unter anderem für Lagerung und Transport flüssiger chemischer Produkte eingesetzt, etwa von Dispersionen, Additiven oder Tensiden.
Das Versorgungskonzept: Infrastrukturell und logistisch eng verzahnt
Schütz hat gemeinsam mit der BASF ein neues, ganzheitliches Versorgungskonzept mit industriellen Verpackungen für den Standort entwickelt, in dessen Zuge das künftige Produktionswerk von Schütz und der Chemiestandort infrastrukturell und logistisch eng miteinander verzahnt werden.
Der Kern des Konzepts ist die Just-in-Time-Logik: Die IBC-Produktion soll so ausgelegt werden, dass eine Versorgung rund um die Uhr möglich ist. Durch die direkte Anbindung an den Chemiestandort kann die Belieferung flexibel und bedarfsgerecht erfolgen. Dies reduziert Lagerbestände und erhöht die Reaktionsfähigkeit in der Produktion.
On-Site-Produktion als Versorgungsstrategie: Die direkte Ansiedlung eines Zulieferers auf dem Werksgelände ist kein Einzelfall — aber selten so konsequent umgesetzt wie hier. Das Modell reduziert Transportwege, Lagerkosten und Reaktionszeiten gleichzeitig.
Was das in der Praxis bedeutet, bringt Uwe Lohr, Senior Vice President Global Indirect Procurement bei BASF, auf den Punkt: "Die Integration der IBC-Fertigung in unsere Wertstoff- und Produktionskreisläufe stärkt langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit." Die räumliche Anknüpfung und Einbindung mache es möglich, Transportwege kurz zu halten und rund um die Uhr flexibel auf sich verändernde Bedarfe in den Produktionsbetrieben und Anlagen zu reagieren.
Helmut Winterling, President Europäische Verbundstandorte bei BASF, ergänzt die strategische Dimension: "Die gezielte Ansiedlung langjähriger Partner schafft entscheidende strukturelle Vorteile für unser Stammwerk."
Schütz: 70 Standorte weltweit, Umsatz 2,5 Milliarden Euro
Wer ist der Partner, der hier investiert? 1958 gegründet, verfügt Schütz aktuell weltweit über 70 Produktions- und Servicestandorte mit mehr als 8.000 Mitarbeitern. Die vier Geschäftsbereiche Packaging Systems, Energy Systems, Industrial Services und Composites nehmen jeweils führende Positionen in ihren Märkten ein. Der Umsatz der Gruppe belief sich im Jahr 2025 auf 2,5 Milliarden Euro.
Schütz erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro.
Das Unternehmen bietet seinen Kunden ein vollständig kreislauffähiges Produkt- und Serviceangebot. Im Einklang mit seiner Nachhaltigkeitsphilosophie arbeitet der Schütz Ticket Service in einem geschlossenen Kreislaufsystem, das die schnelle Abholung und Rekonditionierung entleerter Industrieverpackungen in allen wichtigen Industrienationen der Welt gewährleistet.
Roland Strassburger, CEO der Schütz-Gruppe, ordnet das Projekt in die Unternehmensstrategie ein: "Dieses Projekt ist nicht nur ein starkes Signal für eine zukunftsfähige Standortentwicklung, sondern steht auch für hocheffiziente, kundenspezifische On-Site-Lösungen und den weiteren Ausbau unserer Rolle als strategischer Partner der Industrie."
Eine Partnerschaft mit Tiefgang - und einem historischen Meilenstein
Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen ist keine neue Zweckgemeinschaft. Die Zusammenarbeit zwischen BASF und Schütz reicht bis in die 1960er-Jahre zurück. Ein Meilenstein war die Entwicklung des weltweit ersten IBC im Jahr 1975 durch Udo Schütz in enger Zusammenarbeit mit der BASF - eine Innovation, die sich weltweit zur Standardindustrieverpackung entwickelte.
Der weltweit erste IBC wurde 1975 von Udo Schütz in enger Zusammenarbeit mit der BASF entwickelt.
Diese historische Verbindung verleiht dem aktuellen Projekt eine besondere Glaubwürdigkeit: Hier investieren zwei Partner, die gemeinsam das Produkt erfunden haben, nun in seine industriell konsequenteste Produktionsform - direkt am Ort des größten Bedarfs.
Kreislaufwirtschaft als integrierter Bestandteil
Bemerkenswert ist, dass Nachhaltigkeit in diesem Projekt nicht als Zusatz erscheint, sondern strukturell verankert ist. Das Konzept sieht ein hochmodernes, digitalisiertes Packmittellager vor, das sich an die Container-Produktion anschließen wird, sowie den weiteren Ausbau der Wiederverwendung, Aufbereitung und des Recyclings genutzter Verpackungscontainer.
Die Partner planen den Ausbau der Wiederverwendung und Aufbereitung gebrauchter Container, inklusive weiterentwickelter Recyclingprozesse. Kurze Transportwege, geschlossene Kreisläufe, digitalisierte Lagerhaltung - das Projekt ist damit auch ein Praxisbeispiel dafür, wie Versorgungssicherheit und Ressourceneffizienz zusammengedacht werden können.
Einordnung: Was dieses Projekt für die Industrie bedeutet
Das Modell, das BASF und Schütz hier erproben, hat Signalwirkung über den Einzelfall hinaus. Die Ansiedlung eines Zulieferers direkt am Werksrand - mit vollständiger infrastruktureller und logistischer Verzahnung - ist eine Antwort auf mehrere gleichzeitige Herausforderungen: Lieferkettenstabilität, Kosteneffizienz, Reaktionsfähigkeit bei schwankenden Produktionsbedarfen und der Druck, Kreislaufwirtschaft operativ umzusetzen.
Der Baustart für die neue IBC-Fertigungsanlage von Schütz am BASF-Stammwerk Ludwigshafen ist für das dritte Quartal 2026 geplant.
Für die Chemieindustrie, die seit Jahren unter Druck steht, Lieferketten resilienter und gleichzeitig schlanker zu gestalten, liefert Ludwigshafen ein konkretes Modell - nicht als Konzept, sondern als Bauprojekt mit festem Starttermin.





