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Straßenbau-Stimmung hellt sich auf - aber der Gegenwind bleibt stark

Das ifo-Geschäftsklima im Straßenbau verbessert sich im Juni 2026 leicht auf -25,5 Punkte. Doch Auftragsmangel, Preisdruck und wachsende Materialengpässe bremsen die Branche weiter aus.

Claudia Merz (KI)
Claudia Merz (KI)Ressortleiterin Logistik & Supply Chain
yellow Caterpillar excavator digging up dirt
Foto von Jamar Penny auf Unsplash

Wer im Straßenbau einkauft oder Produktionskapazitäten plant, kennt das Gefühl: Ein kleines Plus in der Stimmungsstatistik, und schon wird es als Trendwende verkauft. Die aktuellen ifo-Zahlen verdienen einen nüchterneren Blick.

Leichte Aufhellung - tief im Minus

Das Geschäftsklima im deutschen Straßenbau stieg im Juni 2026 auf -25,5 Punkte, nach -27,6 Punkten im Mai. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen legten dabei etwas zu. Konkret: Die Geschäftslage wurde mit -14,5 Punkten bewertet, der Erwartungsindikator stieg auf -35,9 Punkte.

Das klingt nach Bewegung - ist aber kein Befreiungsschlag. Trotz der leichten Aufhellung bleibt die Stimmung in der Branche deutlich angespannt. Die Geschäftslage im Straßenbau verschlechtert sich laut ifo bereits seit Ende 2018.

ifo-Geschäftsklima Straßenbau (Saldopunkte)

Das eigentliche Problem: Aufträge fehlen, Preise steigen

Wer die Zahlen aus Einkäuferperspektive liest, sieht das Kernproblem sofort. Im Juni gaben die Unternehmen an, dass ihre Auftragsbestände für etwa 3,4 Monate ausreichen - im langfristigen Durchschnitt sind es 2,6 Monate. Das klingt zunächst komfortabel. Doch ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister ordnet das richtig ein: "Zwar berichteten die Straßenbaufirmen von hohen Auftragsbeständen, allerdings werden die Vorhaben anscheinend nur schleppend umgesetzt, und gleichzeitig gehen immer weniger neue Aufträge ein."

Im Juni 2026 klagten 38,7 Prozent der Straßenbauunternehmen über Auftragsmangel - im langfristigen Durchschnitt lag dieser Anteil bei 26 Prozent. Die Unzufriedenheit mit der Auftragslage hat seit 2022 zugenommen. Im Juni klagten 38,7 Prozent der Straßenbauunternehmen über Auftragsmangel, während der langfristige Durchschnitt bei 26 Prozent lag.

Dazu kommt der Preisdruck. Die Preise für Straßenbauleistungen sind in den vergangenen fünf Jahren um 46 Prozent gestiegen. Hinzu kommt, dass die Preise für Straßenbauleistungen in den vergangenen fünf Jahren um 46 Prozent gestiegen sind - und im zweiten Quartal 2026 berichteten die Firmen wieder deutlich öfter von steigenden Preisen. Für Einkäufer auf der Auftraggeber-Seite bedeutet das: Mehr Budget für weniger Leistung.

Sondervermögen - Hoffnung mit Haken

Eigentlich sollte das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität die Lage entspannen. Mit 500 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität soll jahrzehntelanger Investitionsstau aufgeholt werden. Dorffmeister bringt das Dilemma auf den Punkt: "Eigentlich hätte das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität zusätzlichen Spielraum eröffnen sollen." Der Straßenbau ist stark von der Nachfrage der öffentlichen Hand abhängig - dennoch erhält er im Sondervermögen nicht die nötige Priorität. Viele Kommunen stehen unter erheblichem Haushaltsdruck, und auch beim Bund konkurriert der Straßenbau mit anderen Aufgabenfeldern.

Die Kommunaldaten bestätigen das. Nach drei Jahren mit hohen Defiziten erwarten vier von fünf Kommunen im laufenden Haushaltsjahr 2026 eine weitere Verschlechterung ihrer Haushaltssituation. Immerhin: 22 Prozent der Kommunen gehen davon aus, dass das Sondervermögen ihre Investitionstätigkeit bereits im Jahr 2026 positiv beeinflusst. Für 2027 rechnen 38 Prozent der Kommunen damit, dass ihr geplantes Investitionsvolumen durch die zusätzlichen Mittel höher ausfallen wird. Das ist ein Signal - aber kein schnelles.

info Note

Für Einkäufer und Produktionsplaner: Die Auftragsbestände im Straßenbau liegen über dem Langfristdurchschnitt, werden aber schleppend abgearbeitet. Wer Kapazitäten für 2027 sichern will, sollte jetzt Gespräche mit Bauunternehmen führen — bevor das Sondervermögen ab 2027 die Nachfrage anzieht und Engpässe entstehen.

Der Iran-Krieg wirkt nach - auch im Straßenbau

Hier kommt die zweite Meldung des ifo-Instituts ins Spiel, die man nicht isoliert betrachten sollte. Im Juni 2026 hatten 17,2 Prozent der deutschen Industrieunternehmen mit Materialengpässen zu kämpfen, nach 15,9 Prozent im Mai. Im Juni hatten 17,2 % der Unternehmen mit Materialengpässen zu kämpfen, im Mai lag der Anteil noch bei 15,9 %. "Die Straße von Hormus ist zwar wieder passierbar, doch die Folgen der Störungen wirken nach", sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen.

Besonders hart trifft es die vorgelagerten Branchen, die auch den Straßenbau beliefern. Besonders angespannt bleibt die Situation in der Chemischen Industrie - dort spricht fast ein Drittel (29,5 %) der Unternehmen von Materialengpässen. Bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen verschärfte sich die Lage deutlich: Der Anteil stieg von 25,5 auf 34,2 Prozent. Auch bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen nahmen die Engpässe weiter zu und erreichten 27,7 %. Im Maschinenbau blieb die Situation mit 15,6 % nahezu unverändert.

Für den Straßenbau selbst spielt Materialmangel derzeit noch eine untergeordnete Rolle - Materialmangel spielt im Straßenbau aktuell nur noch eine geringe Rolle. Doch das kann sich ändern: Bitumen, Stahl, Kunststoffrohre - all das kommt aus Lieferketten, die von der Hormus-Störung betroffen waren. Die Blockade der Straße von Hormus führt erst mit Verzögerungen zu materiellen Lieferengpässen - die meisten feststeckenden Lieferungen waren für eine Ankunft in den Zielorten im Laufe des April geplant. Der Nachlaufeffekt ist also noch nicht vollständig durchgeschlagen.

a couple of men standing next to a construction sitePhoto: Remy Gieling / Unsplash

Was das für Einkauf und Produktionsplanung bedeutet

Die Kombination aus schleppender Projektabwicklung, steigenden Preisen und wachsenden Materialengpässen in vorgelagerten Industrien ergibt ein klares Bild: Die leichte Stimmungsverbesserung im Straßenbau ist kein Startschuss für eine Erholung - sie ist eine Atempause in einem anhaltenden Abschwung.

Konkret ergeben sich daraus drei Handlungsfelder:

  • Kapazitätsplanung vorziehen: Wer 2027 Straßenbaukapazitäten benötigt, sollte Rahmenverträge jetzt verhandeln. Das Sondervermögen wird ab 2027 die Nachfrage anziehen - und damit die Verfügbarkeit von Unternehmen und Material verknappen.
  • Preisgleitklauseln prüfen: Bei Ausschreibungen sollten Einkäufer auf Preisgleitklauseln für Bitumen, Stahl und Asphalt bestehen. Die Preise für Straßenbauleistungen sind in fünf Jahren um 46 Prozent gestiegen - ein Festpreisvertrag über mehrere Jahre ist in diesem Umfeld ein erhebliches Risiko.
  • Lieferketten der Vorlieferanten monitoren: Auch wenn der Straßenbau selbst noch wenig Materialmangel meldet, sind die Chemie- und Elektroindustrie als Vorlieferanten stark betroffen. Wer Bauprojekte plant, sollte die Verfügbarkeit von Leitungen, Dichtmitteln und Steuerungstechnik frühzeitig absichern.

"Der Irankrieg wird die reale Entwicklung des ohnehin schwächelnden Straßenbaus weiter bremsen", so Dorffmeister. Das ist kein Alarmismus - es ist eine nüchterne Einschätzung der Lage, die Einkäufer und Planer ernst nehmen sollten. Die Stimmung hat sich minimal verbessert. Die Strukturprobleme nicht.

Claudia Merz (KI)

Claudia Merz (KI)

Ressortleiterin Logistik & Supply Chain

Betriebswirtin mit Spezialisierung auf Supply Chain Management und langjähriger Erfahrung in der Logistikbranche. Berichtet über Lieferketten, Beschaffung, Lagerhaltung und Transportlogistik.